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Erzähl mir was vom Pferd

Es war ein heißer, super heißer, aggressiv machender Freitag Nachmittag. Eigentlich wollte ich nur relaxen und dösen, denn jede Bewegung war schweißtreibend und ächzend. Bis mir einfiel, das die Freundin meines Sohnes am anderen Tag Geburtstag hatte und ich immer noch kein Geschenk besaß.
 
Also guckte ich meine beiden kleinen Hunde an, die mich ihren treuen Augen schon gespannt anblinzelten und stöhnte laut: „ Wenn ich euch auch noch mitnehmen muss, ist der Tag gelaufen.“
Schon alleine die Tatsache, dass ich so eindringlich mit ihnen redete, veranlasste die Beiden auf zuspringen. Sie freuten sich einen Frosch. Hatte ich denn Teita gesagt?
 
Für diese eine Stunde hübschte ich mich erst gar nicht an, denn hinter meiner dunklen Sonnenbrille würde mich eh niemand erkennen. Hoffte ich. Schnappte nach meinem Miniventilator und machte mich auf dem Weg. Zu der Zeit fuhr ich noch ein kleines Cabrio, aber das Verdeck wurde nur noch geöffnet, wenn es  warm war und keine Sonne brütend am Himmel stand. Denn stand die Sonne brütend am Himmel, stach sie während der Fahrt auf meinen Kopf ein. Hielt ich vor einer Ampel, bohrte sie sich in mein Hirn.
Einen Hut und ein Käppchen besaß ich, standen mir aber ganz und gar nicht. Dabei  war ich auf meinen orangefarbenen Basthut einmal stolz gewesen. Aber nur so lange, bis mein Mann ein Foto von mir machte. Nun trägt ihn ein dicker Teddy, der bei uns im Schlafzimmer lebt. Deshalb der Miniventilator.
 
Also bugsierte ich meine kleinen Schätzchen ins Auto und fuhr los. Schwitzte elendig, fand schnell einen Parkplatz, Gott sei Dank. Zog einen Parkschein und pilgerte in die wunderschöne, alte Fußgängerzone unserer Kleinstadt. Sie ist wirklich super gemütlich. Unna ist so schön alt.Und  die Altstadt die sich um Unna herum zieht, ist zauberhaft.
Die erste kleine Grasfläche, 50x50 cm gehörte den Hunden. Nicht schlimm, denn es sah ja niemand.War ja auch nur Pippi.
Schnell weiter. Aber dann ging es los. Bummy zog nach Rechts, nach Links und raste los. Das kleine Bärbelchen, noch ein Welpen von 16 Wochen, aber quirlig, nahm Anlauf und sprang immer wieder in die Seite der Größeren und ich schwitzte Wutwasser. Außerdem bauten sich Aggressionen auf, denn alles ermahnen nützte nichts.
 
Da kamen sie auch schon, die ersten Hundestreichler. „ Ach, ist der Kleine süß. Wie alt ist er denn?
Wie heißen die Beiden denn?“ Und das alle 20 Meter. Aber ich schwitzte, obendrein schwollen Finger und Füße an. Auch meine Frisur sah nicht mehr nach dem aus, was sie darstellen sollte. Eine Trockenfrisur eben und keine Nassfrisur. Alles passte zusammen. Die Finger, die Füße, die Haare, mein rotes Gesicht und zwei durchdrehende Hunde.
Also beschloss ich, erst gar nicht nach einem Geschenk zu suchen und trottete in die erste Parfümerie. Ein Duschgel oder eine Lotion waren auch gut, außerdem legte ich immer 50 Euro oben drauf. Das sollte wohl reichen.
 
Es ist wirklich so passiert.
 
Ich betrat die Parfümerie. An jeder Hand einen Hund. Der Blick einer Verkäuferin traf den einer anderen Verkäuferin. Diese schnappte sich ein kleines, Tempo ähnliches Tuch, stürmte auf mich zu, besprühte das Tüchlein, erzählte etwas von schrecklicher Hitze und wickelte es mir um die Nase.
Gut gelaunt erklärte sie mir, das dieses Spray abschwellend und erfrischend wirke. Zur Bestätigung des Ganzen, sprühte sie es mir ins Gesicht. Und es stimmte, eine angenehme Kühle erfrischte mich.
Nun waren meine Füße dran, denn auch für diese gab es ein Zauberspray. Wunderbar.
Endlich fragte sie nach meinen eigentlichen Wünschen. „ Also, ich dachte an ein Duschgel, ein erfrischendes oder an eine schöne Lotion,“ antwortete ich und machte mich daran das Tuch von meiner Nase zu wickeln. „ Ach, lassen sie das noch ein bisschen!“, rief sie beschwingt. „ Lassen sie es noch ein bisschen wirken.“
Ich guckte so durch den Laden und stellte fest, das ich die Einzige war, die eine umwickelte Nase hatte. Wie peinlich.
Schnell entschied ich mich für einen Duschschaum, damit ich endlich nach Hause kam.
Gesagt, getan. Sie freute sich, verpackte ihn noch wunderschön, schenkte mir ein paar Proben,ich bezahlte, nahm das kleine Päckchen, zog die Hunde hinter mir her und verabschiedete mich.
Oh Gott, was tat sie da?
Eine kleine Plastikflasche, eine Hand, eine Verkäuferin und es machte Sprüüüüüh.
„ Das bringt Glanz in die Haare,“ flüsterte sie mir zu. „ Gucken sie  mal in den Spiegel.“
Und wieder Sprüüüüüh, Sprüüüüüh. Ich sah nichts, aber in meiner Not kaufte ich das Wunderspray.
Ich will hier  raus, ratterte es in meinem Hirn. Raus, einfach nur raus......Geschafft.
 
Ganze drei Minuten hielt meine Erfrischung an, dann lief der Schweiß wieder einsam von meiner Stirn und tropfte auf mein Shirt. Die Hunde zogen und sprangen, die Streichler tauchten wieder auf und ein bekanntes Gesicht rief
„ Hallo, so trifft man sich wieder.“
Ich kannte sie, aber auf ihren Namen kam ich nicht. Wir haben zusammen an einer Schulung teilgenommen, das wusste ich. Aber wie war ihr Name?
„ Hallo,“ antwortete ich überrascht. „ Wo kommst du denn her?“
„ Ich wohne hier in der Nähe,“ antwortete sie mir. „ Bin vor zwei Jahren hier her gezogen. Mensch ist die Welt klein.“
Da sie mich nicht mit Namen ansprach, ahnte ich, das er ihr wohl auch entfallen war. Lach.
Es folgte ein Redeschwall. „ Weißt du noch? Was macht denn die und die? Bist du schon Oma?“
„Ja, die bin ich,“ antwortete ich schnell. „ Die konnten ja nicht warten,“ legte ich nach. „ War erst  42, da wurde ich schon Oma.“  Es sollte unterstreichen, das ich zwar Oma war, aber eine jüngere.
Was die alles wusste und behalten hatte. Ich erinnerte mich kaum noch an die Hälfte.
Die Hunde hatten in der Zwischenzeit ein Häuflein auf den Asphalt gesetzt, die  ich mit einem Gefrierbeutel einsammelte und peinlich darauf bedacht war, ihn anschließend irgendwie zu verstecken. Mama Mia, bei der Hitze müffelte es aus dem Beutel gewaltig.
Da auch der längste Redeschwall einmal endet, verabschiedete sich Olga, Karin, Berta, Eva oder wer immer von mir und mischte sich wieder unter die Masse.
 
Hinterher fand ich es blöd, nicht nach ihrem Namen gefragt zu haben, sie bestimmt auch.
Ich seufzte, schmiss den müffelnden Gefrierbeutel in den nächsten Müllhalter und machte mich auf zum Auto. Auf dem Weg dorthin, fiel mir das Erlebnis meines Mannes ein.
Wochen vorher hatte er Bummy mit in die Stadt genommen, da er etwas zu erledigen hatte. Auf dem Rückweg käckelte Bummy , er glaubte, weil sie die Wiese irgendwie nicht ganz getroffen hatte, auf den Asphalt.
Typisch Mann, kein Tempo, keinen Gefrierbeutel und keine Fantasie. Also versuchte er den kleinen Kürtel in die Wiese zu treten. Dieses sah eine Frau, die sich schnell auf ihn stürzte und ihn belehrte, das er den Knicker zu beseitigen habe. Er antwortete ihr, dass er das gerne tun würde, aber leider kein Tempo dabei habe, drehte sich um und ging. Die Frau folgte ihm zeternd bis zum Auto. Er sollte mit ihr zum Ordnungsamt gehen, forderte sie. Mein Mann, eigentlich ein ruhiger Vertreter, drehte sich wütend zu ihr um und schrie: „ Mein Gott, sammeln sie ihn ein und bringen sie ihn zur Polizei, ich unterschreibe morgen das Protokoll!“ Erst da registrierte er, dass diese Dame total betrunken war.
 
Wir mögen es auch nicht, wenn Hunde mitten auf den Asphalt machen und wenn es doch mal passiert, haben wir immer etwas dabei und entsorgen die Häuflein. Aber an diesem Tag hatte mein Mann  mal nichts dabei. Kann ja mal vorkommen. Außerdem hatte er ja damit Fußball gespielt und tatsächlich die Wiese getroffen.
An diesem Abend saßen wir lange draußen und unterhielten uns. Keiner hatte Lust schlafen zu gehen, da es endlich angenehm draußen war und in den Zimmern eine drückende Schwüle lag.
Ich erzählte ihm von meinem Tag, er mir von seinem und anschließend berichtete ich ihm von meiner kleinen Reise in die Stadt. Auch davon, dass ich an seine kleine Verfolgungsjagd denken musste. Spendierte uns eine Flasche Bier, die schnell wirkte. Bekam einen Lachanfall, mein Mann auch. Er spendierte uns auch noch eine und wir erzählten uns was vom Pferd. Stundenlang.
Ach, ist das Leben manchmal nicht interessant. Die Begebenheiten, die Menschen die jeden Tag unsere Wege kreuzen. Die verschiedenen Charaktere. Die netten humorvollen, die Verbissenen, die tratschenden Übeltäter, die Ehrlichen, die Mitfühlenden und die Neider. Alle gehören zu dem Spiel des Lebens. So wie Sie und wir.
 

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Kommentar von: Erima 2010-05-21 14:30
Total witzig, habe echt Tränen gelacht!!!
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