Sommermorgen am Siel
Die See liegt glatt wie ein Spiegel
die Flügel der Mühle stehen still
inmitten der ruhenden Schafe am Deich
sonnt sich behaglich ein nachtmüder Igel
der Leuchtturmwärter löscht die Laterne
er putzt ihre Scheiben, damit sie nicht blind
über der Kimm in seeweiter Ferne
spielt in bauschenden Segeln
ein säuselnder Wind
die Möven im Hafen ruhen sich aus
sie sitzen auf Masten und Schlengen
an den Leinen vor des Sielwärters Haus
sieht man die Leibwäsche hängen
der Hafenwirt öffnet die Bierkellerklappe
es naht mit poltern ein Pferdegespann
der Schulmeister klemmt seine Büchermappe
und geht gut gelaunt an sein Tagewerk ran
jedes Dorfkind sitzt schon in seinem Bänkel
mit sauberen Fingern und strichgradem Scheitel
hier und da tönt noch Wörtergeplänkel
über des Burmeisters Else – die ist nämlich eitel
der Schipper schrubbt rüstig sein Oberdeck
blitzsauber sein müssen die Planken
sonst bleiben ihm die Ausflügler weg
und bringen sein zollfrei’ Geschäft ins wanken
Krögers Stine, die pult frischen Granat
Krabbenbrot steht auf dem Frühstücksplan
garniert mit zwei Blättern vom grünen Salat
serviert sie’s den Gästen mit Schwung und Elan
wenn alle wieder weg in Richtung Jever
kehrt Ruhe ein ins Dörfchen am Siel
der Wirt spendiert seinen Leuten Genever
und Morgen beginnt dann aufs Neue das Spiel