Die Glocken von Liggerike
Gotischer Turm mit Glocken, so alten,
die bis heute erhalten.
Weites Land, nach Norden Hügelketten, am Hang die Stadt.
Hoch in der Einflugschneise
gleiten die Flugzeuge leise,
weder Lärm noch Abgase stören,
ein leichtes Grummeln nur ist zu hören.
Der Flughafen, wenige Kilometer entfernt,
erweitert und ausgebaut, ganz modern,
ist heute Verbindung zur weiten Welt,
wie schon vor tausenden von Jahren,
da Händler von der Weser zur Ems gefahren,
Tauschhandel treibend mit Töpfen und Krügen,
geschützt durch den Deetweg vor Räubern und Wilden.
Steinerne Gräber blieben als Zeugen.
Anglo-Normannen von Norden her folgten am Osning
und setzten Kirche um Kirche an Thing
Plätzen, die bis dahin durch heidnische Kulte bekannt.
Zum Christentum ward bekehrt der Flecken, Liggerike genannt.
Die Göttin der Fruchtbarkeit Herke, die Quelle,
wurden sie wirklich vergessen an dieser Stelle?
Nein! Pilgerten doch zu Margareten die gläubigen Christen noch zweihundert Jahr’
und schöpften aus dem heilenden Wasser Kraft, Gesundheit sogar.
Abrupt zu Ende ging diese Zeit als im sechzehnten
Jahrhundert zum Protestantismus das Volk ward bekehrt.
Leer die gotische Kirche, die große Halle,
das Bild versenkt in den Polder. Alle
waren bekehrt! Kein Pilger ward mehr geduldet.
Viel Leid und Sorgen brachten die Kriege als marodierend
Söldner zogen durchs Land, durch den Flecken, der so günstig gelegen
am Fuße des Berges wo Wege sich kreuzten von Norden nach Süden,
von Osten nach Westen. Es folgten Händler und Boten.
Es tagten die Fürsten, Gesandten und Schweden in der Kirche so groß
und in der Herberge Eberhard Kochs.
Beschlossen ward eine Bittschrift, ein Anfang zum Frieden
und so ward dem Flecken Bedeutung beschieden.
Die Glocken, die alten, mit ihrem Geläut
verkündeten bald Friede und Freud.
Durch Handel und Fleiß erlangt’ Liggerike bald Reichtum.
Schon wurden gegeben dem Flecken die Rechte der Stadt,
Belohnt der Fleiß, gepflastert die Straße,
Es blühte die Wirtschaft, der Eisenbahnbau,
durch den Berg ward ein Tunnel geschlagen.
Doch wieder ward Krieg. Zu Kanonen und Kugeln
wurde geschmolzen die Bronze im Lande,
auch Glocken von Kirchen.
Jedoch nicht die Glocken aus Lengerichs gotischem Bau,
die den Frieden vor vielen Jahren verkündet.
Versiegt ist die heilende Quelle für Gäste,
doch neue Brunnen entstehen und neue Feste.
Und die Glocken sind Zeugen vom Alten,
sie läuten, und sind bis heute erhalten.