Das letzte Geschenk
Der Himmelsvater auf seinem Throne saß,
links und rechts zwei Engel standen.
In seiner Hand hielt er bis zum Rand gefüllt ein Champagnerglas,
das die Engel nicht verstanden.
Der eine Engel konnte es schließlich nicht mehr lassen.
Engel 1: „Verzeiht, Herr, aber Ihr solltet für das folgende Beratungsgespräch nüchtern sein!"
Der „Allmächtige" wurde leicht wütend – diese Vorhaltung konnte er kaum fassen.
Engel 2: „Trinkt doch statt Champagner nur einen leichten Wein!"
Ehe sich die vorlauten Engelchen noch einen Vorschlag gemacht,
hatte sich der Herrgott zurückgelehnt
noch einen Schluck seines Champagners genommen
und dann wurde die Türe aufgemacht
und herein war der Nikolaus gekommen.
Von der Kälte rot war sein Gesicht
und seine Hände waren eiskalt.
Des Herrgotts Frage erklang: „Was willst du mir sagen, Sprich!"
Der Nikolaus holte tief Luft und öffnete erstmals seinen nassen Mantel einen Spalt.
Nikolaus: „Überall habe ich Päckchen verteilt und hergegeben,
der Lohn war die Undankbarkeit.
Herrgott, dies müsstet Ihr sehen und erleben,
kein einzig Kind hatte nach dem es sein Geschenk in den Händen hielt, für mich Zeit!
Kaum kam ich zur Tür herein –
jedes Mal erschöpft von der Kälte und des Sackes Last.
Immer dachte ich: „Das kann doch nicht sein!"
Niemand bot mir was zum Sitzen oder Trinken an – bei keinen gab es Rast!"
Der Schöpfer sah ihn voller Gefühle des Mitleides an.
Herrgott: „Gut hast du deine Tat vollbracht.
Der Egoismus der Menschheit wird sich bessern irgendwann,
doch hattest du auch jedem Kind ein Geschenk gemacht?"
Nikolaus: „Ein Geschenk in meinen Sack ich an die kleine Lisa noch schenken sollen,
ich werde hinunter gehen und den Rest meiner Arbeit tun.
Ich möchte nicht grollen,
im Himmel ich mich nur eine kleine Weile ausruh'n."
Herrgott: „Auf all deinen Wegen schenke ich dir Segen und Schutz,
geh jetzt zu der Lisa, auch wenn sie noch so klein.
ich bin davon überzeugt, diesmal hat deine Arbeit einen Nutz,
bestimmt bittet dich die „Kleine" etwas liebevoller in ihr Haus hinein."
Der Nikolaus hatte diesen Satz zur Kenntnis genommen,
er hatte sich vom Herrgott verabschiedet und den Saal verlassen.
Dann hatte er von der Himmelskönigin Maria erst einmal eine warme Suppe bekommen,
auch leerte er mehrere mit Tee gefüllte Tassen.
Mehrere Stunden waren inzwischen vergangen
und Nikolaus war dem Hause Lisa schon ganz nah.
Stark hatte es zum schneien angefangen,
doch „Gottlob" war der Nikolaus jetzt endlich da.
Wenig später hatte er an die Türe geklopft,
das Geschenk der Kleinen hatte er an sich gepresst.
Nasser Schnee war ihm vom Mantel getropft,
der Arme fror ganz fest.
Die Türe wurde aufgemacht
und da stand nun die kleine Lisa da.
„Du bist also doch noch gekommen zu mir diese Nacht!"
rief sie mit ihrem Stimmchen so klar.
„Komm zu mir ins Haus, dir ist sicher sehr kalt,
ich warte schon stundenlang.
Komm herein, bei mir ist es warm – wärm dich auf am Kamin - dann ist's dir warm sehr bald.
Ich dachte du hättest mich vergessen, - darum habe ich geweint und mir wurde bang.
Ich möchte es erleben,
zusammen mit dem Weihnachtsmann.
Ein gemütlich Plätzchen am Kamin, Stollen und Glühwein wollt ich dir geben,
schließ schon endlich doch die Tür – damit du dich erholen bei mir kannst!"
Bei diesen Worten waren Niklas Augen schnell mit Freudentränen erfüllt,
er ließ sich von dem Mädchen in die gute Stube führen.
Sein Herz war mit Glück erfüllt,
die Rührung konnte er ganz deutlich spüren.
Das Kindlein behandelte Niklas wie einen Gast
und bot ihm Kuchen, Stollen Tee.
Am Feuer fand er dann genügend Rast,
in seinen Augen war sie eine kleine Fee.
„Es ist noch ein kleines Geschenk für dich da,"
so der Niklas schließlich meinte.
Die Augen der Kleinen wurden groß – sie wurden klar,
vor Überraschung sie dann weinte.
Die Puppe und den Teddybären dann die Kleine bekommen,
darüber war sie erfüllt von Glück.
Dankbar sie die Geschenke angenommen,
Doch sie dann sagte: „Niklas, bleib bei mir, geh noch nicht zurück!
Zu bleiben fällt dir sicherlich nicht schwer,
denn draußen hat ein Schneesturm angefangen."
Diese Worte rührten ihn so sehr,
darum war er auch noch nicht gegangen.
Kleine Lisa: „Der Sturm wird dauern noch bis morgen,
ich mache dir ein Bettchen zurecht.
Hier bei mir bist du geborgen,
dir geht es ganz bestimmt nicht schlecht."
Den Sturm hätte der Nikolaus zwar überwunden,
denn er sollte rechtzeitig im Himmelsreiche sein.
Doch er hatte es als besser entfunden
und blieb bei Lisa, seinem Sonnenschein.
Als am nächsten Morgen der Niklas das Haus verlassen,
musste er sich unter Tränen freuen.
Er konnte es immer noch nicht fassen,
das er die Nacht geblieben, würde er bestimmt nicht bereuen.
Lisa, du bist erst 7 Jahre alt
und warst wie das Licht in der Dunkelheit.
Soviel Kinder behandelten mich so kalt,
doch du sprachst Dank aus und nahmst dir für mich Zeit.