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Eine Art Happy End

Sie starrte irgendwo hin.
Es war irrelevant wohin genau - denn ihr Blick war leer.

Alles hallte in ihrem Kopf wieder.
Jedes einzelne Geräusch, die vorbeifahrenden Autos in der Ferne, die kleinen Krabbeltiere, die sie immer so eklig gefunden hatte.
Dann das Rauschen des Flusses. Die einzelnen kleinen Regentropfen, die auf sie herunter prasselten. Amy wollte so gerne einfach nur weggespült werden. Vom Wasser mitgerissen werden. Oder vom Wind weggeweht werden, der an ihrem Gesicht entlang streifte. Sie lag nur reglos dar und atmete. Irgendwo in ihr drin war da dieser Funken Hoffnung, der sie zwang zu glauben. Zu glauben, dass er zurück kommen würde. Dass er sie retten würde. Sie konnte nicht mehr. Weder ihr Körper hatte genug Kraft, noch ihre Seele. Amy war so ausgelaugt. Doch sie konnte nicht weg. Noch nicht.
Diese Stimme in ihrem Kopf  ließ nicht zu, dass sie endgültig aufgab. Warte, sagte sie, warte.

Hatte es einen Sinn? So oder so würde es kein " Happy End" geben. So oder so würde immer etwas ihr Leben stören, gewaltsam eindringen. Alle Glücksmomente auslöschen und stattdessen noch mehr unerträglicher, endloser Schmerz eindringen. Plötzlich lächelte Amy: sie erinnerte sich an den letzten schönen Moment ihres Lebens, als Travis und sie wirklich frei von allem waren, glücklich waren. Sie beide hatten endlich das Kinderzimmer fertiggestellt.  Travis umarmte Amy gerade, während sich beide eine blumige Zukunft ausmalten. Die neue Wohngegend mit neuem Job, das neue Haus, Travis, Amy und das Baby.
Das Baby, das sie für immer verloren hatten. Eine Träne kullerte über ihre Wange. Die erste seit so langer Zeit. Einmal angefangen, würde sie nie damit aufhören können, das wusste sie.Wieso hatte sie es nicht schon geahnt? Warum sollte das Leben aufeinmal anders verlaufen, warum sollte denn alles mal glatt laufen? Warum sollte sie mal das Glück in ihrem Leben festhalten können?
Mit dem Baby ging auch das Glück. Man hatte einen Teil aus ihr rausgerissen, den Teil, der sie alles Schlechte vergessen lies. Den Teil, der ihr alles ertragende Liebe schenkte. Sie fühlte sich so... fehlerhaft. Sie konnte ihre Funktion nicht erfüllen. Sie verzweifelte daran. Wurde verbittert und depressiv. Was der Grund dafür war, dass auch ihr letzter Lichtblick erlosch: Travis. Natürlich hatte ihn das Ganze auch mitgenommen. Er war auch verletzt. Sein Herz hatte auch einen klaffenden Riss.
Aber, im Gegensatz zu Amy, achtete er darauf, nicht komplett in der Trauer, der Wut und dem Schmerz zu versinken. Er gab sich so viel Mühe auch Amy mit weiter zu ziehen. Sie spürte das bekannte Stechen in ihrem Herzen wieder intensiever. So oft hatte sie gedacht, nun den Punkt der endgültigen Gefühlslosigkeit erreicht zu haben. Innen Tod zu sein. Einfach nur zu atmen. Noch nie war ihr aufgefallen, was alles an ihr vorbeigerauscht war. Besonders tat es ihr weh, erst jetzt hinter Travis Fassade blicken zu können. Erst jetzt realisierte sie, wie weh sie ihm mit ihrem kalten Verhalten tat. Erst jetz, als ihr die Situationen, Travis Gesicht, wieder vor Augen kamen, sah sie es in seinen Augen. Wie blind sie gewesen ist.
Wie konnte jemand alles Geliebte verlieren .. wirklich ALLES?
Gab es denn kein Erbarmen? Hatte sie nicht schon genug gelitten? Und die anderen?
Amy fühlte sich schuldig. Schuldig, Travis von sich gestoßen zu haben. Schuldig, das Ungeborene verloren zu haben. Die ganze Liebe in ihrem Herzen. Alles weg.
Es war aussichtslos. Amy hatte schon vor Ewigkeiten aufgehört an Wunder zu glauben, warum sollte sie also jetzt wieder damit anfangen?
Nein. Vielleicht war es sogar an der Zeit über das Ende nachzudenken.
Alleine den Rest ihres Lebens zu verbringen, mit einem Herzen aus Stein, wäre qualvoller als nun aufzugeben. Es lohnte sich einfach icht. Wozu also noch Angst haben, oder eher wovor? Ihr wurde schon alles genommen, sie wurde schon oft verletzt, nichts hielt. Warum also noch zögern?
In ihren Kopf drängten sich Erinnerungen, Gespräche und Momente.
Sie schaute einfach zu, Travis ein letztes Mal zu sehen tröstete sie. Es fühlte sich an wie ein Abschied.

Bis Amy aufeinmal von etwas hochgerissen wurde. Sie war so abwesend gewesen, dass sie ihre Umgebung aus dem Blick verloren hatte.
Verwirrt starrte sie auf die Hände, die sie fest an der Schultern packten und schüttelten.

"Amy!" Schluchzend brach Travis vor ihr zusammen.
Sie begriff nicht - ihr Kopf konnte diese Szene nicht wahrhaben.
Travis war hier. Travis war bei ihr. Travis war wirklich da!
Und dann begann es: sie sank auf den Boden zu ihm herunter. Die Tränen rollten ungehindert ihre Wangen hinunter, während beide in umarmter Haltung auf dem Boden kauerten. Keiner sagte etwas, keiner KONNTE etwas sagen.
Ein Moment  gemeinsamer Trauer. Gleichzeitig waren sie vereint, es war traurig aber irgendwo auch vollkommen.
Er hatte nie aufgehört Amy zu lieben. Nie. Obwohl sie sich die Schuld gab, am Tod ihres Babies. Schuld, an allem was passiert ist. Denn sie war die jenige, die sich von all dem Schmerz auffressen ließ. Sie hatte nie richtig gekämpft. Nein, sie hatte sich einnehmen lassen. Es überwältigte sie, das Travis trotzdem liebte, trotzdem nicht aufgab.
Unmengen von Gedanken gingen ihr durch den Kopf, Dinge, die sie sagen wollte. Allerdings nicht jetzt. Jetzt war es an der Zeit gemeinsam loszulassen.
Seit dem Augenblick, als sie Travis heilende Berührung spürte, lösten sich die Ketten, die ihr Herz nahezu zerquetschten.
Aufeinmal wusste Amy, es gab doch eine Chance.
Denn sie war nicht allein, Travis würde sie niemals loslassen. Travis würde sie begleiten, auf ihrem schweren Weg zurück ins Leben.
Wie schön dieser Gedanke doch war - ein Gedanke, der sie tröstete und der ihr Heilung versprach. Sie war jetzt bereit, die Vergangenheit zu akzeptieren, zu vergeben. Vergessen würde sie es nie - aber sie würde lernen, damit zu leben. Amy und Travis, sie beide würden leben, nicht nur existieren. Es kehrte zurück, das Gefühl, dass sie sich ohne Worte verstanden, wussten, was im Inneren des Partners vorging.
Vielleicht würde Amy doch aufhören können zu weinen.
In dem Moment, als Travis zärtlich ihre Wange streichelte, ihr Kinn hoch drückte und sie küsste, iIn diesem Moment versiegten die Tränen und Amy wusste, es würde weitergehen. Anders als je zuvor, aber es würde weitergehen. Sie hatte ihren geliebten Travis. Sie würden es schaffen.

 

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Kommentar von: Twiddy 2011-03-25 13:10
Hallo Angelika, es ist eine berührende Geschichte, die, wie ich meine, etwas zu langatmig zu lesen ist,hier wird alles zu genau geschildert,. Vom Inhalt her ist sie gut und auch Deine Art zu schreiben ist sehr sicher. LG von Twiddy... jawoll*
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