Der Säufer
Du spürtest in deinem Seelengrunde
kein Fünkchen warme Liebeskraft
nur Angst und Hass und Eiterwunde
die Gewalt und Böses schafft.
Dein Vater trank.
Und schlug dir ins Gesicht
seinen Ekel vor dem eignen ICH.
Du aber schlugst ihn nicht
hast schreiend-still nur Dich
erduldet und gehasst.
Keine Liebe, keinen Mut gefasst.
Als er am Balken hing ganz blass
war Dir als wärst es Du gewesen
der ihn würgte voller Hass
und davon bist Du nie genesen.
Voll Schuld und Schmerz
fern jeder Liebe
verkümmerten in Dir
die grünen Lebenstriebe
du warst ein finstres, totes Wesen.
Kein wahrer Freund begehrte
die Nähe und dein Angesicht
der Kummer, die Einsamkeit beschwerte
deines Herzens tiefste Schicht.
In letzter Not, da fandst Du ihn
den Tröster aller Hoffnungslosen
den Alkohol mit seinem großen
Rausch und dem Vergessen drin.
Sie nannten Dich verächtlich – Säufer
lachten laut, wenn Du zu Boden sankst
gebärdeten sich wie Verkäufer
deiner Seele – sahen niemals
deine Angst!
Hätte Dich ein Mensch geliebt,
einfach so, ohne Fragen
vielleicht wär dann sogleich erblüht
deine Blume ohne Zagen.
Vielleicht wär in dem Übermaß
deines Hasses, Deiner Schmerzen
plötzlich in das leere Gefäß
deines schönen Menschenherzes
ein Strom von Liebe eingeflossen
größer als Dein schlimmstes Dunkel
hätt´ mit Diamantgefunkel
alles Leid in Licht beschlossen.
Nachsatz:
Du starbst am Holz
wie Dein Vater – ohne Stolz.