Das Geisterhaus
Ein Bauernhaus ganz alt und schief,
an einem Hang am Walde schlief.
Kein einziges Haus ward in der Näh`,
es ruhte sanft ein stiller See.
Geschichten rankten um dies` Haus,
niemand stieg zu ihm hinauf,
aus Angst vor schaurigen Gespenstern
und Gesichter hinter Fenstern.
Eine Seele die der Tot verwirrte,
ängstlich zu dem Häuschen irrte,
da dunkle Schatten zogen auf,
ihr einziger Schutz ,war dieses Haus.
Zaghaft berührte sie den Knauf,
doch schwang die Tür von selber auf,
es hallte schaurig an ihr Ohr,
des Mädchens Blut zu Eis gefror.
„ Tritt ein mein Kind und ruh` dich aus“,
flüsterte das alte Haus.
„ Hab lang` schon niemanden gesehen.“
„Bei mir, da wird dir nichts geschehen.“
Des Mädchens Geist, zündete die Kerze,
brachte Licht so in die Schwärze,
strich sanft über alle Dinge
und fand goldene Eheringe.
Die Kerze flackerte nun wild,
des Mädchens Blick fiel auf ein Bild,
es schaukelte an linker Wand,
sie ging drauf zu, war ganz gebannt.
Ein altes Paar mit vielen Lenzen,
dort auf diesem Bild jetzt glänzten,
hielten liebevoll die Hände,
so, als spürten sie das Ende.
Das Licht der Kerze zeigte mehr,
es wunderte das Mädchen sehr,
das Leben kam in alle Bilder,
ihr Herz, es klopfte immer wilder.
Auf jedem Bild, verwunderlich,
bewegten diese Menschen sich.
Große,kleine, alte Menschen,
die auf verblichenen Fotos glänzten.
Das Mädchen fühlte tiefe Ruh`,
winkte den alten Fotos zu,
ihre Seele war bereit
und schritt in die Vergangenheit.
Das gleiche Haus, der gleiche Raum,
auch die Menschen nicht ein Traum,
begrüßten sie nun voller Liebe,
sagten, dass sie nun dort bliebe.
Wo gute Geister kümmern sich,
um die verirrten Seelen,
die ohne jede Zuversicht,
durch Dunkelheit sich quälen.
Das alte Paar mit vielen Lenzen,
die Ringe an den Fingern glänzten,
die liebevoll das Mädchen herzten,
das verirrte sich in Schmerzen.
Am stillen See das Mädchen ruhte,
verkrümmt, allein, im eignen Blute,
ein Lächeln in den toten Augen,
so, als könnt` sie es nicht glauben.
Als man ihren Körper fand,
ein Seufzer aus dem Haus endschand.
Schnell trugen sie das Mädchen fort,
verließen betend diesen Ort.
Ein Bauernhaus ganz alt und schief,
an einem Hang am Walde schlief.
Geschichten rankten um dies Haus,
niemand stieg zu ihm hinauf.
So hört man weiter von Gespenstern
und Gesichtern hinter Fenstern.