Gedanken zum Alter
„Ach herrje, schon wieder Geburtstag... ", denkt sie.
Der letzte ist doch noch gar nicht so lange vorbei. Das war 'ne Riesenfete.
Dieses Mal hat sie sich verkrochen, will mit sich alleine feiern, besinnlich, nachdenklich. Ist in Klausur gegangen, für die große Bestandsaufnahme. Kann heuer keinen großen Rummel ertragen.
Die Zahlen lassen sich nicht mehr umdrehen – so viele Jahre, wer hätte das gedacht. Sie jedenfalls nicht. Hat sich selbst mit 18 immer gesagt: „Wenn du mal 25 bist, dann musst du aber aufhören zu rauchen, denn dann wird es Zeit, auf die Gesundheit zu achten".
Das sie einmal sooo alt sein könnte, damit hat sie damals wirklich nicht gerechnet.
Nachdenklich runzelt sie die Stirn, denkt: „Würde ich etwas oder gar alles anders machen"?
Gerne, aber es würde nicht gelingen, selbst mit ihrer jetzigen Lebenserfahrung. Die hätte sie ohne all die Misserfolge, Fehler, Tränen, ohne die Sonnenstrahlen, Glücksmomente, Hochgefühle nicht.
Sie wirft einen Blick in den Spiegel, denkt: „Ja, altes Mädchen, zwei Drittel sind um! Das kann man sehen, gerade am Morgen. Mit der Unverbrauchtheit der Jugend kannst du nicht mehr konkurrieren, da hilft auch kein Spachtel nebst –masse".
Das alte Mädchen grinst sie an. „Ja und", sagt es laut. „Wer will das schon? Wer will noch einmal so töricht sein, lieben, leiden, sich Illusionen machen und doch auf den Hintern fallen".
Und sie grinse zurück, muss ihr ausnahmsweise mal Recht geben. „Eben, mein Alterchen und jetzt wird gefeiert!"