Eine Weihnachtsgeschichte
Vor langen Jahren hat es sich zugetragen, daß kurz nach der Zeit des Osterfestes zwei Himmelssterne sich einen Platz auf der Erde suchten.
Zwei junge Menschenkinder, die im weiten Norderneyer Dünenland umherirrten, waren ihr Ziel. Genau in dem Moment, als die Wege der beiden sich kreuzten, sanken die Himmelssterne in die Herzen des jungen Mädchens und des Jünglings. Die beiden Sterne - der eine mit grünen, der andere mit braunen Augen - hatte der liebe Gott als untrennbare Zwillinge auf die Reise geschickt, um zwei unschuldige Menschenherzen zu finden, die sie auf himmlische Weise verbinden konnten.
Von diesen beiden Menschenkindern mußte ebenfalls eines grüne und das andere braune Augen haben. So geschah es - und fortan waren die Auserwählten ebenso miteinander verbunden - wie die Sterne am Himmel. Inzwischen bewegte sich die Zeit in der Zeit auf Weihnachten zu. Das Fest, an dem ein Christkind geboren werden sollte. Das Licht der Sternenseelen strahlte so hell, das zwei ältere, schon fast ausgebrannte Sterne neidisch wurden - ihre Energie zusammentaten, und mit gewaltiger Kraftanstrengung die Zwillingssterne auseinander rissen.
Durch diese große Anstrengung waren sie erschöpft und lahm - und zufrieden. Aber allzu große Zufriedenheit trübt den Blick - und so übersahen sie, daß die Zwillingssterne noch an einer Ecke zusammenhingen. Die beiden großen, kälter werdenden Sterne freuten sich darüber, daß die zerrissenen Enden hilflos durch die Weite des Himmels trudelten.
An diesem heiligen Abend wurde kein Christkind geboren - und am nächsten und am übernächsten auch nicht. Vierzig lange Jahre nicht - erst als die großen schwarzen Sterne ihre letzte Wärme und ihre letzte Kraft verloren hatten, fanden die zerrissenen Hälften des Zwillingssterns wieder zueinander. Und wenn in diesem Jahr Weihnachten über die Erde kommt, können die Menschen hoffen, daß ihnen ein Christkind geboren wird.