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Wegsehen

Die Sonne den nasskalten Morgen schleiert
von blattlosen Zweigen tröpfelt der Tau
hoch vom Kirchturm ein Glöcklein beiert
die Strasse lang hastet gebeugt eine Frau
die Haare gebunden – den Kopf hüllt ein Tuch
sie verhält ihren Schritt
sie bückt sich – sie scheint was gefunden
ein Schrei teilt die Stille
es fliegt etwas weit fort
sie verliert ihre Brille
und flieht diesen schrecklichen Ort
in den Staub des Weges war etwas gebunden
das ihrem verschleppten Manne gehört
man hat ihn gefoltert
man hat ihn geschunden
man hat ihrer beider Seelen zerstört
und alle haben sie zugesehen
die Nachbarn die Freunde
das schweigende Dorf
sie alle ließen das Unrecht geschehen
sie haben das unterste
nach oben gekehrt

 

1 Wertung(en)    Schlecht »« Super  



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Kommentar von: almebo 2009-12-22 00:28
Sehr schön! Wir sollten viel mehr auf andere achten, als sich mit uns selbst nur zu befassen. Gruß almebo
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