Mein bescheidener UNO Anfang
Es war im Jahre 1965. Ich war gerade zarte 7 Jahre alt, als ich im Fernsehen das erste Mal mit einem Spiel Konfrontiert wurde, dass mein Leben für immer verändern sollte: UNO!
Natürlich hatte ich auch schon vorher von diesem Spiel gehört , doch Kartenspiele hielt ich bis dato eher für langweilig, und da man mich einst vor die Wahl gestellt hatte, Kartenspiel oder Brummkreisel und in meinem Freundeskreis auch niemand ein solches Spiel besaß, hatte ich eh keine Spielerfahrung. Nur manchmal während der Erntezeit, wenn ich bis 19.oo Uhr abends auf dem Feld mithelfen musste, dachte ich um 18.00 Uhr öfters: " Zum Glück nur noch UNO Stunden bis Feierabend!", Schelm der ich damals war. Aber dieses Desinteresse sollte sich ändern, als ich mir gemeinsam mit meinem Freund Peter Prickschijewski, den alle nur den Prickel Peter nannten, eher zufällig ein Spiel der 2 Jahre zuvor gegründeten Deutschen UNO -Liga ansah. Denn eigentlich wollten wir uns eine neue Folge unserer Lieblingsendung, In Preußen nichts Neues ansehen. Doch es kam nun mal die Liveübertragung der UNO - Liga. Wir überlegten kurz, ob wir den Fernseher ausmachen und stattdessen mit meinem Brummkreisel spielen oder weiterschauen sollten und entschieden uns schließlich für Letzteres. Eine gute Wahl! Denn diese bis dato von mir und meinen Freunden völlig ignorierte Sportart zog uns sofort in ihren Bann. Mit großen Augen und offenen Mündern verfolgten wir die Leichtigkeit mit der die Spieler die Karten abwarfen und aufnahmen. Am meisten begeistert uns die souveräne , durchtriebene und trotzdem faire Spielweise einer Frau, mit deren zu dem Zeitpunkt zum Glück noch nicht geborenen und leider so gar nicht nach ihrer Mutter geratenen Tochter ich Jahre später zusammenspielen sollte. Der Name der Frau war Waltraud Wolbeck. Ich und der Prickel Peter waren nun als mit dem
U N O -Fieber infiziert. Bald steckten wir auch noch unseren Freund Hubert Fußhan an, und wann immer es die Zeit erlaubte, schauten wir uns ein Spiel im Fernsehen an. Doch ich wollte mehr, ich wollte selbst spielen. Doch, oh je, keiner von uns Dreien besaß ein Kartenspiel, und auch mein jammern und Klagen bei meinem Papa Hugo half nichts:" Du hast ja deinen Brummkreisel", sagte er. Auch Hubert und Peter ging es nicht besser. Wir beschlossen also, uns ein eigenes Kartenspiel zu basteln. Mit unseren Küchenmessern schnitten wir Pappkartons auf Spielkartengröße zusammen, dann ging es ans Einfärben. Für die rote Farbe nahmen wir Vogel-und, wenn wir sie in die Finger bekamen, auch Erdbeeren oder andere Rotfrüchte. Blaukraut, das wir unseren Müttern aus dem Topf stibitzten, sowie Heidelbeeren wurden für blau verwendet. Aus der Schulkantine klauten wir Bananen und Ananas für die Farbe Gelb. Probleme gab es mit grün, denn weder Äpfel noch Birnen wollten sich hierfür eignen und Gurken wurden gut bewacht, also sammelten wir überfahrene oder auf andere Weide dahingeschiedene Frösche. Ich muss gestehen, wir zertraten auch selbst welche. Die Frösche taten mir schon leid, aber es war ja für eine gute Sache. Aus Erbsen und Linsen klebten wir Zahlen auf. Kleber war zum Glück kein Problem, den der Vater vom Prickel Peter besaß ein eigenen Klebstoffgeschäft ,Heinz Prickschijewskis Kleine-Klebe-Laube´.( Es lag sicher nicht an so originellen Werbesprüchen wie " Wer Klebt, der lebt", dass der Laden 1962 Pleite gehen sollte).Da Klebstoff jedoch, wie ich kritisch anmerkte, der Umwelt schadete, schlug ich vor, stattdessen Haferschleim zu benutzen, Schelm der ich damals war. Mein Vorschlag wurde abgeschmettert, doch das war mir egal, wir konnten spielen. Mit unseren Karten klappte es mehr schlecht als recht, und nach einigen Tagen begannen sie immer zu stinken. An meinem 9. Geburtstag hatten meine Eltern endlich ein Einsehen und schenkten mir ein Original U N O-Spiel. Ich war überglücklich und spendete meinem Brummkreisel einem Waisenhaus.