Beste Freunde - Geschichten und Gedichte
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Beste Freunde

Als ich wach wurde, verspürte ich einen scharfen, stechenden Schmerz im Bein. Ein qualvolles Stöhnen entsprang meinen Lippen. Roter Nebel wabberte vor meinen Augen. Ich blieb ruhig liegen und wartete darauf das sich der Schmerz legte.

Während ich so da lag, versuchte ich zu ergründen was eigentlich geschehen war. Ich weiß noch, das ich am Freitag zu einem Wochenendtrip aufgebrochen war. Ich hatte mit einigen Freunden ein kleines Haus in den Bergen angemietet. Es sollte ein richtiges Männerwochenende werden. Mit viel Bier und Kartenspielen.
Irgendwo auf einer kleinen Straße hier in den Bergen hatte ich eine Panne. Ein Reifen war platt und ich bin zu Fuß weiter gegangen, in der Hoffnung noch vor Anbruch der Dunkelheit beim Haus zu sein.
Irgendwann fing es an zu schneien und ich verlor die Orientierung. Irgendetwas musste passiert sein als ich durch den dunklen, verschneiten Wald irrte.

Der Schmerz war noch da, aber bei weitem nicht mehr so heftig. Vorsichtig versuchte ich meinen Oberkörper aufzurichten. Ganz langsam gelang es mir. Bei jeder schnelleren Bewegung kam der Schmerz zurück. Ich unterdrückte einen Schrei als ich endlich so weit hochgekommen war das ich mein Bein sehen konnte.
“Das war es mit dir”, schoss es mir durch den Kopf. Mir wurde schwindelig und dann senkte sich eine gnädige Ohnmacht wie eine schwarze Decke über mich.

Jemand oder etwas kam. Ich hörte die Schritte im Schnee ganz deutlich. Sollte das meine Rettung sein? Ich riß die Augen auf und sah: Niemanden! Der einzige der noch da war, war der Schmerz. Er lief wie in Wellen durch mein Bein. Keine Rettung in Sicht.

Mittlerweile schien mein Körper zu glühen. Meine Zähne schlugen heftig auf einander. “Ich habe Fieber” schoss es mir durch den Kopf. “Wenn du in der Kälte hier noch lange liegst war es das mit dir!”, drang es in meine Ohren. Scheinbar fantasierte ich schon. Ich war doch hier allein im Wald. Niemand wusste wo ich war. Die Wälder hier waren so riesig. Und bei diesem Wetter würde bestimmt niemand Nachts im Wald umherlaufen.

“Jetzt ist es an der Zeit die Zeche zu zahlen”, dachte ich. Thomas ist da um mich zu holen. Thomas!! Wir waren noch Kinder als es geschah. Beste Freunde seit der ersten Klasse. Wir spielten immer in den Wäldern die sich um unser Heimatdorf schmiegten. Da hatten wir in einer alten Eiche ein prima Baumhaus gebaut. Das war unser Geheimversteck. Niemand wusste davon außer uns beiden.

Als Thomas vom Baum fiel war ich nicht dort und als ich ihn später fand, da musste er schon längere Zeit schwer verletzt dagelegen haben. Ich bin voller Panik nach Hause gerannt und habe mich in meinem Zimmer eingeschlossen. Ich war einfach unfähig jemanden zu erzählen das etwas passiert war.
Die Suchmannschaften brauchten 3 Tage bis sie seinen zerschmetterten Körper fanden. Später hat man mir erzählt das er wohl noch einen ganzen Tag dort gelegen hat bevor er gestorben ist. Allein im dunklen Wald.
Seit fast dreißig Jahren schleppe ich diese Schuld mit mir rum. Oft sehe ich Thomas in meinen Träumen, wie er zerschmettert unter der Eiche liegt, sehe seine weinenden Eltern auf der Beerdigung an seinem Grab stehen.

“Mein Gott Thomas! Es tut mir leid! Ich war doch nur ein dummes Kind!” Eigentlich will ich diese Wörter in den Wald schreien. Aber bis auf ein leises gewimmer kommt nichts aus meinem Mund.

Ich mußte nun schon einige Stunden hier liegen und bevor ich gar nicht mehr reagieren kann, muß ich einfach die Initiative ergreifen. Wieder richte ich mich mühsam auf. Diesmal ging es besser.
Ich blickte auf die Bärenfalle die sich um meinen Knöchel geschlossen hatte. Ich sah sie und gleichzeitig auch nicht. Ich brauchte einige Sekunden um den Anblick zu verarbeiten. Von meinem Fuß konnte ich nicht viel sehen, da dieser mit Schnee bedeckt war. Einzig die stählernden Bögen der Falle ragten aus dem Schnee.
Ich beugte mich vornüber und wischte vorsichtig den Schnee von meinem Fuß. Das sah nicht gut aus. Die rostigen Fangzähne hatten sich tief in das Fleisch gebohrt.
Ich versuchte die Falle auseinander zu drücken. Urplötzlich und mit fürchterlicher Wucht kam der Schmerz zurück. Noch bevor ich aufschreien konnte kam die Ohnmacht.

Thomas war da. Er stand hier in diesem tief verschneiten Wald und sah mich an. Ein Kind von 10 Jahren, in einem grünen T-Shirt und schwarzen, kurzen Hosen. Er sagte nichts. Er sah mich nur ernst an. Dann lächelte er und verschwand.

Ich schreckte hoch wie aus einem schlechten Traum. Mit rasendem Herzen sah ich mich um. Da war Niemand. Nein, natürlich nicht. Wie sollte Thomas auch hier sein.
Vielleicht sollte ich noch mal versuchen die Falle auf zubekommen?!
Mittlerweile war es finsterste Nacht geworden, so das ich die Stelle an der sich mein Fuß befand nicht mehr erkennen konnte. Immerhin hatte es aufgehört zu schneien.
Ich tastete nach der Falle. Durch die Kälte war mein Bein völlig Gefühllos geworden. Auch meine Finger waren taub. So sehr ich mich auch bemühte, das Fangeisen bekam ich auch dieses mal nicht auf.
Ich konnte nur noch darauf warten, das der Tod mich holte. “Bist du bereit dafür?” Wieder wisperte die Stimme in meinen Ohren. Es war die Stimme von Thomas. “Bist du bereit mit mir zu kommen?”
“Nein!” Diesmal schrie ich in die Dunkelheit. Minutenlang aus voller Kehle. “Nein ich will nicht sterben!” Ich hatte doch noch so viel vor, so viele unerledigte Dinge. Dinge die ich jetzt wohl niemals würde tun können.
Ich sank zurück, schloss die Augen und wartete auf ihn. Auf meinen Freund Thomas, der mich holen kommen würde.
Da war er. Ich hörte knirschende Schritte im Schnee. Ich spürte wie jemand an mir zerrte. Schmerzen schossen wieder durch mein Bein.
Dann war nur noch Dunkelheit.

War so der Tod? Die Dunkelheit und die Kälte waren verschwunden. Hinter meinen geschlossenen Lidern nahm ich eine intensive Helligkeit war. Es war warm und ich lag weich gebettet.
Ich öffnete die Augen. Sie waren alle da: Meine Familie und Freunde. Nur Thomas sah ich nicht. “Seit ihr auch Tod?” fragte ich mit einer Stimme die nicht mir zu gehören schien. Ermattet schloss ich die Augen und schlief ein.

Als ich das Krankenhaus drei Monate später verlassen durfte war ich ein anderer Mensch. Durch die schwere Verletzung und die Frostschäden war mein Bein leider nicht mehr zu retten gewesen. Aber ich lebte. Das war alles was zählte.
Ich habe die letzten Wochen viel an Thomas gedacht. War er es doch, der mein Leben gerettet hatte. Ich lag nur wenige hundert Meter von dem Haus und meinen Freunden entfernt, und hätte er mich nicht zum schreien animiert, man hätte mich wohl nicht mehr lebend gefunden.
Viele sagen, das es eine Fieberphantasie gewesen wäre. Ich allerdings weiß es besser.

Er war bei mir. Und er hat mir meinen Fehler verziehen.
Beste Freunde, bis über den Tod hinaus.

 

31 Wertung(en)    Schlecht »« Super  

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Kommentar von: Gisela 2010-10-20 17:00
Fantasievolle Geschichte, aber ein bisschen unwahrsacheinli ch. Wer lässt einen verletzten oder toten Freund einfach liegen und sagt niemand was?
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Kommentar von: Pedro 2010-10-21 03:25
Gute Schreibidee. Wenn du die Geschichte etwas kürzen würdest, wäre sie noch spannender, glaube ich.
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Kommentar von: Stefania 2012-03-24 10:26
Ich finde diese Geschichte gut weil sie zeigt das man Fehler verzeiht & das Freundschaft auch über den Tod hinaus geht
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Kommentar von: Meli 2013-02-15 17:07
:roll: Sehr schöne geschichte!Nur ein bisschen lang aber das ist in ordnung ich habe sogar ein wenig geweint weil sie mich an meine beste freundin erinnert ha :cry:
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Kommentar von: tamara 2013-08-10 12:50
Die geschichte war volle cool,spannend und vor allem :D gruselig weiter so
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Kommentar von: rachel 2013-08-27 15:03
Ich fand die Geschichte traurig aber auch schön. Ich hätte nie gedacht das man einem Menschen so was verzeihen könnte. Aber gute Idee ;-)
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Kommentar von: Susie haller 2013-10-26 11:10
:cry: :cry: :cry: :cry: :cry: :cry: :cry: :cry: :cry: :cry: :cry: :cry: :cry: :cry: :cry: :cry: :cry: :cry: :cry: :cry: :cry: :cry: :cry: aber super!!!
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