Blutinferno Akt I
Akt I - Kapitel 1
„Sag schon, wer hat dich geschickt?“
Der Ork schaute mürrisch auf den grauen Steinboden vor sich.
Níseras Augen verengten sich.
„Nur einen Namen, danach darfst du wieder in die Freiheit.“
In ihrer sanften Stimme schwang Ungeduld mit. Der rothäutige Spion zeigte immer noch keine Reaktion. Die hübsche Nísera erhob sich von ihrem steinernen Thron, ihre schulterlangen kastanienbraunes Haare lagen perfekt auf den Trägern ihres dunkelroten Kleids. Langsam umrundete sie den gefesselten Ork, die Absätze ihrer Stiefel tapsten hallend durch den weiten Raum. Sie hockte sich neben ihren Gefangenen, fuhr mit den Fingern sanft über seinen Irokesenschnitt und flüsterte verführerisch in sein Ohr. „Oder willst du vielleicht hier bleiben? Hier bei mir?“
Der Ork schien für einen kurzen Moment aufzublicken und über das Angebot nachzudenken, dann wandte er sich aber wieder dem Boden zu.
„Wie es aussieht funktionieren hier in Pulton deine Methoden nicht so gut wie bei den Mensche in Pácterus.“ Eine Stimme erklang, die eindeutig einem jungen Mann gehörte. Nísera stand auf und blickte dem Ankömmling bitter entgegen. Aus dem Schatten eines Nebenganges erschien ein großer schlanker Mann, eine dunkelrote Robe umhüllte seinen guten Körperbau und die langen schwarzen Haare rundeten seine schönen aber ebenso maskulinen Gesichtszüge ab, an seinen hervorstechenden spitzen langen Ohren war klar zu erkennen, dass er wohl ein Elf sein musste.
„Die Menschen sind wahrlich leichter zu manipulieren, deren Fleischeslust ist unübertroffen.“
Der Mann nickte zustimmend.
„Aber sag, warum erscheinst du so spät, Eglís?“
„Elfenfrauen benötigen halt viel Aufmerksamkeit und unterwegs erspähte ich ein adliges Versorgungsschiff der Orks, dem konnte ich einfach nicht widerstehen.“
„Solche Aktionen dienen unserer Sache nicht sonderlich!“
„Ach gräme dich nicht schöne Nísera. Was wollen die Rothäute schon tun?“
„Bitte übertreibe nicht, wir haben schon genug Aufmerksamkeit erzeugt, die pultischen Behörden liegen uns schon im Nacken, die anderen Handelsgilden wollen uns verdrängen und erste Diebe habe wir auch bereits erwischt. Sie könnten irgendwas entdecken.“
Eglís zuckte leichtfertig mit den Achseln.
„Und zu wem gehört der Knabe da?“
„Das versuche ich ja gerade herauszufinden.“
„Und ich sehe erfolglos.“ Ein spöttisches Grinsen konnte er sich nicht verkneifen. Nísera würdigte ihn nur eines finsteren Blickes.
„Versuch doch mal statt Verführung Grausamkeit, obwohl deine Dekaden unter den Menschen haben dich sicherlich weich gemacht.“
„Ich zeige dir, wie weich ich bin!“
Nísera hob ihre Hand und schnippte mit den Fingern. Augenblicklich wurde der Ork unruhig, seine Haut am ganzen Körper errötete noch mehr als sie schon war. Es schien Dampf aus seinen Körperöffnungen zu entweichen. Er schrie vor Qualen, die Hitze stieg in seinem Körper schon übers unerträgliche hinaus. Er wand sich panisch auf dem Boden umher. Kochendes Blut schoss dampfend aus seinen Augen, der Nase, Mund und Ohren. Nach endlosen zwei Minuten hörte das Geschrei und die Bewegungen auf, die Leiche lag qualmend da.
Eglís nickte etwas beeindruckt. „Gut, du kannst es immer noch.“
Nísera atmete erleichtert auf, als wenn ein Druck von ihr gefallen wäre.
„Das hat wirklich gut getan, aber jetzt werden wir nicht mehr erfahren, woher der Spion kam.“
„Ach, wer kann uns schon was antun? Wir sind Königin Alýseràs Brut!“
Sie lächelte stumm. „Ja, das stimmt.“
„Und außerdem, gab es jemals eine Bedrohung, die der Triade des Blutes gefährlich wurde?“
„Naja, da gab es mal die Auseinandersetzung mit Necro...“
Der Elf unterbrach sie schroff.
„Ach, komm nicht wieder mit der Geschichte, das zählt nicht! Wer in dieser Welt ist nicht mal mit Necro aneinander geraten? Aber im Gegensatz zu den Meisten, haben wir es überlebt!“
Nísera lächelte erheitert ihren Gegenüber an, er erwiderte.
„Nun denn, meine Schöne. Wie sehen deine zukünftigen Pläne aus?“
„Als erstes müssen wir uns an die Spitze von Pultons Wirtschaft setzten, dadurch wären wir mächtig und einflussreich genug, um in Ruhe nach dem Nest suchen zu können.“
„Und dieses Nest, hast du schon irgendwelche Anhaltspunkte?“
„Du weist doch wie das mit den Nestern der Mystor-Triade ist. Tief unter der Erde verborgen und mit Schutzzaubern versiegelt, also müssen wir wohl Gerüchten lauschen, nachforschen und natürlich intensiv suchen.“
Eglís blickte nun mürrisch und lustlos drein.
„Überlas mir die Wirtschaft, aber auf meine Weise. Ich will nicht Jahre lang über Bücher und Zahlen brüten.“
„Was sind schon Jahre.“
„Da hast du recht, aber man kann die Jahre auch sinnvoller gestalten und auch erfreulicher.“
„Meinet wegen, aber vermassle es nicht! Angeblich will Wyrmlord Nahímana sich beteiligen, aber keine Ahnung wann er gedenkt zu kommen.“
Eglís verzog sichtlich überrascht das Gesicht.
„Ich hab nicht damit gerechnet, dass einer der Ältesten dazu stößt.“
„Immerhin ist es eine sehr wichtige Angelegenheit, wenn die Triade der Mystor wirklich das Land übernehmen will, dann müssen wir das unbedingt verhindern!“
Níseras Gesprächspartner verschränkte die Arme und tauschte seine unbekümmerte Mine gegen eine nachdenkliche. Sie war etwas überrascht, diese grübelnde Art hatte er in seinem langen Leben nie so zum Vorschein gebracht. Ein kurzes Kichern konnte sie sich nicht verkneifen.
„Worüber denkst DU denn nach?“
„Wie ich vorgehen sollte, ich glaube die Konkurrenz schlicht und einfach einzuäschern wäre angebracht.“
„Mh, so kalt wie immer, aber denk dran nicht zu viel Aufmerksamkeit auf die Triade zu lenken, das würde dem Wyrmlord nicht gefallen wenn er hier ankommt. Wenn es wie ein brutaler und sinnloser Machtkampf aussieht, wäre es am vorteilhaftesten.“
Eglís nickte zufrieden. „Das gefällt mir, mach dir keine Sorgen. Wo willst du anfangen zu suchen?“
„Erstmal werde ich mich hier in Orconova umhören, meine Leute haben bestimmt irgendwas rausgefunden. Währenddessen schicke ich die Jüngeren in den Süden, sollen sie sich etwas austoben.“
„Sicher, dass sie keine Dummheiten anstellen?“
„Kyra passt auf sie auf, mach dir also darum keine Gedanken.“
„Naja, aber sie ist ja auch noch ein Kind.“
„Aber sie hat den anderen sehr viel voraus, sie macht das schon.“
„Nun gut, das wäre geklärt, ich werde mir dann mal die Konkurrenz anschauen.“
„Mach das, wir sehen uns.“
„Und wie ich das machen werde...“
Eglís verließ den Saal.
Kapitel 2
„Bitte sehr Meister Eglís.“ Ein junger Mann in dunkelroter Robe lief nervös durch das Zimmer, ein dickes Buch vor sich her tragend.
Ein Elf im gleichen Gewand, saß ruhig am Schreibtisch. Der Knabe legte es ihm vorsichtig vor. „Darin steht alles über die anderen Handelsgilden hier in Pulton.“ Er schien etwas nervös in Anwesenheit von Eglís.
Mit einem Ruck schlug er das mächtige Schriftstück auf, genau an der Stelle, die er wollte. Seine Augen wanderten rasend über die Buchstaben, sein Verstand erfasste sofort ihren Sinn und verarbeitete ihn.
„Gut, vier Gilden. Wird wohl einfacher als ich dachte.“
Der Junge war sichtlich aufgeregt, versuchte aber Haltung zu wahren.
Eglís blickte auf. „Wie heißt du?“
„Kyrus...“ Er stockte etwas.
„Ah, Kyras älterer Bruder.“
Er nickte, Schweißperlen sammelten sich auf seiner Stirn.
„Macht es dich etwa nervös mit mir zu reden?“
„Äh, ein wenig, Meister.“
Der Elf lächelte. „Als ich das erste mal mit einem Älteren geredet habe hat mich das in den Wahnsinn getrieben, ich brachte kaum ein Wort heraus.“
Das schien Kyrus etwas zu beruhigen.
„Sag wie alt bist du?“
„Ich bin erst 211.“
„Oh, noch so jung. Denkst du denn du bist schon bereit gegen eine andere Triade zu kämpfen?“
Kyrus überlegte kurz. „Ich weiß nicht, ich wurde nur mitgenommen, weil Meisterin Nísera meine Schwester dabei haben wollte und sie nicht ohne mich gehen wollte.“
Eglís nickte verständlich.
„Nun denn, kümmern wir uns um diese Handelsgilden. Ich werde deine Fähigkeiten auf die Probe stellen.“
„Wie... wie meint Ihr das?“
„Wir werden diese Gilden einäschern, eine nach der anderen. Als erstes nehmen wir uns die...“ Elgís fuhr mit einem Finger über Blatt. „Pultons Rafach.“ Der Elf schaute verwundert drein. „Was ist denn das für ein Name?“
„Das heißt so viel wie Pultons Vermächtnis.“
Eglís war sichtlich beeindruckt.
„Sehr praktisch, du kannst Orkisch.“
Kyrus lächelte schüchtern.
Der Elf fuhr weiter mit seinem Finger durch das Buch.
„Aha, ein Exportunternehmen, 210 Angestellte, alles Orks. 20 Schiffe, 100 Landtransporter. Im Besitz von Familie Umbghat. Er blätterte die Seite um und entdeckte eine Karte mit dem markierten Standort der Gilde.
Er warf einen schnellen Blick darauf und schlug das Buch zu, beim Aufstehen steckte er es in eine kleine Tasche an seinem Gürtel. An der Tür blieb Eglís stehen und drehte sich zu dem Burschen um.
„Kyrus? Kommst du?“
Kyrus zuckte leicht zusammen und eilte zu seinem Meister, gemeinsam verließen sie das Gebäude.
Auf den Straßen herrschte wie jeden Tag heges Treiben. Hunderte Orks aus allen Schichten und Vereinen eilten über die Straße. Größtenteils Handwerker und Arbeiter trieben sich um diese Zeit herum, einige Stadtwachen in ihren braunen Lederrüstungen bahnten sich einen Weg durch die Massen. Viele Menschen und auch einige Zwerge konnte man zwischen den größeren Orks ausmachen, sie waren größtenteils Angestellte der menschlichen und zwergischen Händlern, der Rest wahrscheinlich Söldner. Eglís und Kyrus schlossen sich dem Strom an, zielsicher steuerte der Elf eine Straße nach der anderen ein, sein hervorragender Verstand hatte sich die Wege zu Pultons Rafach perfekt gemerkt. Der Jüngere folgte eher etwas zögerlicher. Langsam entfernte sich sein Meister immer mehr, er versuchte aufzuschließen und beschleunigte seinen Schritt, Kyrus hatte ihn fast erreicht, auf einmal drängte sich ein großer Ork zwischen sie. Kyrus sah ihn zu spät und rempelte ihn an. Sofort drehte der Betroffene sich zum Jungen um. „Hey du! Was fällt dir ein, Mensch?!“ Kyrus brachte kein Wort heraus. Der Ork stand direkt vor ihm, er überragte den armen Kyrus um einen Meter, er war auch doppelt so breit und seine Muskeln mutet an, was er alles mit Remplern anstellen könnte. „Du solltest lieber aufpassen wo du hin gehst! Weist du etwa nicht wer ich bin?“ Der kleinere Mensch war eindeutig eingeschüchtert.
„Tut... mir Leid. Wird nicht noch einmal passieren.“ Brachte er stockend heraus.
„Nein! So einfach geht das nich!“ Das bullige Gesicht des Orks verstimmte sich zu einer aggressiven Fratze.
Langsam bildete sich ein Meute um die Beiden, sie wussten alle was jetzt kommt. Eglís bemerkte den Aufruhr hinter sich, schnell wandte er sich um, Kyrus war nicht zu sehen. Überrascht musste er ihn mehrere Meter weiter hinten bemerken. In dem gebildeten Kreis stand er einem übel gelaunten Ork gegenüber. Schnell begab er sich zu ihnen. Der Ork packte den Burschen am Kragen. „Ich hoffe du kannst kämpfen, sonst wird das hier sehr kurz und langweilig!“ Kyrus schluckte, er wusste nicht recht was er tun sollte. Der Ork zog ein großes Krummschwert und wirbelte es herausfordernd umher. Doch bevor die ganze Situation eskalierte betrat Eglís den Ring. „Das reicht jetzt! Der Junge gehört zu mir!“
„Ha! Wer bist du schon?! Ich bin Argnoz der welberühmte Söldner, wenn jemand mich anrempelt, dann spürt er meine Klinge!“
„Ich lebe schon so viele Jahrhunderte und von einem Söldner namens Achnorz, hab ich noch nie gehört.“ Gab der Elf spöttisch.
„Argnoz heißt das, du Wicht!“
Eglís drehte sich zu Kyrus um, der eindeutig erfreut war seinen Meister zu sehen. „Kannst du kämpfen, Junge?“
„Nein... jedenfalls nicht so.“
Eglís überlegte kurz. „Dann sieh mir gut zu.“
Mit typischer elfischer Arroganz wendete er sich wieder an Argnoz.
„Ich kämpfe an seiner Statt!“
„Das ich nicht lache! Das Spitzohr will kämpfen!“ Einige Orks und auch der ein oder andere Zwerg lachte spottend unter der Masse.
„Na dann, Elfchen. Zeig was du kannst!“ Mit diesen Worten stürmte der Ork mit dem Schwert über dem Kopf auf Eglís zu. Dieser griff in die Innenseite seiner Robe und zog ein dünnes, langes und sehr elegantes Schwert heraus, das mit fremden Schriftzeichen geschmückt war. Als der Ork nur noch geschätzte zwei Meter entfernt war, machte Eglís eine schnelle Bewegung nach vorne, die Klinge seitwärts führend durchschnitt er das Fleisch zwischen Brustkorb und Becken. Ein Schwall aus Blut ergoss sich über die Pflasterstraße. Der Ork brach tot zusammen, direkt vor Kyrus Füßen und den ungläubigen Augen der Zuschauer. Die Masse verstummte. Eglís wischte am Umhang des dahin gerafften Söldners seine blutige Klinge ab, rasch verbarg er es wieder in seiner Robe. Er trat vor den sichtlich beeindruckten Kyrus. „Hast du gut aufgepasst?“ Er nickte.
„Für so was brauchte ich kein Training, das steckt in uns! Du brauchst bloß vertrauen zu dir selbst und deinem Blut.“ Wieder nicken.
Zusammen zogen sie weiter die breite Straße entlang.
Nach einem langen Fußmarsch kamen sie bei Pultons Rafach an.
Ein einfaches großes Lagerhaus, vor dem Gebäude waren zwei Vorarbeiter mit Pergament und Feder am Werk, um die ankommenden Waren zu registrieren und verladen zu lassen. Eglís und Kyrus schauten sich die Szenerie kurz an. Der Jüngere ergriff das Wort.
„Was genau habt Ihr vor?“
„Hab ich doch schon gesagt, sie einäschern.“
„Aber, habt Ihr keinen Plan? Das sind doch recht viele.“
„Also erstens sind das nur Arbeiter und zweitens sind wir zwei Agenten der Blut-Triade, mein Junge.“ Eglís machte eine überhebliche Miene.
„Hast du eine Waffe?“
Kyrus schüttelte den Kopf, mit typisch nervösem Gesicht.
Wieder griff der Elf in seine Robe, diesmal holte er aber zusätzlicher zu dem Schwert ein zweites identisches. Eines der kunstfertigen Waffen hielt er dem jungen Kyrus hin. Er griff zögerlich zu, als seine Hand den Griff umschloss spürte er die Magie der Waffe, wie sie kribbelnd durch seinen ganzen Körper floss, er fühlte sich gleich viel Stärker.
„Großartig, nicht wahr?“ Eglís grinste, Kyrus erwiderte.
„Mach dir keine Gedanken ums kämpfen, das Schwert wird dich leiten und dein Blut macht den Rest.“
Sie beide gingen los, abrupt hielt Eglís an.
„Du hast doch schon mal getötet oder?“
„Nur bei der Jagd und keine Mitglieder der Völker.“ Er klang etwas beschämt. Der Ältere seufzte, er platzierte seine rechte Hand auf Kyrus Schulter und sah ihn eindringlich an.
„Bleib dicht hinter mir, lass dich nicht einschüchtern und schlag einfach um dich, der Rest kommt von ganz allein.“
Er nickte mehrmals.
Eglís lugte um die Ecke, fixierte seinen Blick auf die beiden Vorarbeiter, bei ausgestrecktem Arm schloss er die Augen. Kyrus konnte an seiner Hand erkennen wie wilde Flammen entstanden. Sie nagten kein bisschen an dem Elfen, es war eindeutig magischer Ursprung. Innerhalb von Sekunden wurde das Feuer größer bis eine Kugel sich bildete. Der Ältere schlug die Augen auf und schleuderte die Flammenkugel Richtung den Eingang. Schnell kam sie näher, kurz vorm Einschlag bemerkten die Orks erst das Geschoss, viel zu spät. Beim Eintreffen entfaltete sie sich in eine gewaltige Explosion, die vordere Seite des Lagerhauses wurde weggerissen, von den Arbeitern blieb nur Asche. „Los!“ Schrie der Elf und zusammen mit Kyrus stürmte er in das brennende Gebäude. Innerhalb herrschte totales Chaos, brennende Orks rannten an den beiden vorbei, das Feuer ging schnell auf das restliche Gebäude und die Waren über, es wirkte schon so als wenn die Flammen Eglís folgen würden. Jeder der nicht in Flammen stand wurde von der Klinge des Ältesten gnadenlos niedergemacht, Kyrus zögerte erst etwas, aber das Schwert zwang seinen Arm nach den bulligen Arbeitern zu schlagen. Schnell waren sie am Ende der Lagerhalle angekommen, der Rest hinter ihnen in Flammen. Auf einem Balkon standen drei Orks, ein recht Alter der mit den Händen am Geländer sich vorbeugte und ein verzehrtes Gesicht trug. Links neben ihm stand ein jüngerer, wohl der Sohn, er wirkte recht regungslos und seine Miene war ratlos und erschreckt. Zu der Rechten des Alten stand eine ältere Frau, die sich ängstlich die ringbeschmückten Hände ans Gesicht hielt. Eglís führte einen weiten Streich aus womit er die Kehlen der vier einzigen Wachen öffnete, Blut spritzte in Fontänen empor und verteilte sich in den Gesichtern und auf Kleidung der beiden Angreifer. Mit bluttriefender Klinge zeigte er auf die Holztreppe, die noch unversehrt war. „Nimm die Treppe!“ Schrie er zu Kyrus. Dieser hatte sich mittlerweile schnell an das Kampfwirrwarr gewöhnt, obwohl des alles mehr ein Gemetzel war. Mit einem schnellen und gewaltigen Sprung gelang der Elf auf die linke Seite des Balkons, panisch blickten die Orks in das, für elfische Verhältnisse, sehr grimmige Gesicht das von vielen Blutspritzern geschmückt war. Eglís kam auf sie zu und mit einem Schwung enthauptete er das Ehepaar. Die zwei Köpfe der Rothäute flogen über das Geländer in das brennende Lager. Die Leichen sackten in sich zusammen, Lebenssaft ergoss sich über das Holz. Der Sohn taumelte zurück, seine Augen voller Panik und Verzweiflung. Grade kam Kyrus die Treppe hoch.
„Nun Bursche, der Sohn gehört dir.“ Der Jüngere kam langsam mit gehobener Klinge auf sein Opfer zu. Der Ork ging zitternd einige Schritte zurück bis er über seine eigene Füße stolperte und auf den blutüberströmten Boden fiel. Kyrus stand über ihn, er schaute nochmal zu Eglís rüber, das Schwert forderte bereits das frische Fleisch. Er spürte die Vibration. Der Elf ermutigte seinen Schützling mit einer eleganten Handbewegung. Der Jüngere schaute wieder auf den gebrochenen Ork, er konnte seinem Befehl und der Forderung des Schwertes nicht mehr standhalten und rammte das Schwert verbissen durch die Brust samt Holzbalken darunter. Der Stahl glitt leicht durch das Fleisch des Sohnes, aus seinem breiten Maul, das ein Stoßzahnpaar trug, quoll dunkelrotes Blut. Eglís nickte zufrieden. Kyrus zog die Klinge wieder aus den Leib, weiteres Blut floss aus der Wunde. Obwohl die Arbeit getan und kein Feind mehr in Reichweite war, bemerkte der Jüngling immer noch den Ruf nach Blut und Fleisch in das es Schneiden konnte. Er glaubte der Ruf wurde immer lauter und trieb ihn in den Wahnsinn. Eglís kam auf den Knaben zu und nahm die besudelte Waffe aus dessen Hand. Der Ruf verklang augenblicklich. Sein Meister verbarg die Zwillingswaffen wieder in seiner Robe. Kyrus wusste, dass Eglís schon so alt ist und diese Klingen bestimmt schon Jahrhunderte lang mit sich trug, aber ihn schien der Ruf nicht so zu plagen oder er verbarg nur geschickt seinen Wahnsinn.
„Nun, jetzt können wir wieder gehen, haben noch viel zu tun!“ Der Ältere vollzog eine flinke Handbewegung und sofort entzog sich das Blut aus den Roben der Beiden und von der Haut, es sammelte sich in der Luft zu einer wallenden Masse. Eglís lenkte sie Richtung Feuersbrunst wo sie rasch verdampfte. Die beiden wirkten nun so sauber, als wenn sie an gar keinem Blutbad teilgenommen hatten. Durch ein durchgebranntes Loch in der Wand kamen sie aus dem ehemaligen Lagerhaus raus. Sie liefen die Seitengassen entlang um Abstand zu erhalten bis sie wieder auf die Hauptstraße gehen. Kyrus vernahm ein lautes Krachen, er blickte zurück und sah zu wie die Lagerhalle lodernd zusammenbrach. Eglís trat neben ihn. „Herrlich, nicht wahr? Damit hast du deine Feuerprobe wahrlich bestanden.“ Er klopfte dem Jungen auf den Rücken.
„Kehren wir nun glorreich zurück und ruhen uns erstmal aus, bevor wir die nächsten Schritte planen. Lassen wir unsere Feinde Zeit sich vorzubereiten, dann wird’s noch unterhaltsamer!“
Kyrus konnte die Euphorie seines Meisters nicht ganz teilen, er war noch nicht so gewöhnt daran einfach so Arbeiter und gar ganze Familien in einem flammenden Blutbad zu vernichten. Obwohl dennoch etwas tief in ihm sich darauf freute wieder zu töten.
Kapitel 3
Nísera spazierte die breite Hauptstraße gen Norden entlang. Sie bewegte sich verführerisch, das enge Kleid lies der Fantasie der gaffenden Menschen und Zwergen der Stadt nicht mehr viel Raum. Unter den Orks erzeugte sie, zu ihrer Missgunst, nicht viel Interesse. Sie konnte immer noch nicht verstehen auf was diese geschuppten Grobiane bei Frauen aus waren. Ein Grund dafür, warum Nísera mit ihren Methoden hier in Orconova noch nicht viel Erfolg hatte. Doch solange sich die Menschen und Zwerge wegen ihr die Schädel einschlugen und die Augen nicht abwenden konnten, gab es genug woran sie sich erfreuen konnte.
Sofort wandelte sich Níseras Laune ins Negative. Eglís! Ich hätte es doch am besten wissen müssen, wie das endet! Jetzt hat er einen Vorsprung! Ihre Gedanken machten sie wütend. Jetzt schritt sie recht aggressiv die Straße entlang, ihre anziehende Art zu gehen wich ihrer wilden Wut. Nun lechzten sich die Männer nicht mehr nach ihr, sondern viel mehr hatten sie nun Angst vor der zornigen Frau. Sie bahnte sich drängelnd ihren Weg.
Nach einigen Minuten und schneller als sie schätze, kam sie an ihrem Ziel an. Nísera stand vor einem großen Fachwerkhaus, es könnte glatt direkt aus Pácterus her gebracht worden sein, wären da nicht die orkischen Verzierungen und Schnitzereien am Holz.
Vor der Tür, an der ständig allerlei Bürger, Wachen, Soldaten und Vertreter jeder Organisation oder zwielichtiger Vereinigung ein und aus gingen, hing ein massives Schild mit einem roten Drachen, der goldene Vogelschwingen trug, darunter stand Zum pácischen Drachen. Der perfekte Ort um Informationen auszutauschen, außerdem auch um das beste Met zu trinken. Aber wegen letzteres war die schöne Frau nicht hier. Sie stürmte regelrecht durch die Tür, sie wollte Eglís übertrumpfen. Der große Tavernensaal war wie immer voll besetzt, die Leute standen sogar schon in kleinen Gruppen zwischen den Tischen. Hier traf man sogar die seltsamsten und seltensten Personen, die man auf den Straßen kaum erblickte. In der linken Ecke zum Beispiel saßen vier Paladine und an der Theke standen sogar zwei Runenkrieger der Zwerge. Aber all jene waren uninteressant für Nísera, sie schaute zum Ende des Raumes, recht in der Ecke stand ein Tisch, etwas abgesondert von den anderen.
Mit dem Stuhl an die Wand gelehnt saß ein Elf in einer ungewöhnlichen Rüstung, die Beine, Arme und Hände waren gehüllt in Platten mit Formen die an Klingen erinnerten. Über dem ganzen trug er ein Kettenfrack. Seine Rüstung wirkte insgesamt wie eine fließende Kombination aus Eleganz und Grausamkeit. Doch das war nicht alles was ungewöhnlich an diesem Elf war. Seine Haut war dunkel und die Augen strahlten förmlich im violetten Licht. Die langen pechschwarzen Haare lagen wild auf den Schulterpanzerungen, sie hatten nicht den für Elfen typischen Glanz. Seine Beine lagen entspannt auf dem Holztisch, in seiner rechten trug er einen Kelch gefüllt mit dem berühmten Drachengold. Nísera ging direkt durch die Massen auf den düsteren Elf zu.
Dieser erspähte die Menschenfrau im dunkelroten Kleid rasch. Erfreut hob er grüßend die gepanzerte Hand. „Ah! Nísera meine Liebe! Du hast dich schon mal eleganter Bewegt muss ich zugeben.“ Als sie näher kam bemerkte sie, dass noch jemand an dem Tisch saß.
Eine schlanke Gestalt in schwarzer Kutte, die Kapuze und ein Tuch um Nase und Mund verhüllten sein wahres Gesicht. Auf dem Rücken trug er einen schwarzen Köcher prall gefüllt mit ebenso schwarzen Pfeilen. Ein dunkler Bogen steckte daneben in einer Halterung, dessen Form erinnerte stark an eine elfischer Bauart, aber sehr veraltet.
Auf beiden Seiten daneben steckten zwei meisterliche Schwerter in ihren Scheiden. Die schwarze Gestalt blickte auf zu Nísera, sie spürte große Macht und auch Finsternis in ihm. „Ich muss mit Euch reden, Rinathil. Jetzt!“ Nísera funkelte den Dunkelelfen streng an. Dieser lächelte aber nur keck. „Ich liebe es wenn du so wütend bist! Warte nur einen Moment ich bin hier fast fertig.“
Die schwarze Gestalt erhob sich von dem Stuhl. Eine kratzige und finstere Stimme erklang.
„Ihr wart mir eh nicht nützlich, ich verschwende hier nur meine Zeit.“
„Ach als wenn ihr zu wenig Zeit hättet.“
„Ich merke was den Dunkelelfen alte Bündnisse wert sind.“
„Das hat nichts damit zu tun und das wisst Ihr auch!“
„Ich denke nicht, dass er damit zufrieden sein wird und seinen Zorn wollt Ihr sicher nicht!“
„Ihr könnt Necro gerne sagen, dass er bei solch einer Angelegenheit selbst erscheinen soll, anstatt seinen Bluthund zu schicken!“
Nísera erstarrte kurzzeitig, als sie den Namen hörte, der für so viel Leid und Tod stand. Der Schwarze verengte seine Augen.
„Ihr werdet noch von mir hören!“ Verärgert stürmte er aus der Taverne, einige Gäste hatten das Pech dabei umgeworfen zu werden.
Nísera setzte sich zu Rinathil und machte große Augen. „Wer war denn das? Und was hatte er mit Necro zu schaffen?“
Der Dunkelelf machte eine abweisende Handbewegung.
„Ach hör mir auf mit den Zwei! Aber sag, was gibt’s neues? Warum warst du eben so wütend? Hat Eglís dich wieder geärgert?“ Er grinste breit.
Als sie wieder daran erinnert wurde, machte Nísera wieder ein zorniges Gesicht. „Ah, wohl ins Schwarze getroffen.“
„Ich brauche wichtige Informationen!“
„Ach wirklich? Ich dachte schon du hast dich endlich dazu entschlossen mit mir durchzubrennen.“
Solche Kommentare hoben nicht wirklich ihre Laune. Wieder funkelte sie ihn finster an.
„Ach Nísera, sei doch mal nicht immer so schlecht gelaunt wenn du mit mir redest. Genießt du denn nicht meine Anwesenheit so wie ich die deine?“
„Können wir diese sinnlose Konversation bitte beenden und uns dem Geschäftlichen Teil widmen?!“
„Wie du wünscht mein Feuerengel.“
Nísera schüttelte den Kopf. Ich hasse es wenn er mich so nennt.
„Wir wissen, dass irgendwo in Pulton ein Nest der Mystor-Triade versteckt liegt, was weißt du darüber?“
Rinathil nippte an seinem Drachengold und schaute kurz zur Decke hoch.
Die Ungeduld zerriss Nísera beinahe.
„Ja, ich habe das so einiges gehört.“
Sie riss erwartungsvoll die Augen auf und beugte sich vor.
„Beim Roachsee zwischen Orconova und Kra'peltur wurden angeblich Tatzelwürmer gesehen und einige Händler erzählten was von fliegenden Wesen nahe von Tronova.“
„Ausgezeichnet! Damit hab ich eine heiße Spur!“ Níseras Stimmung war nun wieder heiterer, entschlossen sprang sie vom Stuhl auf.
„Warte, warte kurz. Was kriege ich für diese Information?“
„Die Triade schuldet dir was.“
„Moment mal, ich habe quasi eben deine Arbeit gemacht! Ich möchte, dass DU mir einen Gefallen schuldest und einen Kuss.“ Der Dunkelelf lächelte sie wieder auf diese kecke Art an, die sie jedes Mal so an widerte.
„Warum sollte ich darauf eingehen?“ Fauchte sie.
„Tja, denk daran ich weiß genau was du bist und was sich hinter der Triade wirklich verbirgt.“
Nísera wusste ganz genau was er meint, das Risiko war zu groß, widerwillig kam sie auf Rinathil zu. Sie lehnte sich über den Tisch zu ihm rüber. Rinathil genoss derweil den freien Blick in ihren Ausschnitt. Sie wollte das alles nur schnell hinter sich bringen, schnell huschte sie vor und küsste den Elfen kurz auf die grauen Lippen. Sofort entfernte sie sich wieder von ihm. Rinathil schloss die Augen und lehnte sich wieder zurück.
„Ah, so kurz und doch so süß.“ Er öffnete wieder die leuchtenden Augen, gerichtet auf die gereizte Dame. „Keine Sorge, der Gefallen wird nicht auf solche Art beglichen, es sei denn du möchtest es.“ Nísera schüttelte nur den Kopf und verließ das Lokal. Der Dunkelelf lehnte sich zufrieden gegen die Wand und legte die Füße überkreuz auf den runden Holztisch. Den Blick gen Decke gerichtet und in zufriedenen Gedanken versunken, bemerkte er erst nicht, wie sich jemand zu ihm setzte. Rinathil schaute über seine Panzerstiefel hinweg, die leuchtenen Augen weiteten sich.
„Wie könnt Ihr noch leben?!“
Eglís und Kyrus hielten am nahen Marktplatz an und steckten ihre Nasen in das Buch über die anderen Handelsgilden.
„Nun denn. Diese Rafach wären erledigt, nun ist...“ Eglís blätterte kurz einige Seiten durch.
„Krul's Placc.“ Er wandte sich mit fragendem Gesicht an Kyrus.
„Heißt so viel wie: Krul's Arsenal.“ Von der gewohnten Nervosität, die der Knabe sonst an den Tag legte, war keine Spur mehr vorhanden.
Eglís nickte verstehend. „Ja, hier steht es sei ein Waffenhersteller und -lieferant. Wird geleitet von einem gewissen Ardok Krul... einleuchtend. Er soll auch einige Söldner als Wachen eingestellt haben. Das wird schwerer als der letzte Einsatz. Aber da du ja jetzt bereit bist, werden wir das gut hin kriegen.“ Kyrus lächelte zufrieden.
Der Elf steckte das Buch wieder weg. „Gut, es ist nicht weit von hier.“
Die Beiden konnten nur einige Schritte machen, bevor ihnen der Weg von sechs Wachen versperrt wurde. Eglís blickte sie verwundert an.
„Gibt es ein Problem?“
„Oh ja, eure Verbrechen und Intrigen!“ Schnauzte einer der Orks.
Sofort kam der Rest auf sie zu, mit Handschellen in den Händen.
„Wagt es ja nicht, mich anzufassen!“ Eglís war bereit zu kämpfen, seine Hände glitten in die Robe. Die Orkwachen reagierten blitzschnell, einer von ihnen griff schnell in einen kleinen Beutel und holte einen violetten kleinen Stein empor. Eglís präsentierte seine beiden Zwillingeschwerter, die Augen des Elfen glühten voller Wut. Es waren nur noch Sekunden bist zum Blutvergießen, doch bevor einer zum Schlag ausholen konnte warf der Ork den Stein in Richtung des Elfen. Bei der Berührung begann er rot zu glimmen, Eglís schrie auf einmal schmerzvoll auf, die Klingen lösten sich aus seinem Griff. Das Violette erreichte den Boden, das Glimmen wurde schwächer. Eglís verdrehte die Augen und brach zusammen, Kyrus lief geschockt zu seinem Meister. Die Orks eilten zu ihnen, grob legten sie die beiden Gefährten in Ketten und zehrten sie rücksichtslos die Straße entlang, Kyrus meinte noch eine in violetten Gewändern gehüllte Gestalt auszumachen, die ruhig die Szenerie beobachtete.
Eine unangenehme halbe Stunde später kamen sie endlich beim Gefängnis an. Sie betraten eine erst unscheinbare Tür neben der Wachkaserne, doch dort drinnen führte ein primitiver Lastenaufzug in einen gewaltigen Komplex aus Zellen und größeren Räumen. Die Orks machten vor einer der massiven Gittertüren halt, bevor sie den erschütterten Kyrus und den bewusstlosen Eglís hinein warfen, legten sie den Beiden noch seltsame Halsreife an, deren Berührung mit seiner Haut Kyrus schon schmerzte.
Herablassend warfen sie die neuen Gefangenen in die dunkle und dreckige Zelle. Schnaubend oder vielleicht eher lachend verließen sie die Neulinge. Kyrus sah sich in dem engen kalten Raum um. Aus irgendwelchen dünnen Öffnungen schienen kleine helle Lichtkegel hinein, vereinzelte Ratten huschten durch den Schatten. Doch hinten in der Ecke machte er noch etwas aus, es schien eine weitere Person hier zu sein. Kyrus kam vorsichtig näher, aus der Dunkelheit heraus schälte sich allmählich Níseras liebliches Gesicht.
Kapitel 4
Kyra starrte schon seit Stunden in den Himmel. Doch wie die ganze verronnene Zeit schon geschah nichts. Einer der Jüngeren kam angespannt zur Verantwortlichen. „Kyra, schon Kunde von der Meisterin?“
„Nein, verdammt! Ich gebe schon Bescheid, wenn ein Bote kommt!“ Eingeschüchtert von der gereizten Dame zog sich der Ankömmling zurück. Sie starrte weiterhin in den blauen Himmel, er war heute ziemlich klar, nur vereinzelte kleinere Wolken trieben ruhig durch das Blau. „Verflucht, immer noch keine Nachricht! Warum lassen sie mich hier so lange warten?!“ Aufgebracht redete sie vor sich hin, die Augen weiterhin gen Himmelszelt. Es geschah wieder nichts, doch dann regte sich etwas, aber nicht im Himmel, sondern in ihren Gedanken.
Kyra? Kyra könnt Ihr mich hören?
Ja! Ja, was ist los?
Die Pläne haben sich geringfügig geändert, kehrt schnellst möglich nach Orconova zurück!
Auf Grund der Nachricht aufgeregt kehrte sie zu ihrer Gruppe schnell zurück, die Jüngline blickten aufgeschreckt. „Es gibt Schwierigkeiten! Ich breche sofort zur Triade auf!“
Weit entfernt von Kyras Trupp, versammelten sich drei finstere Gestalten in violetten Gewändern.
„Der nächste Zug ist getan.“
„Folgt nun ein weiteren auszuführen.“
„Gebt Algrev die Kunde, dass Nahimana wohl bald einkehren könnte, er soll auf Alhir warten damit sie das Triadenhauptquartier zerstören, der Lord darf keinen Rückzugspunkt mehr haben!“
„Was ist mit den beiden Älteren?“ Fragte der erste.
„Sie sind nun das geringere Übel, sobald Algrev und Alhir die Triade ausgelöscht haben ist Lord
Nahímana das nächste Ziel. Macht Euch nun auf Lord Alhir!“
„Dann ist der Weg frei?“ Krächzte Alhir.
„Dann ist der Weg frei!“ Der dunkle Ort an dem sich sich befanden gab hallend die Worte des dritten wieder. Die Schlinge zog sich zu.
Kyrus schüttelte die bewusstlose Nísera. „Meisterin! Meisterin bitte erwacht!“ Doch nichts geschah, einzig das Huschen der Ratten und auf Stein fallende Wassertropfen belebten diese Gänge und Zellen. Eglís lag ebenso still auf dem kargen Boden. Kyrus wusste nicht weiter, es gab kein Ausweg, er musste warten bis die beiden Älteren wieder erwachten, hoffentlich konnten sie das noch.
Im Pácischen Drachen herrschte wie immer reges Treiben, Lachen gefolgt von besoffenem Gefasel durchzogen den großen Saal. Rinathil saß für seine Verhältnisse sehr angespannt an seinem Stammtisch, nach vorne gebeugt lauschte er den Worten seines neues Gastes.
„Sie sind gefangen, geschwächt. Nun liegt es an Euch zu helfen, aber nicht mit nützliches Worten, sondern mit Euer magischen Klinge.“ Der Fremde war in einem grauen Mantel gehüllt, sein Gesicht wurde von der Kapuze verborgen. „Ich?! Warum sollte ich mich in einem Triadenkonflikt einmischen? Bin doch nicht lebensmüde! Wieso helft Ihr ihnen nicht?!“
„Meine Zeit in dieser Welt ist begrenzt, Eure nicht. Wenn Ihr ihnen nicht helft die Mystor-Triade zu bekämpfen, dann wird diese Welt wieder einen Schlundkrieg erleben, solch einen Kampf konnte nicht einmal mein Volk gewinnen.“
„Aber... wie soll ich? Ich meine, diese Bestien zerreißen mich doch!“
„Reicht Euer Schwert.“
Rinathil zögerte erst, doch dann gehorchte er und griff neben seinen Stuhl. Er legte auf die Mitte des Tisches ein langes gekrümmtes Schwert, das mit dunklen Zeichen verziert war. Es waren die typischen Dunkelelfenschwerter, die sich stilistisch nicht sehr stark von denen der anderen Elfen unterschieden, aber die Verzierungen und Gravur offenbarten die dunklen Schmiede. Der Unbekannte breitete seine Hände über die Waffe aus, der Stahl erleuchtete kurz in einem weißen Licht.
Der Vermummte steckte die Hände wieder in einander. Der Dunkelelf schaute erst auf die Klinge, dann wieder zu seinem Beisitzer.
„Das war's?“ Fragte Rinathil mit hochgezogenen Augenbrauen.
„Wieso unterschätzt Ihr mich jedes Mal? Hat meine letzte Gabe Euch nicht genug Wissen gegeben, um ganze Paläste mit Büchern zu füllen?“
Das Spitzohr zuckte nur mit den Achseln.
„Nun denn, hört mir gut zu. Ich habe einem uralten Zauber auf Eure Waffe gewirkt, wir haben ihn damals schon eingesetzt gegen die Anhänger des Schwarzschlunds. Dieses Schwert ist nun an Euch geknüpft, Rinathil. Wenn Ihr es führt werden sich Eure Kräfte vervielfachen, es ist fast so als wenn die Waffe nun eine eigene Seele hat und mit Euch zusammenarbeitet. Darüber hinaus habe ich die magische Kraft der Klinge selbst erhöht.“
„Na also! Das klingt doch reizvoll!“ Rinathil streckte seine Hand aus, etwas zögerlich umfasste er den Griff seines Schwertes. Die Zeichen glimmten sofort in einem violetten Licht, seine Augen leuchteten intensiver als zuvor. Er hielt die Klinge vor sich aufrecht hoch, sein Blick wanderte auf dem Stahl entlang, der nun eine Art kalten Nebel abgab. Es sah so aus, als wenn der Dunkelelf dem Wispern der Waffe lauschen würde.
„Sie verdient noch einen angemessenen Namen.“
„Ja, das tut sie.“ Flüsterte Rinathil leicht geistesabwesend.
Der Vermummte stand langsam vom verschnörkelten Holzstuhl auf.
„Die Zeit eilt, Rinathil. Geht und unterstützt das Wohl dieser Welt, ich werde wo anders gebraucht.“
„Ihr habt mir immer noch nicht erzählt was genau mit Euch passiert ist.“
„Ein andern mal. Lebt wohl und enttäuscht diese Welt nicht.“
„Nur damit Ihr eins wisst, ich helfe nur diese Welt zu retten, weil Ihr mich darum bittet, nicht weil mir das Gute so liegt!“
„Ihr braucht mir nichts von Euch offenbaren Rinathil, ich weiß bereits alles.“ Der Dunkelelf blickte leicht verwirrt drein.
„Irgendwann werdet Ihr das verstehen und noch so viel mehr.“ Mit diesen Worten wanderte der Vermummte behutsam durch die Massen der Taverne, es war fast so als wenn niemand ihn wahr nahm. Nach einigen Sekunden verschwand er spurlos unter den Anwesenden. Zurück blieb ein nachdenklicher Rinathil, der aber fest entschlossen war seine Pflicht zu erfüllen.
Kyrus öffnete die Augen, er war wohl eingeschlafen. Die stickige Luft quälte seine Lunge, Schweiß lief die Stirn und Rücken hinunter, die rote Robe sog es auf, es war ein widerliches Gefühl. Nach und nach kamen die Sinne wieder zusammen, er blickte vor sich und sah Nísera und Eglís immer noch weitab dieser Welt auf dem Stein liegen. Es hatte sich nichts an der aussichtslosen Situation geändert. Kyrus hatte schon beinahe den Funken Hoffnung erlöschen lassen, doch dann regten sich die beiden Älteren. Angestrengt hob Nísera den Kopf, die nassen Haare und schmutzige Robe ließen zusammen mit dem kraftlosen Körperzustand ein jämmerliches Ebenbild der sonst so verführerischen und starken Frau zurück.
„Kyrus... kleiner Kyrus bist du das?“ Schwach und kraftlos klang ihre Stimme.
Der Elf neben ihr regte sich auch langsam, im gleichen Zustand wie Nísera. „Bei der Königin... wo sind wir, verdammt noch mal?“ Stöhnte Eglís. „Viel wichtiger ist doch... wie konnte uns das geschehen?“
„Und wer ist dafür verantwortlich... die Wache hätte von selbst nicht gehandelt und... wie konnten sie uns so... schwächen?“
„Ich habe eine Gestalt gesehen...“ Kyrus unterbrach die Beiden.
Sie schauten ihn an.
„ … eine verhüllte Gestalt, violettes Gewand.“
„Verdammt...“ keuchte es aus Níseras Munde.
„Die Mystor-Triade hat uns gefunden...“
„Aber... das kann nicht sein...“ Eglís biss gequält die Zähne fest zusammen.
„Kyra und die Jüngeren... sind noch da draußen...“
Kyrus wurde aufmerksamer, die Sorge weckte ihn.
„Meine Schwester!“
„Das ist alles geplant gewesen... wer weiß wie lange sie schon von uns hier wissen.“
„Wenn wir nicht... hier raus kommen... dann werden sie alle töten. Lord Nahímana... wird direkt in eine Falle laufen.“
„Gut erkannt Blutkinder.“ Eine selbstgefällige Stimme erklang aus dem Gang. Die drei blickten auf und sahen vor den Gittern die Gestalt in Violett. „Verdammte Mystorbrut!“ Eglís' Wut keimte wieder. Er kroch verbissen auf den Feind zu.
„Schreckliches Gefühl nicht wahr? Die ganze Macht genommen, die in eurem Blut strömte. Unmöglich wahre Gestalt anzunehmen oder sich in den Kampf zu stürzen.“
„Ich freue mich drauf Euer Blut zu koste, Widerbrut!“ Níseras angeborene Brutalität schenkte ihr noch genug Kraft für Flüche, jedoch nicht mehr.
„Ihr alle bietet wirklich einen erheiterten Anblick. Zwei solch mächtige Agenten der Blut-Triade, so schwach und winselnd.“ Ein an Falten reiches Gesicht mit Vollbart erschien unter der Kapuze, die Augen mit den violetten Pupillen strahlten Verschlagenheit und Machtgier aus.
„Ich werde dann mal mich den Jüngeren widmen, ich wollte nur sehen ob die Halsbänder ihre Arbeit tun.“
Kyrus fasste sich bei den Worten an den Hals, er spürte ein dünnes metallisches Band, das war wohl der Grund für die Machtlosigkeit.
Der Mystoragent verschwand den Gang entlang mit einem zufriedenen bösen Lächeln.
Als sie das Tor passierten waren die Wachen in Aufruhr. Dutzende kleine Gruppen von ihnen rannten in verschiedene Richtungen innerhalb der Stadt. Kyra ging vorsichtig und umsichtig die Hauptstraße entlang. Bisher hat sie denjenigen, der ihr die Nachricht überbracht hat nicht finden können. Sie war sich aber sicher, weswegen die Wachen so aufgeschreckt war. Nach einigen vorsichtigen Schritten entschied Kyra sich zur Triade direkt zu gehen, dort würde sie ihre Antworten finden.
Hoffnungslos lagen Nísera, Eglís und Kyrus in ihrer dreckigen Zelle. Sie wussten nicht weiter, es gab anscheinend keine Möglichkeit diese Halsbänder zu entfernen und zu fliehen. Nísera dachte darüber nach, wie die Mystor-Triade sie so schnell finden und hinter ihren Plan kommen konnten. Die schwächende Wirkung des Bandes störten ihre Gedankengänge zwar, aber sie war nicht zufrieden ohne eine Antwort. Als sie die letzten Erkenntnisse und Ereignisse zusammenführte ergab sich ihr schnell eine mögliche Lösung. „Rinathil...“
Eglís und Kyrus schauten sie fragend an.
„Rinathil, dieser dreckige, spitzohrige und hinterhältige Mistkerl!“
„Glaubst du wirklich, er hat uns verraten?“ Fragte Eglís.
Kyrus wusste nicht recht worüber die Beiden sprachen.
„Es gibt keine andere Möglichkeit... dieser Dunkelef kann uns nur an die Mystorbrut verkauft haben!“
„Ich dachte wir haben eine Übereinkunft mit ihm?“
„Ja, aber was erwartest du von diesem schmierigen Rinathil?“
Nísera war fest entschlossen, wenn sie jemals hier raus kommt, den Verräter zu zerfetzen. Während sie sich das bildlich vorstellte, ertönten weit entfernt Kampfgeräusche und klirrendes Metall. Die drei Zellengenossen krochen zu den Gitterstäben und versuchten zum einen Ende des Ganges zu schauen. Man konnte weit entfernt im schwachen Licht einige Gestalten ausmachen, die eindeutig miteinander kämpften. Es war aber nichts Ungewöhnliches unter Orks zu kämpfen, wenn man nicht der gleichen Auffassung war. Doch etwas passte nicht zusammen, Nísera konnte violettes Glimmen in der Dunkelheit ausmachen, das ihr irgendwie bekannt vor kam. Nach kurzer Zeit hörte man ebenfalls das platschen von Flüssigkeiten auf dem Stein, der Kampf war wohl vorbei. Nun folgte Tapsen von Stahl, jemand in einer schweren Rüstung näherte sich. Gespannt blickten die Agenten in die Dunkelheit. Die Gestalt kam immer näher und als sie aus dem Schatten ins leichte Licht rückte, stockte Nísera der Atem.
„Ich habe eben meinen Namen vernommen, aber nicht grade im guten Ton. Was soll's, aus deinem Munde hört sich doch alles so wundervoll an, mein kleiner Feuerengel.“ Rinathil lächelte sie durch die Gitterstäbe auf seine typische Art an. Nísera wusste erst nicht so richtig was sie sagen sollte. Sie musste erstmal verarbeiten, dass jener den sie als Verräter beschimpfte sie wohl retten will.
„Nenn mich nicht Feuerengel! Und hör auf mich so widerlich anzugrinsen!“
„Kein, ich bin so froh dich zu sehen, schöner Rinathil?“
Nísera wurde wieder wütend, da ergriff Eglís das Wort.
„Rinathil, mein Freund, würdest du wohl eben uns... nun ja hier raus holen?“
Der Dunkelelf nickte kurz, dann hob er das vor Blut triefende Schwert und richtete es auf die Zellentür. „Geht lieber zur Seite.“ Der Anweisung folge leistend krochen die Agenten zur den seitlichen Wänden und schauten gespannt. Rinathils Augen leuchteten stark auf, durch die Klinge jagte ein Blitz, der sich sofort auf die Tür entlud. Mit einem lauten knarren sprengte er die Gittertür aus der Wand und schleuderte sie durch die Zelle. Nísera, Eglís und Kyrus waren sichtlich beeindruckt. „Das ist aber nicht dein gewöhnliches Schwert.“ Bemerkte Nísera.
„Ja, sie ist verbessert und ich habe auch einen angemessenen Namen:
Níseras Gnadenlosigkeit.“ Er Grinste, sie nicht. Der Elf kam zu den anderen in die Zelle und kniete sich vor Eglís nieder. „Jetzt noch die Bänder und wir können abhauen.“
„Woher weisst du eigentlich, dass wir hier sind und von den Bändern?“ Fragte die Menschenfrau. „Du weißt doch, dass meine Quellen geheim sind.“ Rinathil berührte das Metallband mit der Spitze seiner Klinge, mit einem Klacken öffnete es sich und landete klirrend auf dem Steinboden. Der Befreite blinzelte als würde er aus einem langen tiefen Schlaf erwachen, sofort sprang er auf. „Oh bei der Königin fühlt sich das gut an!“ Er genoss sichtlich seine wieder erlangte Kraft. Die gleiche Prozedur machte kam auch bei Kyrus zum Einsatz. Jener war aber mehr besorgt als erleichtert. „Wir müssen Kyra retten!“
„Alles zu seiner Zeit, Junge.“ Antwortete Eglís, mit leichtem arrogantem Ton.
Rinathil bemerkte ein Ziehen an seinem Kettenwrack. Er schaute runter in Níseras zorniges Gesicht. „Hast du nicht was vergessen?“ Fragte sie ungeduldig. Er kniete sich runter zu ihr. „Nun ja, irgendwie gefällst du mir so sehr gut.“
Ihre Augen deuteten darauf hin, dass sie ihm die Zähne raus schlagen würde, wenn sie nicht so kraftlos wäre. Rinathil kam aber ihrer Bitte nach und öffnete auch ihr Halsband. Sie stand erleichtert und glücklich auf, mit einer kleinen Handbewegung entfernte sie Dreck und Feuchtigkeit aus den Haaren und säuberte die Roben aller Drei. „Aber nun schuldest du mir wieder einen Kuss.“ Níseras Stimmung war wieder unten. „Ich weiß was Besseres.“ Sie ballte ihre Faust und schlug sie Rinathil mit voller Kraft ins Gesicht. Heftig prallte er gegen den Boden. Nísera wirkte erleichtert. Der Dunkelelf rappelte sich wieder auf. „Nun gut, das reicht denk ich auch.“ Eglís konnte sich sein breites Grinsen nicht verkneifen.
„Es wird nun Zeit hier raus zu kommen.“ Bemerkte Nísera entschlossen, sie richtete ihre Hände gegen die Decke. Flammen entstanden und wirbelten um ihr Arme herum, Rinathil wusste gleich was kommt und erzeugte eine Schutzsphäre um sich, Eglís und Kyrus. Die Flammen wurden immer größer und wilder, nun manifestierten sich sich an ihren Händen, Nísera schoss sie in Form eines gebündelten Feuerstrahls gegen den Stein. Eine Explosion folgte, Steinbrocken flogen umher und eine Staubwolke breitete sich aus. Als die Sicht frei war, ragte ein großes Loch im Stein, Licht war am Ende auszumachen. „Los jetzt!“ Stürmisch kletterten sie durch die geschaffene Öffnung.
Algrev wanderte zufrieden die Hauptstraße entlang, Richtung Blut-Triade. Er malte sich schon aus wie er zusammen mit Lord Alhir diesen Nahímana auslöschen wird. Doch vorab noch die Triade, er hoffte dass sich noch ein paar Jünglinge dort aufhielten oder wenigstens einige Söldner. Ein leer stehendes Haus einzuäschern ist doch etwas langweilig Wahrscheinlich wird er den ganzen Laden einfach mit einer großen Blitzentladung rösten. Schnell und schmerzhaft, so gefällt es Lord Alhir, bestimmt wird er ihn loben. Wenn sie dann erstmal Nahímana vernichtet haben ist die Präsenz der Blutkinder in Pulton ausgelöscht, nur noch einige wenige ihrer Jüngsten treiben sich noch in der Wildnis herum, aber jene sind doch nur Fliegen. Überaus zufrieden lief Algrev weiterhin die Straße entlang, ein Lächeln die ganze Zeit vor sich her tragend. Jedoch konnte er seine Zufriedenheit nicht weiterhin ungestört genießen, hinter ihm zerriss eine Explosion die Luft. Der Mystoragent drehte sich langsam um, der rabenschwarze Qualm schien vom Gefängnis auszugehen. Algrev wurde stutzig, er schaute einige Minuten der Szenerie zu, aufgescheuchte Bürger, die panisch davon liefen, Schaulustige, die gaffend der Zerstörung beiwohnten und natürlich dutzende Wachen. Doch nichts Weiteres tat sich. Algrev setzte seinen Weg fort und sein Lächeln kam wieder, doch dann ertönte auf einmal eine Stimme hinter ihm, die eindeutig einer Frau zu zuordnen war, einer sehr wütenden Frau. Der Mystor schaute wieder zurück, sein Lächeln starb beim Anblick, der fast vor Wut kochenden Nísera. „Es war ein Riesenfehler mich am Leben gelassen zu haben, Widerbrut!“ Hinter ihr kamen rasch Rinathil, Eglís und Kyrus zusammen.
„Oh ja, jetzt gibt’s Mystorfleisch!“ Eglís rieb sich mit grausamem Gesichtsausdruck die Hände. „Ihr alle geht gefälligst zu Triade und sorgt dafür, dass die Anderen sicher sind, dieser Wurm gehört mir!“ Eglís wusste, dass es sinnlos wäre jetzt mit ihr zu streiten. Ohne Widerworte rannte er mit Kyrus los, Rinathil blieb jedoch. „Ich kann meinen Feuerengel doch nicht allein lassen.“ Der Dunkelelf legte sich sein Schwert auf die Schulter und lächelte Nísera an. Deren Zorn schien immer mehr zu steigen. „Mir gleich! Ich werde diese Widerbrut eh zermalmen!“
Algrev lachte kurz spöttisch auf. „Ihr seid umgeben von Orkwachen, die mir unterstehen und glaubt ja nicht ich hätte keine Halsbänder mehr!“
„Orks und Bänder sind egal, wenn ich meine wahre Macht entfalte!“
„Ihr glaubt Ihr könntet mich einschüchtern? Keiner von Euch Blutagenten zeigt so öffentlich seine wahre Gestalt.“
Rinathil kicherte belustigt. „Unterschätzt bloß Nísera nicht, besonders nicht wenn sie so wütend ist.“
Algrev ignorierte etwas seine Worte, er griff dafür in die Innenseite seiner violetten Robe und holte ein weiteres Halsband raus. Er winkte provozierend damit. Nísera verzog ihr Gesicht wütend, die Augen fingen an lodernd zu brennen. Um sie herum breiteten sich Flammen aus, die anfingen sich um sie zu schlingern. Ihre Haut wurde rot, die Zähne formten zu tierähnlichen Fängen. Algrev machte ein ungläubiges Gesicht, er fasste es nicht, dass sie es wirklich tat. Rinathil beobachtete entspannt die Verwandlung. Níseras Hände entwickelten sich zu brutalen Klauen, Knochen und Muskeln verformten sich und ordneten sich neu an, aus ihrem Rücken drückten sich Auswüchse, die mehr und mehr Flügeln glichen. Der Feuersturm um sie herum wuchs zur enormer Größe an und umhüllte sie komplett. Die Infernosäule stieg dem Himmel empor und dehnte sich weiter aus. Algrevs Robe wurde durch die Kraft der Flammen umhergewirbelt, die Bevölkerung und hunderte Wachen versammelten sich, um dem Schauspiel fassungslos beizuwohnen. Nach einigen Minuten lodern brach Nísera in ihrer wahren Gestalt aus dem Sturm, imposant baute sie sich mit ausgestreckten Flügeln vor Algrev auf, die Drachin brüllte ihren Zorn in die Welt hinaus.
Der Mystoragent hatte sich mittlerweile wieder gefangen, mit grimmigen Gesichtsausdruck fixierte er das große Reptil vor sich.
„Nun, wenn Ihr es so drauf ankommen lassen wollt!“
Entschlossen leitete Algrev seine Verwandlung ein. Chaotisches Feuer in violetten und blauen Farben kroch über seine Robe und Haute. Nísera hatte keine Geduld mehr mit der Widerbrut, sie ging mit ihren vier Läufen in die Knie, während sie tief Luft holte erhöhte sich die Größe von Algrev und seiner Flammen, ähnlich wie bei der Verwandlung der Blutdrachin. Wildes rotes Feuer drückte sich zwischen ihren Zähnen aus dem Maul, mit hoher Wucht entlud sie das Inferno auf ihren Feind. Doch die starke Magie, die die Wandlung des Mystor ermöglichte, blockte die Flammen ab. Kurz nach dem erfolglosen Angriff entstieg Algrev seiner blauen Feuersäule in wahrer Gestalt. Ein Drachkin, seine längliche Körperform und die violetten und dunkelblauen Schuppen machten ihn leicht von Nísera unterscheidbar. Die zwei Ungetüme ragten gleichsam empor, die Zähne fletschend knurrten sie sich an. Gut gebaute menschliche Körper wichen geflügelten Schuppenkleidern, wohl formulierte Sprache den Klauen und Brüllen und hinterhältige Pläne und verdeckte Operationen dem magischen Feuer. Beide Kontrahenten ließen den zivilisierten Teil ihrer selbst hinter sich und gaben sich ihrer angeborener Wildheit und Brutalität hin. Das Vorgeplänkel war vorbei, mit einem Gebrüll, das wohl selbst bis zu den Göttern drang, stürzten sich die Drachkin ins erbarmungslose Gefecht. Sie wanden sich umher, kratzten und bissen sich gegenseitig, versuchten die Flügel auszureißen und Kehlen zu öffnen. Während die mächtigen Leviathane auf Leben und Tod rangen, eilten die korrumpierten Wachsoldaten der Orks heran mit großen schweren Ballisten. Rinathil der Dunkelelf wusste er konnte Nísera bei ihrem Kampf gegen den Mystor nicht helfen, aber ihr Deckung geben lag in seinem Einflussbereich. Während die Orks die metallenen Maschinen aufbauten, eilte das Spitzohr mit seinem Krummschwert im Anschlag heran. Zu Spät bemerkten sie wie er sich nährte und mit schnellen Streichen sie aufschlitzte. Mit seiner verbesserten Waffe war es ein leichtes die stämmigen Krieger zu töten. Mehr und Mehr reagierte die Stadt auf den Kampf der Drachen. Panisch rannte der Großteil der Anwohner durch die Straßen, während dutzende übermütige Schaulustige den Giganten in ihrem Todeskampf beiwohnten.
Eglís und Kyrus bahnten sich energisch ihren Weg durch die ineinander stürmenden Passanten. Der Elf kannte keine Rücksicht mehr, schlagend und stoßend räumte er sich den Pfad zu seinem Ziel frei. Obwohl die Strecke vom Marktplatz zur Triade nicht sonderlich weit zu Fuß war, so erschwerten die Massen an aufgeregten Leuten das Vorankommen sehr. Kyrus folgte verbissen seinem Meister, seine Gedanken schwirrten um seine Schwester Kyra. Er wusste nicht ob sie schon in der Stadt war oder ob vielleicht sogar alles schon zu spät war. Agent Eglís schaute über die zahllosen Köpfer von Orks und Menschen hinweg, er konnte schon die Umrisse des Triadenhauses erkennen, obwohl sie sich kaum von den umgebenen Gebäuden unterschied, so erkannte er es sofort wieder. Stück für Stück kamen die Beiden näher, vor dem Haus konnte sie noch eine junge Frau erkennen, die verstörend Richtung Marktplatz starrte, selbst aus der Entfernung waren die großen Leviathane gut zu erkennen. Kyrus wollte mit schwenkenden Armen seine Schwester auf sich Aufmerksam machen, da sah er auf einem der nahe liegenden Dächer eine hohe schlanke Gestalt in violetten Gewändern.
Er bemerkte, dass sein Meister ihn ebenfalls bemerkte. Der Mystoragent hob langsam seine Arme, violette und blaue Lichter erschienen um seine schrumpligen Hände, sie wirbelten umher und bildeten sich mehr und mehr zu gleißenden Kugeln. Eglís konnte keine Zeit mehr vergeuden auch zur Tarnung nicht, da Nísera in ihrem Zorn eh schon zu viel entblößt hat. Kyrus war abwarten auch zu wider geworden, er wäre sofort los gestürmt wenn ihn Eglís nicht mit vorgehaltenem Arm aufhalten würde. Der Elf holte tief Luft, seine Brust erhob sich, sein Kopf lehnte sich zurück. Sein Schädel verformte sich leicht, kleinere Stacheln drückten sich aus der Haut und Schuppen bildeten sich. Die grünen Augen des Spitzohrs wandelten sich schlagartig in hell glühend rote mit vertikalen Pupillen wie von Echsen. Die aufgeregte Menge um ihnen herum bemerkte nichts von der Verwandlung, sie waren alle mit ihrer Angst und Aufregung beziehungsweise Ahnungslosigkeit über die gegenwärtige Situation beschäftigt. Die geringfügige Transformation von Eglís dauerte nur wenige Sekunden, er stieß wuchtig den Kopf nach vorne, er öffnete seinen Mund und entblößte die spitzen Zähne, die Dolchen ähnelten.
Er entlud seine geschwollene Brust und spie einen konzentrierten Flammenstrahl dem Mystoragent entgegen. Sofort fingen die violetten Gewänder an zu brennen, der Träger unterbrach seinen Zauber und war sichtlich überrascht. Obwohl die heißen Flammen seine Kleidung aufzehrten und seine Haut verkohlten, so bewahrte er Fassung und richtete seinen böser bitteren Blick langsam auf den schuppigen Eglís. Der junge Kyrus nutze die Gunst der Stunde und drängte sich zu seiner Schwester Kyra durch. Eglís' Verwandlung setzte sich währenddessen weiter fort, aber nicht so auf brausend wie bei Nísera. Seine Knochen verformten sich grotesk weiter, begleitet von makabren Knacken. Die Haut färbte sich weiter rot und bildete mehr Schuppen. Während seiner fortlaufenden Entwicklung ging der Blutagent in die Hocke, wie ein Raubtier zum Sprung bereit. Sein Äußeres, das eine grausige Mischung aus Drache und Elf war, erregte die Aufmerksamkeit seiner Umgebung. Viele Passanten huschten erschreckt zurück und beäugten das seltsame Schauspiel, einige flohen in die nahen Gassen der Straße. Mit einem überaus schnellen Sprung fiel er den Mystor an, prügelte wild auf ihn ein und schleuderte ihn mit gewaltiger Kraft durch Dutzende Häuser. Kyrus stieß durch den Strom aus Leuten, hinauf zu seiner Schwester. Sie bemerkte erst gar nicht, dass ihr Bruder vor ihr stand.
Ihre Miene war ein Gemisch aus Entsetzten und Verwirrung. Er legte seine Hände auf ihre zarten Schultern, eindringlich rief er über den Lärm der Umgebung. „Kyra, wir müssen weg hier!“ Allmählich realisierte sie, was geschah. Ihre grünen Augen wanderten Richtung Platz, Nísera und Algrev kämpfend in Drachengestalt, dann schaute sie hinauf zum Dach, wo der Drachkin Eglís majestätisch und provokant thronte.
Schluss endlich kehrte sie wieder zu ihrem Bruder zurück. Dieser blickte verzweifelt drein und wartete auf die erhoffte Reaktion. Doch sie stand aus, ein tiefes und lautes, gleichauf böses, Grollen zog durch die Stadt. Wie ein immer stärker werdendes Erdbeben zerrüttete es die Herzen der Anwesenden. Schweigend erstarrten sie, die Panik wurde von der Neugier an das Grauenvolle verdrängt. Gebannt warteten sie, was hinter dem Aufbrausen sich verbarg. Nísera und der Mystor Algrev ließen einen Moment von einander ab, denn auch sie hatten es vernommen. An vielen Stellen war die dicke Schuppenhaut der Drachkins aufgerissen, teilweise durch Klauen, teilweise durch Zähne. Dickes leicht schimmerndes tief rotes Blut lief heraus. Der schlanke und schlangenartige Algrev verzog seine Schnauze, blutverschmierte bleiche Zähne ragten hervor.
„Mein Meister ist angekommen!“ Eine tiefe Stimme, die klang als wenn unzählige Personen gleichzeitig mit der selben Stimme sprechen würden und dennoch im Unterton Algrevs charakteristische Menschenstimme enthielt, erklang hinüber zur seiner Feindin. Eine helle Frauenstimme, die aber eine Härte und Entschlossenheit besaß antwortete.
„Glaubst du wirklich, dass du nun gerettet werden würdest? Egal wie viele von euren Wyrms und Meistern noch auftauchen, dein Leben verschlinge ich!“ Obwohl man emotionale Reaktionen bei den großen Echsen kaum ausmachen konnte, so schien die Antwort der roten Blutdrachin den Mystor erheblich einzuschüchtern. Ungeachtet dessen, was herum passierte griff Nísera wieder an.
Das Fundament der Stadt fing an zu beben. Rinathil zog seine Klinge aus einem toten Ork. Seine Rüstung war mit kleineren Blutspritzern und größeren Verschmierungen überzogen. Von seiner gekrümmten Klinge triefte das Blut und tränkte die Pflaster der Straße. Innerlich lachte er über die Neugier der Anwesenden, wenn sie nur wüssten was gleich passieren würde, wären sie schon längst aus der Stadt, wenn nicht sogar von der Halbinsel geflohen. Nichtsdestotrotz musste Algrev endlich den Tod finden, Nísera beschäftigte sich viel zu lange mit ihm. Das Spitzohr blickte zu den beiden Drachkins auf. Wild und grausam rangen sie miteinander. Der Platz um sie herum war mit zerstörten Ständen der Händler, den Leichen jener, die weniger Glück hatten und viel Drachenblut übersät. Es war ja klar, dass Rinathil der zarten Nísera helfen musste.
Entschlossen rannte der Dunkelelf los, seine schwere Rüstung schepperte und klapperte während er sich schnell den Drachen näherte. Trotz des Lebenssafts auf dem Stein unter seinen Füßen, rutschte er nicht noch verlor er etwas an halt. Der Boden begann zu zittern, die gewaltigen Echsen türmten sich vor ihm auf. Geschickt wich er ihren schlagenden Schweifen, Flügeln und Gliedmaßen aus. Mit akrobatischen Manövern sprang, schwang und kletterte Rinathil an dem blau-violetten Schuppenkleid von Algrev herauf. Dem Mystor fiel sein kleiner Gast nicht auf, zu sehr war er damit beschäftigt gegen die zornige Nísera zu kämpfen. Die geschickten Finger des Spitzohrs fassten sicher an die Ränder der rauen, stabilen Schuppen und zogen ihn immer höher. Er konnte schon den violetten Haarschweif der Drachkin, der an seinem Hinterkopf wuchs, die Mähne war typisch für die Drachen. Auch aus Níseras Schädel ragte eine Haarpracht in feurigem Rot. Bei ihren Bewegungen wallte es hin und her wie ein wunderschöner Flussstrom, ihre Mähne war ebenso anbetungswürdig wie ihre Kastanienbraunen als Mensch. Rinathil verlor beinahe den Halt als die Blutdrachin nach der Kehle des Mystors schlug. Der Dunkelelf klammerte sich an den dickeren und größeren Halsschuppen fest. Er konnte über sich sehen wie Níseras riesige Krallen die Hornplatten unterhalb von Algrevs Kopf aufrissen. Splitter regneten herab und das heiße Blut des Drachkin ergoss sich über seinem Hals. Es tränkte seine Panzerhandschuhe und kroch durch die feinen Ritzen und Lücken. Er spürte den heißen Lebenssaft auf seiner trüben Haut. Die Temperatur des Blutes ließ ihn zusammenzucken, aber sie war nicht hoch genug um ihn zu verbrennen. Energisch setzt er seinen weg fort, er war nun wenige Meter von dem mächtigen Unterkiefer des Mystordrachkin entfernt. Mit seinen Füßen stütze er sich auf ein paar etwas heraus stehenden Hornplatten. Seine rechte Hand griff nach dem magischen gekrümmten Schwert auf seinem Rücken. Er sammelte seine Kraft, die Muskeln des Dunkelelfen spannten sich an, mit einem weitem Satz sprang er hoch zur Kehle von Algrev. Wie durch Butter glitt die Klinge durch die harten Schuppen und das Fleisch darunter. Rinathil verlagerte sein Gewicht nach unten und schnitt sich den langen Hals der Echse runter. Algrev spürte den höllischen Schmerz, er verkrampfte und gurgelte Blut. Nísera nutze die Schwäche des Feindes, sie bohrte ihre Klauen in den Hals und umschloss mit ihrem Maul den Kopf des Mystors. Rinathil löste seine Klinge und sprang von dem Ungetüm ab. Geschickt landete er auf dem blutverschmierten Steinboden der Stadt. Er blickte sich um und sah Algrevs letzte Augenblicke. Die Blutdrachin zerrte heftig am Kopf des Mystors. Sie hörte die gedämpften Schmerzensschreie, ein fast schon musikalischer Klang für sie. Sie zerrte heftiger, mit einem lauten Knacken brach das Genick ihres Feindes. Mit einem starken Ruck riss das Fleisch zwischen Schädel und Hals. Die Schreie verstummten, eine riesige Blutfontäne schoss aus dem Stumpf des violetten Drachkin. Nísera präsentierte den blutigen abgetrennten Kopf ihres besiegten Gegners, angewidert schleuderte sie ihn weg. Stolz richtete sich die Drachin auf ihrem getöteten Feind auf, brüllend entfaltete sie ihre Flügel, der Triumph war ihrer. Nach und nach klang der Rausch des Sieges ab, ihr massiver schuppiger Kopf drehte sich langsam zum neusten Quell der Aufmerksamkeit. Sie sah Eglís in Drachengestalt auf den Häusern thronen und registrierte das grollende Beben, das die Stadt erfüllte. Rinathil schulterte sein edles Krummschwert und blickte in die selbe Richtung wie sein Schwarm. Das Drachenblut des toten Mystors Algrev rann ihm die Rüstung und Waffe hinunter. Sein Gesicht war eine Fratze aus verschmiertem Lebenssaft und Zufriedenheit. Inzwischen haben sich die Straßen etwas gelichtet, diejenigen die ängstlich beziehungsweise vernünftig waren brachten sich bereits in Sicherheit.
„Hol Kyrus und seine Schwester und bring sie weg!“ Donnerte eine bekannte Stimme unweit von ihm. Der Dunkelelf schaute zu Nísera auf. Sie starrte unbeweglich. Rinathil wollte in dieser Situation ihre Anweisung nicht anzweifeln und setzte sich in Bewegung, seine scharfen Sinne erleichterten ihm das Auffinden der Geschwister. Während er seiner Aufgabe nachging wandelte sich das Grollen in ein massives Beben. Eglís spannte seinen massigen Körper an und knurrte aggressiv. Als das Spitzohr sich durch die übrige Masse der Menschen bahnte brachen einige der Häuser dort weg, wohin Eglís den anderen Mystor hin geschleudert hatte. Gewaltige Klauen erhoben sich und trafen auf den Boden. Dutzende Zivilisten wurden zerquetscht, die Panik erhob sich erneut. Obwohl sich alle bereits hätten retten können verweilten doch viele, der unbekannten Gefahr zu liebe. Eine zweite Klaue erhob sich und das Szenario wiederholte. Rinathil erreichte die immer noch vor der Triade verharrenden Geschwister Kyrus und Kyra.
„Zeit zu gehen, Kinder.“ Rinathil grinste sie einfältig an und öffnete das Tor der Triade mit einem beherzten Tritt.
„Aber was ist mit der Meisterin?“ Fragte Kyra mit leicht zitternder Stimme. „Die kommt sobald sie hier fertig ist.“ Mit einer Handbewegung deutete der Dunkelelf in das Innere des Gebäudes. Kyrus nahm Kyra bei der Hand und traten hinein. Das Spitzohr führte sie sicher durch die vielen Gänge und Räume. Im Privatgemach von Nísera machten sie vor einer großen Drachenstatue halt. Kyrus wusste wen sie darstellen sollte, die Königin Alýserà. Rinathil zog an einem der Stachel auf dem Rücken der Statue. Auf der gegenüber liegenden Wand schob sich ratternd ein Stück zur Seite. Die beiden Geschwister schauten verblüfft drein, von diesem Geheimgang hatten sie noch nie etwas mitbekommen und warum wusste der Dunkelelf so genau wo er ist? Rinathil zeigte mit der blutverschmierten Hand in den dunklen Gang.
„Ihr geht immer weiter gerade aus durch bis zu seiner Tür. Geht durch jene durch und wartete dahinter auf uns!“ Das Spitzohr schaute die beiden eindringlich an. „Verstanden?“
Die beiden nickten nur.
„Na dann, los!“ Eilig schritten sie durch den geheimen Durchgang.
Der Korridor war schlecht beleuchtet, man konnte kaum etwas sehen, trotzdem gingen sie unbeirrt weiter. Einmal wieder ertönte das rattern und der Eingang schloss sich.
Eine dichte Staubwolke erhob sich aus den zerbröckelnden Gebäuden. Die Silhouette eines schlangenartigen Mystordrachen war leicht darin zu erkennen, nur viel größer. Eine Stimme die klang als wenn hunderte auf einmal reden würden donnerte durch die Hauptstadt der Orks.
„Lächerliche Versuche! Ihr glaubt ihr wärt die Meister der Tarnung und Intrigen, pah! Wir haben eure Absichten schon Monate vorher durchschaut!“
Nísera und Eglís fauchten verächtlich.
Der Dunst legte sich und der gewaltige Kopf des Mystorwyrmlords Alhir. Vom Aussehen her ähnelte er Algrev sehr, blos statt Schuppen hatte er lange buschige Federn, die in einem dunklen Violett getaucht waren. Seine Augen leuchteten unnatürlich Blau und seine gewaltigen Schwingen glichen denen eines Adlers. In Größe überragte er die beiden Blutdrachkins über weiten. Nísera und Eglís wussten, dass sie einem ungleichen Kampf gegenüber standen, dennoch war es ihre Pflicht alles zu versuchen den Feind zu stoppen. Immer weiter erhob sich der Wyrmlord aus dem Schutt. „Algrev hat darin versagt euch auszuschalten, doch meine Macht könnt ihr nicht widerstehen!“ Die Augen leuchteten intensiv auf und Flammen in violetten und blauen Farben verschiedener Töne schossen aus dem gewaltigen Maul hervor. Das Inferno verschlang die beiden Drachen. Zufrieden grinsend begutachtete der Mystor sein Werk. Doch was war dies? Sein magisches Feuer wirbelte umher, keine Schmerzensschreie zu hören, immer kleiner wurden sich. Mit verengten Augen starrte er Zähne fletschend ins Zentrum. Sein erster fast schon perfekter Angriff wurde von diesem Emporkömmling eines Drachkin vereitelt, wer wagte es jetzt ihn zu hindern diesen Schwächlingen wahre Macht zu demonstrieren? Die Flammen wurden immer weniger und er erkannte wer dahinter steckte. Eine schmächtige Figur stand zwischen den beiden Blutdrachen, er hielt eine interessante Klinge in den Händen, sie war tatsächlich in der Lage seine Magie zu absorbieren!
Rinathils Arme zitternden heftig, sein Schwert glühte gefährlich während es die magischen Flammen aufsaugte. Der Schweiß rann ihm schon den ganzen Körper hinunter und brannte in seinen Augen. Doch er musste durchhalten, wenn auch nur ein Funken dieses Feuers übrig bleiben würde, so könnte alles tragisch schief gehen. So machte er trotz heftiger Schmerzen, die durch seine Arme und Brust zuckten weiter. Und endlich das letzte bisschen verschwand in der verzauberten Klinge des Dunkelelfs. Übermannt von der Anstrengung ließ er sich auf die zittrigen Knie fallen und sog die Luft unregelmäßig in seine Lunge.
„Verstehe, du bist also dieser Übeltäter, der unsere Pläne etwas durcheinander brachte!“ Donnerte wieder Alhirs Stimme.
„Dennoch ist diese Waffe, die du mit dir führst wahrlich sehr faszinierend. Du bist viel zu unwürdig sie zu tragen, vielmehr sollte ich ihre Macht nutzen!“ Gierig starrte der Wyrmlord auf Rinathils Schwert. Mit einer schnellen Bewegung, die man einer Bestie seiner Größenordnung gar nicht zugetraut hätte, stieß er vor den Wicht zu verschlingen und sich die Klinge anzueignen. Rinathil blickte erschöpft auf und glaubte die letzten Sekunden seines Lebens zu erleben, als der gewaltige Wyrmkiefer sich näherte. Doch es sollte so nicht sein, Nísera stürzte sich inbrünstig auf den Feind. Obwohl die Größenunterschiede zwischen den beiden hoch war, so gelang es ihr Alhir wegzustoßen und ihre Krallen in seine Haut zu bohren, zwar nicht tief genug um ihn zu verletzten, aber tief genug um ihn davon abzuhalten Rinathil zu erwischen. Eglís ließ nicht lange auf sich warten und schloss sich dem Kampf gegen den verhassten Feind, der ihre ganze sorgfältige Operation zerstörte, an. Die beiden roten Drachkin umtanzten den gewaltigen Mystor und versuchten ihm Wunden zuzufügen. Im ersten Augenblick schien es wahrlich zu funktionieren, doch schon bald sorgte die enorme Kraft von Alhir dafür, dass in die Häuser der Stadt geschleudert wurden. Endlich hatte sich der Dunkelelf wieder erholt.
Sofort festigte er den Griff um sein Schwert, als er dem Getümmel näher kam, roch der Wyrmlord förmlich die Macht seiner Waffe. Wieder funkelte er sie gierig an und ließ davon ab Nísera und Eglís zu töten. Rinathil hielt die Klinge dem Drachen entgegen, der Stahl leuchtete auf und schoss ein Geschoss aus Magie gegen den Leviathan. Das eher unscheinbare Leuchten traf ihn am Unterkiefer, ein greller Lichtblitz zuckte auf und schleuderte den Mystorwyrm einige Meter weg. Eglís und Nísera rappelten sich auf und breiteten ihre prachtvollen Schwingen aus. Mit einem Satz stürzten sie sich in die Luft, so lange Alhir am Boden lag gab es eine Chance zu entkommen oder wenigsten das Schlachtfeld zu verlegen. Imposant flogen sie über dem riesigen Wyrmlord hinweg, Nísera umschloss Rinathil mit ihrer Klaue und nahm ihn mit den Wolken entgegen. Alhir brüllte wutentbrannt auf, rasend richtete er sich auf und starrte in den Himmel, die Blutdrachen entfernten sich immer mehr zusammen mit dem Schwert, das er so begehrte. Sein eigentliches Ziel, die Bluttriadenagenten auszuschalten und Lord Nahímana in die Falle zu locken wurden nebensächlich, die Macht dieser Waffe war bedeutsamer. Seine vogelgleichen Flügel breiteten sich schwungvoll aus, mit einem Schlag bewegte er seinen gewaltigen Körper in die Luft. Diese Maden der Bluttriade können ihm nicht entkommen! Energisch machten sich Nísera und Eglís dran den Abstand zwischen ihnen und dem Msytorwyrmlord zu erhöhen. „Wohin?!“ Laut und mit einem kleinen Echo drang Eglís Stimme durch den Wind. Nísera überlegte kurz, sie durfte nicht zu lange nachdenken, jede Sekunde könnte sie das Leben kosten im Angesicht der Macht des Mystors. „Aufs Meer hinaus!“ Rief sie antwortend. Sofort änderten die beiden Drachkins ihre Richtung. Rinathil warf einen sorgenvollen Blick hinter sich, mittlerweile hatte er auf dem Rücken von Nísera Platz gefunden. Die große Hauptstadt der Orks war nun ein überschaubares Bild unter sich, Wolkenfetzen zogen an ihm vorbei. Doch von Alhir fehlte jede Spur, er hat erwartete dass so ein großer Wyrm sie schnell einholen konnte. Als wenn er es heraufbeschworen hätte, mit dem Ende seiner letzten Gedanken brach direkt vor ihnen der Mystor aus den Wolken heraus. Nísera und Eglís brüllten erschrocken auf und zogen sofort rechts um. Knapp entkam der Elf in Drachenform dem schnappenden Maul des Wyrms. Die Blutdrachen stürzten sich in die Tiefe, dicht verfolgt vom Feind. Der Dunkelelf musste die Augen zusammenkneifen und seinen Griff an Níseras Hornplatten festigen, der Wind prallte kraftvoll gegen ihn und versuchte ihn abzuwerfen. Er konnte das große immer näher kommende Meer sehen, sein faszinierendes und angsteinflößendes Dunkelblau. Kurz vor der Wasseroberfläche gingen die Drachen in einen graden Flug über. Die beiden Blutdrachkins spuckten roten Flammen auf die See, sofort entstand eine gewaltige Dampfwolke um sie herum und verschafften ihnen Deckung, hoffentlich. Sie entglitten seinem Blick, tief in dieser großen Wolke aus Dampf hatten sie sich verkrochen, wie feige, typisch Bluttriade. Alhir öffnete sein Maul und spie eine wogende Kugel aus blauem Feuer durch die Wolke. Die beiden Drachkin hatten ihre Deckung grad verlassen, als Rinathil das tödliche Geschoss hinter ihnen sah. Schnell zog er sein Schwert und sprang von dem Drachen, das Feuer hatte sich ihnen bereits gefährlich nahe genährt. Er schlug schnell mit der Klinge danach, wieder glühte es intensiv und mit einer Explosion verpuffte die wahre zerstörerische Macht, dennoch war die daraus resultierende Druckwelle stark genug um Nísera, Eglís und den Dunkelelf ins Meer zu schleudern. Orientierungslos und mit verschwommener Wahrnehmung wirbelte Rinathil durch das wilde Wasser. Er konnte noch leicht erkennen wie der Leviathan Eglís langsam versank oder war es Nísera? Seine Muskeln entspannten sich, ein Teil von ihm wollte einfach weiter sinken, sich keine Gedanken mehr um die Welt machen, keine geheimen Kriege zwischen Drachen, keine untoten Vernichter alles Lebens, einfach diese ganze Welt hinter sich lassen. Doch dann erinnerte er sich an seine Pflicht und an das Versprechen, das er seinem vermummten Meister im Pácischen Drachen gab.
Neben sich spürte er große Bewegung im Wasser, verschwommen sah die roten Schuppen, die an ihm Richtung Oberfläche vorbei zogen. Schnell griff er danach und ließ sich mit nach oben ziehen, er konnte nicht erkennen ob es Nísera und Eglís war, es kam ihm auch so vor als wenn dieser Drache sehr groß war. Alhir ließ seine Magie wirken und wandelte das Wasser unter sich in eine massive Eisscholle. Zufrieden landete er darauf und starrte in die Tiefe hinein. Sobald sie auftauchen würde er sich endlich dieser lästigen Agenten entledigen, wozu Algrev nicht fähig war. Er konnte durch das Wasser hindurch etwas ausmachen, was wohl einer dieser Emporkömmlinge war. Der Mystor lächelte zufrieden vor sich hin, gleich würde sein Opfer auftauchen. Seine Freude verstummte sofort als der Blutdrache aus dem Meer aufstieg, es war keines Wegs einer der beiden, die er verfolgte, dafür war jener viel zu groß! Ein gewaltiger Wyrm stützte sich mit seinen Vorderläufen auf Alhirs Eisscholle. Er schreckte zurück, woher kam dieser verfluchte Wyrm?!
Rinathil blinzelte, um das Wasser aus seinen Augen zu kriegen, vor ihm konnte er den Mystor erkennen, als er seinen Blick nach rechts richtete erkannte er einen Drachen der Bluttriade, aber viel größer als Nísera und Eglís, er war bestimmt sogar etwas größer als Alhir.
Entsetzt starrte er den Neuankömmling an, das versaute seine ganzen schönen Pläne. Eine erhabene Stimme donnerte, sie war zu einem freundlich und sanft und gleichzeitig gebieterisch und stark, es wäre die Stimme eines großen Königs gewesen.
„Es ist jedes Mal aufs Neue befriedigend zu erleben wie naiv und überheblich ihr von der Mystortriade seid! Ihr ward überzeugt unseren Plan durchschaut zu haben, pah! Ihr dachtet unser Vorhaben während der Ausführung durchkreuzen zu können und obendrein mich, Lord Nahímana, vernichten zu können!“
Jetzt dämmerte es Alhir, das vor ihm war wirklich der Wyrmlord auf den sie gewartet hatten und er wusste alles von ihrer „Falle“! Obendrein wurden ihm auch noch falsche Informationen gegeben! Es hieß Lord Nahímanas Macht reiche grad so an seine heran, aber wenn er sich diesen Wyrm ansah, so stimmte das ganz und gar nicht!
„Ich wusste ihr würdet so unüberlegt handeln und euch preis geben, damit liefert euer Komplott mir nicht nur einen Wyrmlord sondern auch noch eure Pläne aus!“
Alhir konnte das nicht fassen, wie konnten seine geschickten Pläne so leicht durchkreuzt werden? Das konnte doch jetzt nicht das Ende sein, das durfte es nicht! Kampflos gibt er nicht auf! Seine Macht ist stark genug, auch um mit Nahímana fertig zu werden! Wütend knurrend ging Alhir in eine aggressive Haltung über, flammen quollen zwischen seinen Zähnen hervor, mit aller Macht entlud er das magische blaue Feuer auf den Wyrmlord der Bluttriade. Rinathil reagierte sofort, er sprang von dem Drachen ab und richtete wieder die Klinge auf die Flammen. Das Szenario aus Orconova wiederholte sich und das Schwert sog die Magie ein. Nahímana verharrte regungslos, wohl war er sich bewusst, dass der Dunkelelf eingreifen würde. Wieder war das Spitzohr von der Aktion geschwächt, doch mit letzter Kraft machte er eine Drehung und schleuderte das Schwert auf Lord Alhir. Der Mystor war drauf und dran eine neue Attacke zu starten, doch ein brennender intensiver Schmerz in seinem Nacken hielt ihn ab. Nahímana nutzte die Situation aus und hielt Alhir mit seiner rechten Klaue fest. Sein Maul schnellte vor und packte den Mystor am Hals, die Zähne bohrten sich tief in das Fleisch. Voller Pein brüllte Alhir auf, mit einem Knacken brach der Hals unter der Kraft des Kiefers, das Brüllen verstummte augenblicklich.
Rinathil hatte sich bereits erholt, er kletterte auf den Leichnam und zog sein Schwert heraus. Mit zitternden Gliedmaßen stieg er von dem frischen Kadaver hinunter. Der Schweiß rann ihm überall am Körper runter, es fühlte sich so widerlich an, jetzt wo wohl alles vorbei war, wollte er nur noch die Panzerung abwerfen und in das Meer vor ihm springen. Hinter dem riesigen Wyrmlord, der immer noch starr vor ihm aus dem Wasser ragte und dessen einzige Bewegung aus dem Heben und Sinken seines Brustkorbs beim Atmen bestand, entstiegen die beiden Drachkin Nísera und Eglís. Mit einem Blick der Überraschung, aber auch der Erleichterung schauten sie zu ihm herauf. „Kommt meine Kinder, wir müssen uns unterhalten.“ Sanft ertönte Nahímanas kräftige Stimme. Ohne Worte schwange sich die beiden in die Lüfte, Nísera flog eine kleine Kurve und sammelte Rinathil ein. Der Wyrmlord sog die klare Meeresluft in sich hinein, beim Ausatmen sprühte er heißen Dampf auf die Eisschole vor ihm, schnell begann sie zu schmelzen und Risse entstanden. Nahímana schlug kraftvoll seine Schwingen, viel schneller als man einer so großen Bestie zugetraut hätte flog er davon. Mit einem Plumpsen vernahm er, dass Alhirs Leiche dem Meer übergeben wurde.
Nísera und Eglís erreichten nach einigen Minuten eine große Felsformation, die wie gewaltige Zähne aus dem Wasser ragten. Die Orks nannten diesen Ort Thun'sar in der Gemeinesprache bedeutete das so viel wie Zähne des Gottes. Auf einem der flacheren Felsen landeten die Drachkins, Rinathil stieg mit einem Sprung ab, die Landung war etwas hart, sein Körper war immer noch von den jüngsten Ereignissen ausgelaugt. Seinen beiden Drachengefährten sah man die Erschöpfung ebenfalls an, in einer nicht ganz so spektakulären Flammenentladung wandelten sich die Agenten wieder in ihre menschliche beziehungsweise elfische Form zurück. Diese schien ihnen irgendwie angenehmer zu sein, vielleicht war es aber auch einfach nicht so kraftraubend. Die Drachenagenten ließen sich zu Boden sinken, der Dunkelelf stützte sich auf sein Schwert, müde sahen sich die Drei an. Nísera schaute erst in Eglís Züge, dann schweifte sie zu Rinathil rüber, für einen Augenblick hätte er meinen können, dass die stolze Nísera kurz etwas beschämt zu Boden blickte. „Danke.“ Entfloh ihr leise. Rinathil grinste etwas. „Aber gern.“
Nach wenigen tiefen Atemzügen kam auch Wyrmlord Nahímana an. Während der Landung hüllte er sich in Flammen und setzte als kräftiger Mensch auf. Eine Kleidung war eine dunkelrote Robe, die Eglís' und Níseras' sehr ähnlich sah, aber sie war an Verzierungen reicher und trug metallische Schulterstücke. Seine Züge waren die eines Mannes im mittleren Alter, der kurze Haarschnitt und der standfeste Blick verlieh dem Mann eine attraktive Ausstrahlung. Demütig sanken seine beiden Agenten auf die Knie. Rinathil senkte respektvoll das Haupt.
„Bitte, steht auf.“
Etwas zögerlich standen sie wieder auf, ihre Beine zitterten vor Anstrengung. Kurz herrschte Stille auf der vom Wind umwehten Felsspitze, Rinathil durchbrach sie. „Ihr schuldet uns wohl ein paar Antworten!“
Eglís und Nísera blickten geschockt zu dem Dunkelelfen hinüber.
Nahímana nickte ruhig. „Ich vermute seit einiger Zeit einen Verräter innerhalb der Triade, deshalb sandte ich euch zwei nach Orconova. Ich wusste, dass die Mystor-Triade bei einem direkten Vorgehen gegen sie reagieren würden und damit bestätigte sich mir, dass jemand sie mit Informationen über uns versorgt.“
„Ihr habt das alles gewusst? Und dennoch habt Ihr uns blind in die Falle laufen lassen?“
„Ich wusste, dass ich mich auf meine beiden besten Agenten verlassen konnte und Níseras Kontakt zu Euch, Rinathil, war ebenfalls sehr hilfreich.“
„Ihr habt Glück, dass wir das alles überlebt haben!“
Nísera packte den Dunkelelfen am Arm. „Genug jetzt Rinathil! So kannst du mit dem Lord nicht reden!“
Er schüttelte ihren Griff ab. „Nicht mein Lord!“
„Ich bedaure eure Leiden während dieser Mission, aber sie waren notwendig.“
„Was jetzt?“ Fragte Eglís vorsichtig.
„Unsere Aufgabe hier ist noch nicht beendet, das Mystornest existiert weiterhin und ihre Triade stellt eine enorme Bedrohung für diese Welt dar! Und jetzt, wo sie einen so harten Treffer erlitten haben, wird ihr Maulwurf sich nervös werden und einen Fehler machen.“
„Schon eine Vermutung, wer es sein könnte?“
„Mehrere, Lord Davunís hält im Blutkinheim seine Augen und Ohren für mich offen und ihr drei sucht weiter nach diesem Nest!“
„Rinathil bleibt also bei uns?“ Nísera schaute missmutig drein, Rinathil lächelte.
„Aber die Mystors sind stark, allein wird das hart.“ Sagte Eglís.
„Ich schicke jeden Agenten den ich entbehren kann und außerdem werden wir ein neues Söldnerprojekt ins Leben rufen.“
Überraschung breitete sich auf den Gesichtern der Anwesenden aus, mit einer Söldnerarmee als Unterstützung haben sie nicht gerechnet, da es der Geheimhaltungsdoktrin der Triade widersprach, ein Zeichen dafür wie gefährlich und wichtig die Aktion wird.
„Wir haben verstanden.“
„Dann ruft eure Jünglinge zurück und begebt euch zum Triadenposten in Ka'peltur, Orconova ist nicht mehr sicher genug.“
Sie nickten alle.
„Ich werde meinen eigenen Vermutungen nach gehen und mich melden.“ Geschwind wandelten sich alle drei wieder in Drachen, Rinathil nahm wieder auf Níseras Rücken platzt. Zusammen stiegen sie eindrucksvoll in die Lüfte und trennten sich kurz danach, Lord Nahímana flog weiter Richtung Norden und Nísera, Eglís und Rinathil gingen nach Süden, zuerst mussten sie Kyra und Kyrus zusammen mit den Jünglingen holen und dann nach Osten, zur Kriegsstadt Ka'peltur.
Ende – Akt I