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Totenschiff

Ich stehe im Nebel,
versteckt hinter weißen Schleiern,
direkt am Kai,
Gedanken sie fließen,
ich fühle mich frei.

Worauf  ich warte? Ich weiß es nicht.

Eine Arche  reitet über die Wellen,
wie ein Dämon in der Nacht,
neben mir erscheint ein Kind und lacht,
es will mich glücklich sehen,
einfach nur neben mir stehen.
Ich soll mich erinnern,
doch ich schaffe es nicht.
Es flüstert meine Namen
und trifft mein Herz,
für Sekunden trägt mich ein eisiger Schmerz.

Es schmiegt sich an mich,
streichelt mich mit Blicken,
ich halte es fest,
sage, gehe bitte nicht fort.
Doch es antwortet:
Das wäre nicht richtig,
du nimmst dich zu wichtig,
ich muss jetzt gehen,
um meine Zukunft zu sehen.

Der Ruf des Meeres
weht mit dem Wind,
erreicht die Alten, die Jungen,das Kind.
Der Seelenengel spielt auf seiner Schallmei
und lockt die Seelen hinunter zum Kai

Sie betreten die Arche, Hand in Hand,
hinter ihnen schließt sich die Nebelwand,
auch das Kind befreit sich aus meinem Griff
und betritt lächelnd das Totenschiff.

Ich bin ein einsamer Reiter,
ein Wegbegleiter,
der stets vergisst,wer er wirklich ist.

Meine Namen sind Abschied, Schmerz und Angst.

Ich stehe am Kai,
Gedanken sie fließen,
ich fühle mich frei.
Worauf ich warte? Ich weiß es nicht.

 

2 Wertung(en)    Schlecht »« Super  



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Kommentar von: Bottom of the Lake 2010-04-16 16:50
Sehr vielschichtiges Gedicht mit intensiven Bildern. Solche Themen sind zwar nicht so mein Geschmack, aber dieses Gedicht bildet da eine Ausnahme, weil es hat alles, was ein Gedicht brauch :-) lg Ben
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Kommentar von: almebo 2010-08-27 10:13
Doch, ich kann mich Ben anschließen, weil es etwas mit lebhaftem Inhalt ist. Lg Alfred
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Kommentar von: Angie Pfeiffer 2010-08-27 12:56
Die Szene erinnert mich an eine Novelle von Poe 8komme nicht auf den Namen), beklemmend, aber sehr poetisch. Nicht schön, aber richtig gut.
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