Angst (3)
Freitag - „Abteilung im Arbeitstempo antraben und aussitzen Marsch, … die ungeraden Zahlen durch die Bahn geritten, die geraden durch die Bahn wechseln…!“ dröhnte Kilian Jacksons Stimme durch die Reithalle, in der 6 Pferde hintereinander antrabten. Es krachte plötzlich in den Lautsprechern, die Musik verstummte und die aktuellen Verkehrsnachrichten ertönten fast doppelt so laut!
„Huch … !“ rief eine erschrockene weibliche Stimme hinter Sandra und kurz darauf rannte ein schwarzer Isländer, buckelnd an der Abteilung vorbei. Ein Fliegenschimmel und ein Rappe mit schmaler Blesse überholten die Abteilung ebenfalls im Galopp.
Rio, der Isländer, tauchte mit den Vorderbeinen ab und schlug einen Hacken, seine Reiterin flog geradeaus weiter und es ertönte ein dumpfer Aufschlag.
„Brrrrid!“ der Fliegenschimmel Kajenne wurde von Suzan mit einer scharfen Parade gestoppt, der Rappe Roxette mit Brian im Sattel kam in der nächsten Ecke zum stehen.
-„Vollsperrung der A …!“-„Macht mal einer den Lärm aus, … wer hat den da schon wieder am Radio herumgespielt!??“ rief der Reitlehrer wütend aus und beobachtete das Chaos in seiner Abteilung.
Der Shire Luuk, unter Sandra wollte ebenfalls durchstarten und bei der Party mitmischen, doch bis der Braune Riese in Wallung kam, hatte die schmale Blonde diesen Versuch mit einer Parade im Keim erstickt.
-„… Löscharbeiten nach schwerem LKW Unfall mit auslaufendem Gefahrgut und Auffahrunfällen, bitte kein offenes Feuer an …!“ – „Hee! Mach mal bitte aus Karin!“ – „Vollsperrung bis voraussichtlich heute Abend, bitte die Rettungsgassen frei halten, der Rettungshubschrauber ist ebenfalls im ..!“
Chin-Kar an der Tete hatte seinen Friesenhengst durchpariert und schaute grinsend dem kleinen Isländer zu, der sich nun erst mal richtig ausbuckelte und immer wieder an der Restabteilung vorbeischoss um noch weitere seiner Pferdekollegen anzustecken.
Die Lautsprecher verstummten.
„Super! Dann muss ich über die Käffer fahren!“ seufzte René, hinter Sandra und warf eine Strähne Ihrer roten Locken über die Schulter.
„Danke!“ dröhnte Kilian verbeugte sich halb in Karins Richtung an der Hallentür und half dann der Afrikanerin Senait auf die Beine. Rio hatte keine Lust mehr und parkte hinter René und Ihrer Vollblutstute Flash.
„Deswegen ist Malo auch nicht aufgetaucht, der steht bestimmt im Stau!“ sagte der Chinese Chin zu den Mädels hinter Ihm.
-„Der Arme!“ bestätigte René Ihm.
-„Gus bestimmt auch!“ antwortete Sandra und stellte sich innerlich schon mal darauf ein, das Pferd Ihres großen Bruders, Shane Gusemann, heute nach der Stunde auch noch zu bewegen. Sie seufzte und klopfte Luuk den kräftigen Hals. Sie hatte den ganzen Tag schon so eine innerlich Unruhe und das wurde noch nicht mal beim reiten besser.
„Soo! Dann wollen wir nochmals eine Abteilung bilden ….!“ rief Kilian laut aus.
Ein Handy fing an zu klingeln.
-„Das darf ja wohl nicht war sein!“ Kilian breitete seine Arme aus und schaute flehend nach oben zum Hallendach. Sandra erkannt Ihren Löwenzahn Klingelton, fingerte nach dem Telefon in der Reithose und drückte Ihren ältesten Bruder Kevin Gusemann weg.
-„Meine Damen und Herren, können wir jetzt!?“
„Kevin!? Shaaaane?“ rief Sandra in den Hausflur. Stille. Sie lief durch den Flur in die Küche. Da begrüßte Sie nur das schmutzige Geschirr, das darauf wartete in die Spülmaschine geräumt zu werden. Sandra Gusemann nahm sich das Ladegerät für Ihr Handy von der Fensterbank und stöpselte das Telefon an die Steckdose. Der Akku hatte am Ende der Reitstunde aufgegeben und Sie hatte noch Ihr eigenes Pferd, Spirit, bewegt und das Pferd Ihres Bruders Shane intuitiv longiert.
„Kate?? Kathleeeeeeen?“. Ach, was machte Sie denn da, Kate war mit ihrem Freund über das Wochenende nach Paris gefahren.
Es war keiner da! Komisch! Die 24 Jährige schaltete mit einem ganz flauen Gefühl ihr Mobiltelefon ein und hörte die Mailbox ab. Nun bekam Sie die Bestätigung für Ihre Unruhe.
„Hallo!“ Die dunkelhaarige Empfangsdame im blauen Kostüm schaute fragend von Ihrem PC, über die Theke, zu Sandra auf.
„Ich möchte zu Shane Gusemann!“ schilderte die junge Blonde und knetete nervös an Ihren Fingern herum. Die Dame schaute Sie eine Sekunde zu lange an. Sandra wurde Unsicher und Sie spürte Ihre Tränen aufsteigen, schon wieder! Auf der 40 min. fahrt zur Uniklinik hatte Sie immer wieder dagegen angekämpft!
„Ich bin Sandra Gusemann, er ist mein Bruder und er wurde heute eingeliefert!“ fügte Sandra leise hinzu!
Die Dame tippte langsam und machte Sandra damit wahnsinnig!
„Er wurde gerade von OP auf Intensiv gebracht! Die ist gleich hier links vorbei, durch die rot umrandete Tür durch …!“-„Danke!“ Sandra rannte fast durchs Foyer.
„Es ist aber schon sehr spät …!“ hörte Sie noch von der Dame. Die Blonde knurrte nur. Die Glastür schwenkte automatisch auf und vor Ihr lag ein breiter Gang mit grünem Linolium ausgelegt. Dieser fiese Krankenhausgeruch schlug Sandra entgegen. Rechts von Ihr waren die Patienten-Zimmer mit Glasfront anstatt einer Wand. Links kamen vereinzelt noch Glaskabinen, dazwischen immer wieder ein Schwesternzimmer mit Medikamentenzimmer daneben. Ein leeres Bett stand verlassen links an der Wand. Am Ende des Flures sah Sandra Ihren 28 Jährigen Bruder Kevin, zusammengesunken auf einem Stuhl sitzen. Mit noch eiligeren Schritten marschierte Sie den Flur entlang, vorbei an leeren Stühlen, gestressten Krankenschwestern und noch einem leeren Bett. Kevin erkannte Ihren Schritt, stand müde auf und kam Ihr entgegen. Ängstlich sah Sandra zu dem 1,98m großen blonden Mann auf. Er sah schlimm aus! Blass mit dicken, dunklen Augenringen, sein Blick war glanzlos, starr und müde, die Stirn in Falten gelegt!
„Hi!“ begrüßte er seine kleine Schwester und nahm Sie lange in die Arme.
„Wieso hörst Du nicht auf mich? Du solltest doch nicht hier her kommen!“ erinnerte er Sie tonlos.
-„Du spinnst wohl!“ antwortete Sie patzig. Kevin lächelte müde und drückte Sandra fester an sich:“ Gut das Du da bist!“
Sandra befreite sich aus der Schraubstockumarmung.
„Wo ist er? Was ist passiert? Wie geht es Ihm?“ fragte Sie ungeduldig. Kevins Blick wurde noch ein bisschen Unglücklicher.
„Oh Kevin, Du siehst schlimm aus!“
Er lachte auf: „Du findest das ICH schlimm aussehe!? Dann geh sofort wieder nach Hause!“
Sandra stockte der Atem und Sie wollte an ihrem muskulösen Bruder vorbei.
„Warte!“ Kevin hielt Sie am Arm fest, „Er sieht wirklich schrecklich aus! Jetzt warte doch!“
Aber Sandra befreite Sich mit einem Ruck und warf Kevin einen bösen Blick zu.
„Das nächste Zimmer!“ resignierte Kevin seufzend.
Sandra blieb nach vier Schritten wie angewurzelt stehen!
Durch die große Glasscheibe durch, sah sie Jemanden regungslos im Bett liegen. Der nackte Brustkorb hob und senkte sich gleichmäßig. Runde Elektroden klebten darauf mit Kabeln daran die mit einem EKG verbunden waren. Es steckten Kanülen mit Schläuchen daran in der linken Armbeuge und Handrücken. Blut wurde aus einem Tropf in der Armbeuge zugeführt. Über den Handrücken eine helle Flüssigkeit aus einer kleinen Glasflasche. Ein Blasebalg pumpte durch einen riesigen Schlauch, der bis in Shanes Hals steckte Luft in seine Lungen. Er hatte einen weißen Verband über seinen Augen bis zur Stirn hoch. Die blonden Haare waren momentan das einzige woran Sie Gus erkannte.
„Oh mein Gott!“ entfuhr es Sandra, ihr Herz war am rasen! Es wurde Ihr ganz schlecht!
Ein großes Pflaster klebte von seiner linken Schulter über seinen Hals, bis hin zum Schlüsselbein! Ein Verband war um seinen Bauch angelegt. Das Orangerote Desinfektionsmittel schimmerte noch großflächig neben dem Verband. Der linke Unterschenkel war eingegipst und hoch gelagert! Sandras Knie wurden weich.
Kevin kam langsam mit verschränkten Armen und gesenktem Blick neben Sie.
Da wo keine Verbände oder Pflaster waren, stachen Blutergüsse auf seiner weißen Haut hervor.
„Er wurde in ein künstliches Koma gelegt, da bleibt er so lange, bis er stabil ist!“ fing Kevin leise an zu erzählen.
Sandra hörte ihn wie durch Watte! In ihren Ohren war es am rauschen.
„Momentan hat er keine Schmerzen! Ein Lkw Anhänger ist hinter Ihm umgestürzt, der hatte eine Knallpanne und ist dann mit Gus dazwischen in einen Gefahrguttransporter gekracht! Er war Stundenlang im Auto eingeklemmt! Das Zeug aus dem Tanklaster war am auslaufen und …!“ Kevin suchte nach Fassung, „ Er hat die Dämpfe eingeatmet und wohl auch was in die Augen bekommen … Der Sicherheitsgurt hat sich durch seine Klamotten durch in die Haut rein gebrannt, als sie ihn raus geschnitten haben! Er hat überall Prellungen, zwei Rippenbrüche, ... Schnittwunden durch das Glas der Frontscheibe an den Unterarmen, er ist mit dem Kopf auf dem Lenkrad aufgeschlagen und hat eine Gehirnerschütterung …!“
Sandra starrte auf das mechanische Atmen Ihres Bruders. Was war eine Knallpanne? Beim Luftreinpumpen zuckte sein ganzer Körper zusammen! Sandra hatte die Frage schon wieder vergessen, das war gerade völlig unwichtig! Ein Kloß im Hals machte ihr das schlucken schwer.
-„Was war in dem Tanklaster?“ Sandra hörte sich selber sprechen.
-„Schwefeldioxid! Seine Milz war gerissen, die wurde rausoperiert, der Unterschenkel ist zweimal gebrochen …! Er ist jung, kräftig und gut Trainiert und nur deswegen noch am Leben! Aber … !“
Sandras Knie gaben nach! Das konnte nicht wahr sein! Schluchzend rannten ihr die Tränen über das schmale Gesicht! Kevin fing Sie auf und zog Sie gegenüber von Shanes Zimmer zu den Stühlen. Er kniete sich vor Sie und hielt noch immer ihre Schultern fest.
„Er wurde bis eben noch operiert! Stundenlang! Wenn er diese Nacht überlebt, dann ….!“ Kevins Stimme gab ebenfalls nach und Tränen schimmerten in seinen blauen Augen! Sandra wurde von einem Weinkrampf geschüttelt und viel Kevin um den Hals. Dieser gab ihr einen Kuss ins blonde Haar und rang weiterhin um Fassung.
„Entschuldigung!“ eine Krankenschwester tauchte rechts neben den Stühlen im Türrahmen auf und drückte Kevin eine Taschentuchbox in die Hand. Sandra beruhigte sich wieder, sie hatte den ersten Schock überwunden. Kevin kramte Kaugummis aus seiner Jackentasche und bot Ihr auch eins an.
„Wieso bist Du hier draußen? Dürfen wir nicht zu Ihm rein?“ schniefte Sandra und wischte energisch die Tränen weg.
„Ich kann da nicht rein!!! Das gepiepe und gezische …!“ erklärte Kevin angespannt. Sandra nickte.
„Dann kommt alles wieder hoch! “- „Ich weiß! Das geht mir auch so! Bei dem Geruch hier …!“ Sie seufzte, „Aber wir dürfen zu Ihm, oder?“
Kevin nickte: “Ja!“
„Möchten Sie vielleicht einen Kaffee?“ erneut stand die Krankenschwester in der Tür.
„Ja, ich nehme einen!“ antwortete Kevin.
„Danke nein! Aber ich würde gern zu Shane!“ sagte Sandra und stand mit wackeligen Beinen auf.
„Ist O.K., warten Sie, ich gebe Ihnen Handschuhe und einen Mundschutz! Ist nur eine Vorsichtsmaßnahme, keine Sorge! Welche Größe nehmen wir denn da?“ – „Ich hab Größe 7!“antwortete Sandra prompt. Die Schwester schaute Sie erstaunt an.
„Ich arbeite im Reinraum, in der Arzneimittelabfüllung!“ erklärte die Blonde wie verngesteuert. Die Schwester kam zurück mit den verpackten Latexhandschuhen und dem Mundschutz.
„Desinfektionsmittel hängt neben der Tür, bitte die Handschuhe nach dem anziehen damit einreiben, wie mit Handcreme … ach, was erzähl ich denn! Neben dem Spender hängt eine Beschreibung und es kommt gleich noch eine Schwester zur Kontrolle!“ unterbrach sich die dunkelhaarige Schwester selber als Sie sah, wie routiniert Sandra sich ohne Probleme den Mundschutz anlegte und am Hinterkopf zuband.
„Gut! Und Sie, wie wollen Sie den Kaffee, mit Milch, Zucker … ach, kommen Sie mit mir!“ wandte Sie sich an Kevin, der zwei Köpfe größer war als Sie und marschierte los.
Sandra hatte mühe beim anlegen der Handschuhe, ihre Hände waren feucht durch den ganzen Stress.
Sie atmete tief durch und öffnete die Glastür zu Shanes Zimmer. Sandra wusste sofort, was in Kevin vorging, als das Zischen des Blasebalges und das laute Rhythmische Piepen vom EKG hörte. Vor zehn Jahren lag an Shanes Stelle, ihr Vater! Zuletzt auch an diese Geräte angeschlossen! Es wurde damals ganz plötzlich ein aggressiver Lungenkrebs festgestellt, der schon gestreut hatte und viel zu schnell, nur drei Monate später hatte Karl Robert Gusemann den Kampf verloren! Die Zwillinge Kevin und Kathleen waren damals zwar schon Volljährig, aber von Heute auf Morgen für den 16 Jährigen Shane und die 14 Jährige Sandra verantwortlich mit Haus und Hof und allem was dazu gehört. Es war eine Schwere Zeit. Sandra atmete nochmals tief ein, gegen die Übelkeit kämpfend und entnahm aus dem Spender links neben dem Türrahmen das Desinfektionsmittel. Der bekannte Geruch stieg ihr in die Nase während sie das Mittel verrieb. Langsam und zitternd ging Sie zu Shane rüber. Es war kalt und sehr steril in diesem Raum. Die gewaltigen Apparate zischten und Piepten unablässig. Ab und zu hörte Sie noch ein Metallisches klacken. Das kam auch von der Beatmungsmaschine. Sie ging langsam an Shanes rechte Seite. Da entdeckte Sie ein Drainageschlauch unter dem Bauchverband raus kommen, für das Wundwasser. Da war so viel Blut im Beutel … ! Und einen weiteren Beutel der seinen Urin auffing.
Es stand ein kleiner Hocker am Kopfende des Bettes. Sie zog ihn sich ran und setzte sich kraftlos. Gus trug einen Thrombosestrumpf am rechten Bein und seine Shorts. Er hatte gar keine Decke, bemerkte sie. Shanes Körper zuckte jedes Mal beim einatmen. Seine Haut war ganz weiß. Noch heller als die weißen Verbände, irgendwie transparent! Seine Adern und Blaue Flecken bildeten einen dunkel-violetten Kontrast. Sandra fröstelte und bekam eine Gänsehaut. Gus rechter Arm lag leblos neben seinem Körper. Der Unterarm war ebenfalls verbunden.
Sandra riss sich zusammen und versuchte den dicken Kloß in ihrem Hals los zu werden.
Sie legte zögerlich ihre rechte Hand auf seine.
„Hey Shane!“ brachte Sie mühsam hervor und kam kaum gegen die lauten Maschinen an.
„Ich bin´s … Sandra!“ Sie lies ihren Blick über ihn gleiten. Es zischte und piepte! Sie wartete unbewusst auf eine Reaktion, aber sie wusste dass dies quatsch war. Er lag im Koma.
Am Brustkorb blieb sie hängen und starrte auf das mechanische, unnatürliche Atmen.
„Mensch, was machst Du nur für Sachen!?“
Leblos lag er einfach nur da.
Sie strich mit ihrer linken Hand über seinen rechten Oberarm.
„Das fühlt sich bestimmt komisch an, aber ich muss Handschuhe tragen!“ erklärte Sandra, „Oh man! Ist dir nicht kalt!??“
Die nette Schwester kam in das Zimmer, mit einer dünnen Bettdecke und einem Klemmbrett auf den Arm.
„Na? Ich schaue nur schnell mal wie es Ihm geht! Bin gleich wieder weg!“ Sie legte das Klemmbrett auf den EKG Monitor ab, breitete die Decke aus und legte diese über Shanes Beine bis hin zur Hüfte. Sie notierte die Werte die Sie brauchte auf der am Klemmbrett angebrachten Liste! Sie desinfizierte ihre behandschuhten Hände, dann befreite Sie Gus von dem leeren Tropf am Handgelenk.
„Was war da drin?“ fragte Sandra, die der Krankenschwester still zusah, noch immer ihre Hand auf seiner.
„Antibiotika! Ich spritze ihm jetzt noch ein Entzündungshemmer und nach der Blutkonserve bekommt er Flüssigkeit!“ – „Kochsalzlösung?“ – „Genau!“ an den Lachfältchen um die Augen erkannte Sandra, das die brünette Schwester lächelte.
„Kann man was gegen dieses Zucken tun?“ Sandra starrte wieder auf Shanes Brust.
„Leider nein! Aber er hat keine Schmerzen! Ganz sicher! Er ist ihr Bruder, oder?“ – „Ja!“ nickte Sandra.
„Macht er Sport?“ fragte die Schwester weiter um Sandra ein wenig abzulenken, während sie
eine Spritze aus ihrer Kitteltasche zog und in den Schlauch mit dem Blut stach.
„Ja, viel! Er ist Soldat, geht viel Joggen und er reitet! Und Gerätetraining …ja!“ – „Man sieht das! Er ist gut in Form, das sind gute Vorraussetzungen!“ antwortete die Brünette ohne von Ihrer arbeit aufzusehen, „So, ich komme alle halbe Stunde, aber die ganze Nacht können Sie leider nicht bleiben!“ Sandra nickte seufzend. Sie schielte auf Ihre Armbanduhr am Handgelenk. Es war kurz vor halb neun Abends!
„Reden Sie mit Ihm! Das tut immer gut! Wenn was sein sollte, der rote Knopf ist die Klingel! Herr Gusemann, so gefallen Sie mir, bleiben Sie dabei und wir werden uns gut verstehen!“ Die Schwester drückte sein linkes Handgelenk.
Kevin stand vor der Scheibe, einen Arm vor der Brust verschränkt, den linken Ellebogen darauf abgestützt, das Kinn in der linken Hand vergraben. Er und die Schwester wechselten ein paar Worte.
Sandra knetete Shanes Hand und überlegte, was Sie sagen sollte: Bitte nicht sterben??
„Kevin ist auch da! Er hat alles stehen und liegen lassen und ist sofort hier her gefahren!“
Das EKG fing schneller an zu piepen! Sandra starrte auf die grüne Linie im Monitor, die bei jedem Herzschlag ausschlug und vergas zu atmen.
„Shaaane!??“ mahnte Sie laut, „Was machst Du?“
Jetzt wurden die Ausschläge langsamer, normalisierten sich dann nach endlosen Minuten wieder in einen gleichmäßigen Rhythmus. Sandra hatte einen Finger schon auf dem Alarmknopf.
Sie legte den linken Handrücken an seine Wange und beugte sich näher an Shanes Ohr.
„Alles wieder gut! Du schaffst das und wirst wieder Gesund! Wir sind alle da und kommen sooft wie es geht! Hörst Du?“ Sandra schniefte und atmete zitternd durch um nicht zu weinen, „Komm ja nicht auf die Idee mich hier alleine zu lassen!“
Keine Reaktion! Sandra glaubte aber fest daran, dass er sie hörte! Oder sie wollte einfach daran glauben! Ganz egal! In ihrem Kopf fing es an zu dröhnen von dem Lärm im Zimmer.
„Es ist tierisch laut hier drin, oder?“ Sie ein paar Tränen nicht mehr zurück halten und fing leise an zu weinen.
„Sorry! Ich hatte mir fest vorgenommen, dich aufzumuntern und wollte dir nichts vorheulen! Tja, das schaffe ich dann morgen ganz bestimmt!“ schniefte Sie nach etlichen Minuten.
Die nette Schwester klopfte an die Scheibe und gab Sandra ein Zeichen zum gehen! Sandra nickte traurig.
„Du, ich muss gehen! Wir haben die Besuchszeit eh schon gesprengt! Ruh dich aus und komm zu Kräften! Ich werde gleich morgen früh wieder hier sein! Ich hab dich lieb!“
Sie zog schnell den Mundschutz runter und küsste seine Wange. Sandra drückte nochmals seine Hand, warf Handschuhe und Mundschutz weg und verlies dann diesen schrecklichen Raum.
Kevin saß zusammengesunken auf einem der Stühle und schlief.
„Hee Du!“ sanft streichelte Sandra seine Wange. Er schreckte mit einem Ruck auf: -
„Was …?“ – „Komm, wir fahren nach Hause!“ – „Was?“ murmelte er, wischte sich den Schlaf aus den Augen.
„Bist du wach?“ – „Ja, ja!“ er streckte seine steifen Muskeln. Kevin sah seufzend auf seine Uhr am Handgelenk und stand dann auf.
„Kleinen Moment noch!“ Kevin nahm sich ein paar Handschuhe die neben ihm auf dem Stuhl lagen, samt Mundschutz, legte beides etwas ungeübt an. Sandra half ihm schließlich beim zubinden und er ging zu Shanes Zimmertür.
„Ich will mich wenigstens verabschieden!“ beide dachten bestürzt über seine Worte nach. „Also, so meine ich das nicht … nur für heute! … Ach verdammt, du weißt was ich meine!“ grummelte er und betrat den Raum.
Sandra lies ihren Clio stehen und fuhr in Kevins Geländewagen mit. Keiner sagte etwas. Kein Radio war an. Kevin bestand immer auf Musik! Beide starrten nach vorne. Sandra schaute auf ihr Handy! Britta hatte zweimal versucht anzurufen. Ihre beste Freundin wollte heute Abend zum Haare Färben vorbei kommen. Seufzend wählte sie Britts Nummer und wartete auf die Verbindung.
„Hi! Sag mal, wo seid ihr denn alle!? Bei Euch ist ja überhaupt keiner zu Hause! Das hättest Du mir auch sagen können!“ schallte es gleich beleidigt durch das Telefon.
„Britta ….!“ Mehr bekam Sandra nicht raus, sie fing sofort heftig an zu weinen! Kevin nahm ihr das Telefon ab.
„…Hallo? … Sandra…?“ – „Hey, ich bin´s Kevin! Wo bist Du? …. Mmmh, lange Geschichte! … Ja!... Ja! Wir sind in einer halben Stunde da! Nein ..! Später! Gut, Tschö!“
Die kleine, schmale, blonde Schwedin saß auf dem Geländer der Veranda und wartete auf die Gusemanns. Es musste was Schlimmes passiert sein, sie hatte ein ganz ungutes Gefühl nachdem sie vor verschlossenen Türen stand und nun erst recht nach dem Telefonat! Als Sandra ausgestiegen war und Britta Ihr verheultes Gesicht sah, stiegen ihr ebenfalls die Tränen auf.
Das ist eine kleine Leseprobe von mir! Will noch nicht so viel einstellen, möchte erst mal schauen, wie das ankommt!
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Tja, beim nächsten Geschichte hoch laden, muss ich erst mal den ganzen Text überarbeiten! Ich habe wohl zu viele Absätze drin, dauert noch ....