Schloss der Puppen - Geschichten und Gedichte
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Schloss der Puppen

Noah Willson, ein junger Schriftsteller auf der Suche nach Inspirationen, ist absolut nicht abergläubisch. Deshalb findet er die Gerüchte über den 'Fluch' der auf dem so genannten 'Schloss der Puppen' und insbesondere auf den Marionetten in seinem Inneren, liegen soll, eher belustigend als beunruhigend, doch als sich einige sonderbare Geschehnisse ereignen, beginnt er an seiner Meinung zu zweifeln.

Als Noah Willson aus seinem Oldtimer stieg und den ersten Blick auf die düstere Villa warf, war er mehr als begeistert. Der junge Autor hatte ewig gebraucht, ein passendes Anwesen zu finden, welches ihm als Inspiration für seinen neusten Roman dienen sollte. Aber die lange Suche hatte sich gelohnt, die Pellicano-Villa oder das 'Schloss der Puppen', wie es von den anderen Bewohnern der Gegend gefürchtet genannt wurde, passte mehr als perfekt. Es sah regelrecht aus, als sei es Noah's Vision entsprungen. Die aschgrauen Steinmauern und die eisige Atmosphäre, dazu die steile Klippe, an der das alte Gemäuer lag. Wenn man aus den nach Osten gerichteten Fenstern der Villa sah, blickte man über das stahlgraue Meer mit dessen Wellen, die sich im heftigen Wind aufbäumten, wie verängstigte Pferde und sich an den Felsen brachen. Dazu kamen die Gerüchte, die sich um das Anwesen und vor allem um die Marionetten, die in ihm hausten, rankten und das Gebäude in einen undurchsichtigen Nebel hüllten, der die Illusion einer real existierenden Bedrohung verfestigte. Noah selbst, hielt nichts von diesen Gerüchten, oder von den Leuten, die ihnen ihren Glauben schenkten. Er war schon immer ein Realist gewesen und das würde er nicht ändern, nur weil er jetzt ein paar Tage in einer alten Villa verbringen würde.
Für heute hatte er ein Treffen mit der Hausbesitzerin vereinbart und hoffte drauf, vielleicht schon heute Abend vorübergehend in die Villa einziehen zu können. Mrs. Pellicano war eine ältere, sehr freundliche, aber auch ein bisschen abergläubische Dame, die schon seit einiger Zeit nicht mehr in der großen Villa lebte. Als Noah auf sie zugekommen war, wegen der Villa, hatte sie erst etwas nervös und abweisend reagiert, doch dank der charmanten Art der Schriftstellers, hatte sie sich auf seine Idee eingelassen. Sie hatten vereinbart, sich heute vor der Villa zu treffen. Mrs. Pellicano war bereits da und stand vor der Eingangstür des Hauses. Noah hob die Hand und lief rasch durch den Nieselregen zu Mrs. Pellicano herüber. Er schüttelte ihre Hand zur Begrüßung und lächelte. „Guten Tag, Mr. Willson.", sagte die alte Dame und lächelte ihrerseits. „Guten Tag, Ma'am.", antwortete Noah und sah dann vielsagend an dem Gebäude hoch. „Was im Internet stand, war wirklich keineswegs übertrieben. Die Villa ist mehr als beeindruckend. Wollen wir nicht eintreten?" Mrs. Pellicano sah ihn nervös an, trat auf der Stelle hin und her und schüttelte dann den Kopf. „Ich würde mich lieber hier mit Ihnen unterhalten. Ich... ich betrete die Villa nicht mehr, wissen Sie." Noah legte den Kopf schief. „Weswegen. Doch nicht der Gerüchte wegen? Aber das ist Ihr Haus, ich war der Meinung, wenigstens Sie würden diese Gerüchte für albern halten." Mrs. Pellicano schüttelte erneut den Kopf. „Ich glaube Sie verstehen nicht. Die über die Marionetten und der Fluch mit dem sie belegt sein sollen... nun, ich vermute sie stimmen." Noah sah sie fragend an. „Sie... vermuten?" „Ich wollte zunächst auch nicht daran glauben, aber es sind einige Dinge geschehen, die nicht mehr zu ignorieren sind. Die Marionetten, sie sind keine gewöhnlich Holzpuppen. Sie sind böse und ich fürchte um ihr Leben, Mr. Willson." Noah legte den Kopf erneut schief und zog eine Augenbraue hoch, doch dann lächelte er seine 'Vermieterin' gelassen an. „Dazu gibt es keinerlei Grund. Hören Sie, Ich glaube weder an Flüche, noch an irgendwelche bösartigen Kinderspielzeuge, die mir nach dem Leben trachten. Ich kann Ihnen versichern, dass ich, wenn ich in ein paar Wochen mein Buch fertig gestellt habe, vollkommen wohlauf und in bester Verfassung abreisen werde.", sagte er und war absolut überzeugt von seinen Worten. Mrs. Pellicano sah ihn besorgt an, diskutierte aber nicht weiter mit ihm. Ihr war klar, dass sie den jungen Mann nicht von seiner Entscheidung würde abbringen können, also händigte sie ihm widerwillig den großen Messingschlüssel für das alte Schloss der Villa aus und verabschiedete sich knapp.
Noah war zwar etwas überrascht über das eilige Verschwinden der Dame, doch es irritierte oder gar beunruhigte ihn nicht im Geringsten. Er konnte sich die Villa und die 'besessenen Marionetten' schließlich auch allein ansehen.
Er betrat das Haus und hielt erstaunt und begeistert den Atem an. Die Villa war von innen nicht weniger imposant wie von außen. Der Boden der Eingangshalle war aus großen, verschieden farbigen Fliesen, die zusammen ein Labyrinth-ähnliches Muster ergaben, die Decke war hoch und in der Mitte hing ein gigantischer Kronleuchter aus Kristallglas. Es gab zwei Türen, die je nach links und rechts führten und nach vorne hin, zwei geschwungene Mahagoni-Treppen, die sich in der Mitte trafen und in den ersten Stock führten. Noah beschloss, das Haus von unten nach oben zu erkunden und ging zunächst nach rechts.
Hinter der Tür lag ein breiter Flur, auf dessen Boden sich ein roter Teppich entlang zog. Auf der gesamten rechten Seite des Flures lag eine große Bibliothek. Noah erlaubte sich, einige der Werke anzusehen. Alles was literarisch auch nur ansatzweise wertvoll war, war hier zusammen getragen worden und Noah hätte Stunden und Tage an diesem Ort verbringen können, doch viel mehr als der Lockruf der Bücher, reizte ihn die Neugier das restliche Haus zu erkunden.
Auf der anderen Seite des Flures befand sich eine Art Spielzimmer, mit einem Billardtisch und einer Bartheke. Auf dem grünen Filz des Billardtisches lagen sogar die Kugeln bereit, so als würde jeden Moment der Hausbesitzer eintreten um mit seinen Gästen eine Partie zu spielen. Ebenfalls befand sich auf der linken Seite ein wunderschön eingerichtetes Musikzimmer. In verschiedenen Ecken des Raumes standen die verschiedensten Instrumente, allesamt unglaublich wertvoll. Fantastische Instrumente, aber das schönste was der schwarze Flügel, der in der Mitte des Raumes stand und Noah quasi zu sich rief. Der Schriftsteller ging zu dem Flügel hinüber, und setzte sich auf den mit Samt überzogenen Klavierhocker. Vorsichtig klappte Noah den Flügel auf und strich mit dem Finger über die Tasten. Dann drückte er einige davon herunter und spielte eines seiner Lieblingsstücke. Das Klavier hatte einen unglaublich schönen Klang und die Töne zauberten Noah ein Lächeln aufs Gesicht. An diesem Haus gab es nichts Bedrohliches oder gar Verfluchtes. Es war lediglich eine unfassbar schöne, alter Villa, in der sich wahre Schätze verbargen.
Am Ende des Flures hing ein Gemälde von Meister Pellicano, dem Mann, der diese Villa hatte erbauen lassen. Er war ein begnadeter Marionettenspieler gewesen, so hatte Noah gehört. Er selbst verstand nicht viel von dieser Form der Kunst und sie interessierte ihn auch nicht sonderlich. Er widmete sich lieber vollkommen der Literatur, doch Pellicano war ein Meister seines Faches gewesen und dafür hatte Noah immer Bewunderung übrig. Viel mehr als sein Puppenspiel interessierten den Schriftsteller jedoch die sonderbaren und bis heute ungeklärten Umstände seines Todes.
Pellicano war vielleicht Mitte Vierzig, als er plötzlich verstarb. Er erfreute sich bester Gesundheit und hatte auch keine Feinde, jedenfalls berichteten das die Quellen die Noah studiert hatte. Doch in einer verregneten Halloween-Nacht war ihm wohl etwas zugestoßen. Man fand ihn im Puppenzimmer, die Marionetten lagen in einem Kreis um ihn herum. Die Todesursache war, nun ja, es war Gift. Pellicano hatte sich das Leben genommen. Das an sich war nicht das Seltsame, denn auch wenn es schrecklich ist, so begehen doch relativ häufig irgendwelche Menschen Selbstmord. Das wahrhaft verwunderliche war, das Pellicano nicht den leisesten Grund hatte, sich das Leben zu nehmen. Er wolle mit seiner Verlobten umziehen und eine Familie gründen, er hatte geplant, die Marionetten und die Villa zu verkaufen, doch daraus wurde wohl nichts. Es war fast so, als hätten die Marionetten die Pläne ihres Meisters vereitelt. Die Ängste der Dorfbewohner hatte dieser Zwischenfall natürlicher ins Unermessliche geschürt.
Noah fand die Idee der Marionetten, die ihren Meister nicht gehen lassen wollten mehr als unsinnig und hatte sie sogar schon häufig als lächerlich betitelt, dennoch diente dieser sonderbare Todesfall und die Gerüchte ihm als wunderbare Vorlage für eine Gruselgeschichte.

Schließlich riss sich Noah von den Gemälden los und kehrte um. Er ging quer durch die große Eingangshalle und öffnete die zweite, die linke Tür. Nun stand er in einer Küche, die zwar schon einige Tage alt sein müsste und dennoch aussah, als könnte man sie sofort in Betrieb nehmen. Die Küche war groß genug, als das ein ganzes Heer an Köchen hier arbeiten könnte, ohne sich in die Quere zu kommen, obwohl die Familie Pellicano nie sonderlich viele Angestellte beschäftigt hatte. Von der Küche aus führte eine Tür zu einer Vorratskammern, in der sich sogar einige Speisen befanden. Mrs. Pellicano musste sich für Noahs Kommen darum gekümmert haben. Außerdem kam man von der Küche aus in den Weinkeller der Villa. Diesen erkundete Noah allerdings nicht, denn erstens war er kein sonderlicher Weinfreund und zweitens traute er der alten Holztreppe nicht und ein Krankenhaus-Zimmer würde ihm wohl kaum die nötige Inspiration liefern.
Als nächstes wollte sich Noah den ersten Stock ansehen. Über der Eingangshalle führte ein Flur wie eine Art Galerie entlang. Noah musste schmunzeln, als er sich über das Geländer beugte und von oben in die Eingangshalle herunter blickte. Wie man sich mit der Zeit doch verändert, dachte er. Früher hätte er mit seinen Freunden eine riesige Party hier gefeiert, nun bewunderte er die künstlerischen Schätze, die dieses Gebäude zu bieten hatte.
An den rechten Teil des U-förmigen Flures grenzten ein Gästezimmer, in dem Noah auch sogleich seine Koffer ablegte, und ein Gästebad. Beides war sehr geschmackvoll und elegant eingerichtet und das Bett stand direkt neben einem der Fenster, von dem aus man das Meer sehen konnte.
Auf der anderen Seite lag ein Arbeitszimmer, mit einem großen und zwei etwas kleineren Ledersesseln, die sich gegenüber an einen dunklen Holzschreibtisch standen. Auch hier fanden sich etliche Bücher und auch von hier aus, konnte man das Meer sehen. Noah ließ es sich nicht nehmen, sich auf den größten der drei Ledersessel fallen zu lassen, die Ellenbogen auf den Schreibtisch zu stützen und die Hände zu falten, so dass er aussah, wie ein Gangsterboss. Er überlegte, was wohl seine Freundin sagen würde, wenn sie ihn jetzt sehen könnte und kam zu dem Schluss, sie würde ihn zurechtweisen, er solle sich doch nicht so kindisch verhalten. Tatsächlich stimmte Noah der imaginären Reaktion seiner Freundin zu und stand auf. Es gab ja schließlich noch zwei weitere Stockwerke zu erkunden.
Er machte sich also auf den Weg in den zweiten Stock. Wieder stand er auf einem Flur mit drei Türen und Treppen, die von beiden Enden abgingen. Die Tür ganz Links führte in ein prachtvolles Schlafzimmer. Es war komplett mit Möbeln aus feinstem Mahagoni eingerichtet, die im Kontrast zu der ansonsten sehr hellen Einrichtung wie den cremefarbenen Vorhängen und Wänden besonders auffielen und dem Zimmer ein edles Flair verliehen. Nebenan war ein Bad, größer als das im ersten Stock und viel kunstvoller. Die Decke wurde von einem feinen Stuck gezierte und auch ansonsten war alles mit geschwungenen Linien geschmückt. Hier und da standen Kerzen oder Rosen und Noah konnte sich bildlich vorstellen, dass die unnatürlich große Badewanne schon so manchen weiblichen Bewohner zu einem Schaumbad verführt hatte.
Doch das absolut Beste an diesem Stockwerk war das Zimmer, das ganz rechts lag. Ein Kinderzimmer, wie man es sich früher vorgestellt hat, mit einem hölzernen Schaukelpferd und einer Puppe mit Porzellankopf und einem kleinen Bett. Ein Sessel stand vor dem Fenster, mit einem gestickten Kissen darauf und einem Märchenbuch auf dem Tischchen daneben. Es war wohl ein Mädchenzimmer und dazu noch ein unglaublich niedliches. Noah hatte auf einmal das Bedürfnis, ein kleines Mädchen in seine Geschichte einzubauen, verwarf diesen Gedanken allerdings wieder. Das hätte einfach nicht gepasst... Trotzdem fühlte der Schriftsteller sich hier sehr wohl und war er sich ziemlich sicher, dass er hier sehr gut schreiben könnte.
Trotzdem musste er sich losreißen, schließlich wollte er noch wissen, was sich in dem obersten Stockwerke befand, auch wenn eigentlich nur noch eine Möglichkeit offen war und diese Vorahnung bewahrheitete sich auch. Wenig später stand Noah am oberen Ende der Treppe und blicke in einen großen, ziemlich leeren Raum. In der Mitte des Raumes stand gar nichts, lediglich an den Wänden gab es etwas zu sehen. Zwischen den zwei Treppen, die beide hier hinauf führten hingen mehrere Gemälde von den ehemaligen Hausbesitzern mit den Marionetten. Auf der anderen Seite des Raumes war ein Panoramafenster mit Blick auf das Meer, wie die meisten größeren Fenster im Haus. Doch das eigentlich Sehenswerte im Raum waren weder die handwerklich einwandfreien Bilder, noch die fantastische Aussicht. Das eigentlich Sehenswerte waren die zwölf Marionetten die an der Wand hingen. Keine von ihnen hatte auch den Ansatz einer Ähnlichkeit mit den lustigen Figuren aus dem Puppentheater. Diese Figuren erinnerten eher an massiv gewordene Albträume als an Pinnokio und Kasperle. Sie waren nicht direkt angsteinflößend, dennoch fühlte Noah sich nicht gerade wohl in ihrer Nähe. Sie sahen einfach irgendwie böse aus und jedes Kind hätte sofort die Flucht ergriffen. Auch Noah hatte kurz den Impuls abzuhauen, doch er schüttelte den Kopf und wunderte sich selbst über dieses lachhafte und unreife Verhalten. Es waren ja nur Marionetten, keine Gefahr ging von ihnen aus und sie waren handwerklich wirkliche Meisterleistungen.
Noah sah sich alle an und bewunderte die fantastisch gearbeiteten Gesichtszüge, doch dann beschloss er, lieber wieder herunter zu gehen. Als er die Treppe herunter stieg, schien es ihm, als würden die Blicke der Marionetten an ihm haften, doch er drehte sich schon aus Prinzip nicht um.

Noah hatte sich sofort nach seiner Erkundungstour an seinen Laptop gesetzt um das Gesehen in der Geschichte verarbeitet. Nach einer Weile bemerkte er jedoch, dass sein Magen begonnen hatte zu knurren. Er warf einen Blick auf die Uhr und musste erkennen, dass es bereits nach 11 war, doch auch wenn er kurz hin und her überlegte beschloss er, sich etwas zu Essen zu machen. Er stapfte also in seine graue Jogginghose und dem alten, viel zu weiten T-Shirt, er hatte sich mittlerweile seine Schlafsachen angezogen, die Treppe hinunter und in die Küche. Er lies die feinen Lebensmittel die in der Vorratskammern warteten außer Acht und wollte sich gerade ein Sandwich machen, da hörte er ein zartes Geräusch, wie eine einzelne auf einem Klavier gespielte Note. Er trat irritiert aus der Küche und ging durch die Eingangshalle in den gegenüberliegenden Flur. Nun war aus dem Geräusch eine Melodie geworden, keine die er kannte, aber sie erinnerte an ein Schlaflied. Er drückte die Türklinke der Musikzimmers herunter und die Melodie verstummte in dem Augenblick, in dem er den Raum betrat.
Noah sah sich irritiert um, doch es war niemand da, der auf dem Klavier spielen könnten. Der Schriftsteller war sich eigentlich sicher, dass er sich die sanfte Melodie nicht eingebildet hatte, doch das war die einzige plausible Erklärung für jemanden der bei klarem Verstand war und dementsprechend nicht an den Fluch, der auf dem Haus und den Puppen lastete, glaubte.
Er schüttelte den Kopf und verließ den Raum wieder. Nachdem er sich doch noch ein Sandwich gemacht und damit seinen Magen zum Schweigen gebracht hat ging er wieder auf sein Zimmer. Das helle Leuchten seines Handy Displays, das ihn empfing erinnerte ihn, dass er etwas vergessen hatte, das ihn in große Schwierigkeiten bringen könnte. Er blickte auf die Uhr, 23:18. Aber egal. Noah griff zum Handy und wählte die Nummer seiner Freundin.
„Hallo?", hörte er sie müde fragen. „Hey, Charly.", antwortete er vorsichtig.
„Spar dir dein 'Charly'.", zischte sie
„Du bist sauer, okay. Kann ich verstehen. Tut mir leid."
„Es tut dir Leid. Na, das ist ja wirklich schön. Du wolltest dich eigentlich melden, wenn du da bist, oder hab ich da was verwechselt?"
„Nein, aber... Ich musste dieses Haus einfach ansehen. Es ist unglaublich!"
Charlotte seufzte. „Dann erzähl mal."
„Nicht mehr sauer?"
„Nein. Jetzt erzähl! Komm schon, ich bin neugierig."
„Das Haus ist fantastisch. Es ist ziemlich groß und das es echt alt ist wussten wir ja schon. Das Musikzimmer und die Bibliothek sind meiner Meinung nach das Beste hier und dir würden das Bad und das Kinderzimmer besonders gut gefallen..."
„Jaja.", unterbrach Charlotte ihren Freund. „Was ist denn mit den Marionetten?"
Noah lachte in sich hinein. „Sie haben mich angegriffen, sie sind tatsächlich verflucht. Hilf mir, sie wollen mich umbringen, Aaaah!"
„Hör auf, Noah! Das ist nicht lustig!"
„Doch ist es, Charly. Das sind nur Holzpuppen, und keine Reinkarnationen von Chucky. Ich melde mich morgen wieder, ja. Ich will noch etwas weiter schreiben und du solltest jetzt auch schlafen."
„Okay. Mach aber nicht mehr so lang und wehe du meldest dich morgen nicht, bevor ich einschlafe!"
„Versprochen. Bis morgen."
„Schlaf gut, Schatz."
Noah warf das Telefon aufs Bett und setzte sich wieder vor seinen PC. Er wollte eigentlich nur noch den Absatz fertig schreiben, doch die Geschichte und die Atmosphäre des Hauses fesselten ihn an den Bildschirm und als er seinen Laptop endlich herunter fuhr, war es bereits nach drei Uhr. Er legte sich in das Gästebett. Gähnend blickte er aus dem Fenster auf das mittlerweile schwarze Meer hinaus und ehe er sich versah, hatte ihn das Geräusch der Wellen, die an den Felsen zerschellten eingeschläfert.

Am nächsten Morgen wurde Noah von dem prasselnden Regen, der gegen das Fenster klatschte geweckt. Er widerstand dem Drang, sich noch einmal umzudrehen und stand umständlich aus dem Bett auf. Langsam suchte er sich etwas zum Anziehen heraus und hing seinen Gedanken hinterher. Als er sich geduscht und umgezogen hatte, war er schon etwas wacher. Er ging nach unten um sich Frühstück zu machen und danach das Musikzimmer nochmal unter die Lupe zu nehmen. Er würde weder akzeptieren, dass der Zwischenfall etwas mit übernatürlichen Mächten zu tun hatte noch wollte er daran glauben, dass er es sich nur eingebildet hatte.
Nachdem er eilig ein Käsebrot verdrückt hatte sah er sich den Flügel und den Rest des Musikzimmers noch einmal sehr genau an, doch es gab nichts darin, dass das Geschehene hätte erklären können. Das Fenster war geschlossen und es gab auch sonst keinerlei Anzeichen, dass jemand außer ihm hier gewesen war. Noah wollte gerade wieder gehen, da fiel sein Blick unter den Flügel und auf einen winzigen Gegenstand. Er bückte sich und zog den kleinen, lackierten Holzsplitter hervor. Noah glaubte nicht, was er da in den Händen hielt. Er kämpfte gegen die Erkenntnis an, die sich langsam heran bahnte, doch es war nicht zu leugnen. Dieser Splitter gehörte mit ziemlicher Sicherheit zu einer der Marionetten. Noah rannte los ins oberste Stockwerk. Er wusste selbst nicht so recht was er zu finden glaubte, vielleicht etwas, das seinen Verdacht, wie sicher er auch war, widerlegen konnte. Doch leider taten ihm die hölzernen Gesellen diesen Gefallen nicht, denn als er oben ankam, stach es ihm sofort ins Auge. Am Arm der Figur des Ritters fehlte ein Stück Holz. Noah wollte gerade überprüfen, ob der Splitter passen würde, da fiel ihm auf, dass er ihn hatte fallen lassen, als er wie ein Irrer die Treppen hinauf gesprintet war. Er fluchte innerlich, aber es half ja nichts. Er lief also die Treppen wieder herunter und ins Musikzimmer, doch als er doch ankam, blieb er entsetzt stehen. Dort, wo der Splitter auf dem Fußboden hätte liegen müssen, war nichts. Gar nichts. Noah suchte das gesamte Zimmer ab, doch der Splitter war verschwunden.
Verwirrt und etwas beunruhigt ging Noah wieder nach oben in sein Zimmer. Er setzte sich vor den PC und öffnete die Datei mit seiner Geschichte, da erwartete ihn der nächste Schock. Das letzte Kapitel, das er geschrieben hatte, es war das Kapitel, in dem die Hauptfigur das erste Mal in Kontakt mit den dämonischen Mächten kam. Es war weg. Komplett gelöscht und durch einen einzelnen fett und kursiv gedruckten Satz ersetzt worden.

Guai a voi, voi che hanno attirato l'ira del fantasma di te
Wehe dir, der du den Zorn der Geister auf dich gezogen hast, übersetzte Noah still. Eine eigentümliche Wortwahl, nicht gerade sehr modern. Aber die Ausdrucksweise dieses Satzes war eindeutig nicht das, über was Noah sich Gedanken machen sollte. Wie war dieses Satz auf seinen PC gekommen, was hatte es mit dem nächtlichen Klavierstück auf sich, was sollte noch alles passieren und wer zum Teufel wollte ihn so dringend los werden?
Noah begriff gar nichts mehr und das war die einzige Tatsache, die ihn im Moment ernsthaft beunruhigte. Er war ein Mensch, der sich immer auf seinen klaren Verstand verlassen konnte und nun steckte er in einer Situation, in der er völlig der Willkür jemand Anderes ausgesetzt war und ihm seine geliebte Logik nicht mehr half. Er wusste nicht, wie er sich verhalten sollte und beschloss, erst einmal einen kühlen Kopf zu bewahren, abzuwarten. Er schreibt das verloren Kapitel also neu und vertiefte sich in seine Arbeit, das beruhigte ihn ein wenig. Als er das gelöschte und zwei weitere Kapitel niedergeschrieben und eine Sicherheits-Kopie angefertigt hatte, nur für den Fall, klappte er seinen Laptop zu und legte sich aufs Bett. Ruhig ließ er alle Ereignisse noch einmal Revue passieren und kam auch zu einem Schluss. Er hatte keine Ahnung, was hier abging. Keine neue und erst recht keine zufriedenstellende Erkenntnis, aber seine Einzige im Moment. Es war KEIN Fluch, so viel war sicher, außer Mrs. Pellicano und seiner Freundin wusste keiner, dass er hier war also konnte ihn auch keiner hier raus haben wollen und ihm fiel auf die Schnelle auch kein Naturphänomen ein, das etwas Derartiges bewirken konnte. Auch wenn Noah Letzteres nicht überprüfen konnte, denn seit heute Nachmittag funktionierte das Internet nicht mehr.
Über das erfolglose Nachdenken hinweg, schlief Noah ein und als er am frühen Abend wieder aufwachte, war er entsprechend wenig müde. Die Ahnungslosigkeit über die Dinge die vor sich gingen deprimierte ihn und er beschloss, sich heute keine Gedanken mehr darüber zu machen. Er redete sich ein, alles würde sich von selbst klären und als er auf sein Handy sah um zu schauen, wie spät es war fiel ihm auf, dass etwas Anderes ihm ebenfalls Probleme machen könnte. Charlotte hatte versucht, ihn zu erreichen. Sofort saß er aufrecht im Bett und wählte ihre Nummer, doch als der Anruf fehlschlug musste er leider erkennen, dass er absolut kein Netz hatte. Was soll das denn? Ich hatte doch die ganze Zeit über auch Netz!, beschwerte er sich innerlich, als er mit dem Handy in der Hand durch das ganze Haus lief und Netz suchte, auch wenn er eigentlich keine Hoffnung hatte. Es war ja schließlich nicht so, als wäre die letzten Stunden alles so gelaufen, wie er es wollte.
Er lief hoch und runter und wieder hoch und wieder runter, bis er irgendwann in der Bibliothek stand. Er hielt sein Handy hoch in die Luft und schwenkte es in alle Richtungen, da rutschte er plötzlich aus und fiel hin. Als er dann zwangsläufig auf den Boden sah, wurde er kreidebleich. Die Fliesen, seine Hose und alles in seiner Nähe waren rot. Blutrot. Eine der gesamte Boden um ihn herum waren vollkommen blutverschmiert. Er sah an sich herunter, doch er sah und spürte keine Wunde, dass Blut war also nicht von ihm. Ist ja auch eine alberne Idee, ich bin schließlich nur hingefallen, beziehungsweise auf diesem Blut ausgerutscht, dachte er sich und spielte sich dabei selbst vor, genervt zu sein, obwohl er am liebsten geschrien, geweint und weggerannt wäre. Er glaubte nicht an Flüche, aber langsam bekam er das beängstigende Gefühl, dass eine reale Bedrohung existierte und das konnte er definitiv nicht als lächerlich abtun.
Noah versuchte trotzdem, einen kühlen Kopf zu bewahren, denn das war die einzige Rettungsinsel, die er noch hatte und wenn die ihm auch noch unter den Händen wegbrach, dann war er völlig verloren. Er rappelte sich also auf und erkannte, dass es nicht einfach eine Blutlache war, sondern eine Spur, der Noah nun mit zitternden Knien folgte. Die Blutspur zog sich durch die gesamte Bibliothek bis in die hinterste Ecke. Was Noah dort fand, verschlug ihm die Sprache.
In blutigen Buchstaben war eine Botschaft auf den weißgefliesten Boden der Bibliothek geschmiert.
Wieder in Italienisch.

Intruso che non vuole che tu vada. Pentitevi e pagare
Eindringling, der du nicht gehen willst. Bereue und bezahle. Doch die Nachricht war es nicht, die Noah so verstörte, sondern das kleine Foto, das in der blutigen Schrift lag. Er hob es auch und sah mit ängstlichem Blick auf das lächelnde Gesicht seiner Freundin. Er fiel auf die Knie und starrte entgeistert auf das Foto. Warum Charlotte? Worum geht es hier? Hat sie damit zu tun? Ihr darf einfach nichts passieren, nein, nein, nein!!! Noah hatte angefangen zu weinen. Die Tränen liefen ihm in Bächen übers. Gesicht und er tadelte sich selbst wegen seiner Schwäche. Immer wieder wischte er mit dem Handrücken seine Tränen ab, doch es half nichts. Immer wieder liefen neue nach und irgendwann gab er es auf. Als er sich nach einer gefühlten Ewigkeit wieder etwas beruhigt hatte und er die Hände von seinem nassen Gesicht nahm, war die blutige Schrift immer noch da. Genau so, wie das Foto und alles andere. Völlig egal, wie sehr Noah sich gewünscht hatte, dass alles verschwinden würde, dass das alles nicht real war, doch leider war dieser Wunsch nicht in Erfüllung gegangen.
Als er nach einer Weile endlich die Kraft fand, aufzustehen und in sein Zimmer schwankte, trennte ihn nur noch wenig von der blanken Hysterie. Er warf alle Sachen in seinen Koffer, wie in Trance. Keine Sekunde wollte er länger in diesem Haus verbringen. Er wollte, nein, er musste hier weg, raus aus diesem Gebäude und zu Charlotte, nur zu Charlotte. Als er alles zusammengepackt hatte, rannte er, so schnell es mit dem Koffer ging die Treppe herunter, wollte mit einem Ruck die Tür auf ziehen und... nichts. Noah zog nochmal kräftig an der Tür, doch sie blieb verschlossen. Noah stellte den Koffer ab und zog mit all seiner Kraft an der Tür, doch sie bewegte sich kein Stück. Immer wieder zog Noah an der Tür, musste sich aber irgendwann eingestehen, dass sie nicht aufgehen würde. Auf einmal überfiel ihn eine bleierne Müdigkeit, die ihn in eine tiefe Dunkelheit zog. Die Situation schien aussichtslos. Noah war mit einem Mal klar, dass er nicht hier rauskommen würde und was das in letzter Konsequenz bedeuten würde. Vielleicht ist dieses Haus ja doch verflucht, dachte Noah zynisch und schüttelte den Kopf.
Er ließ seinen Koffer einfach in der Eingangshalle stehen und stieg die Treppen hinauf, bis in den zweiten Stock. Er wollte ins Kinderzimmer, nach dem Motto, wenn ich schon sterbe, dann wenigstens am schönsten Ort des Hauses. Doch als er die Tür aufdrückte, erwartete ihn schon der nächste Schock. Auf dem kleinen Kinderbett saß ein Mädchen, vielleicht neun, und verbarg ihr Gesicht an den angezogenen Knien. Noah hörte sie leise schluchzen. Als er einen Schritt in das Zimmer machte, sah sie erschrocken auf. Die Augen rot, das Gesicht blass. „Hilf mir.", flüsterte sie. Noah ging langsam auf sie zu. Bis jetzt war alles was hier geschehen war so schrecklich gewesen, das kleine Mädchen stand im krassen Kontrast dazu. Sie wirkte so zart, so zerbrechlich und Noah wollte ihr helfen. Er kniete sich neben das Bett und legte der Kleinen eine Hand auf die Schulter. „Was ist los?", fragte er sie mit sanfter Stimme. „Sie werden mich töten. Sie werden dich töten. Sie werden, jeden töten, der dieses Haus betritt!", weinte sie hysterisch, sprang auf und zog an Noahs Hand. „Wir müssen hier weg!", schrie sie und zog ihn durch das halbe Haus. Gemeinsam versuchten sie, irgendeinen Ausweg zu finden, doch nichts, kein Fenster, keine Tür, gar nichts öffnete sich. Als letztes versuchten sie es an einer kleinen Tür unten im Keller. Als auch diese einfach nicht aufgehen wollte, sackte das Mädchen erneut zusammen. Sie kauerte sich an die Tür und weinte. „Hilf mir.", sagte sie erst ganz leise und wurde dann lauter. „Du musst mir helfen!", schrie sie in an und sprang auf. „Wie?", frage Noah panisch. Er wollte ihr ja helfen. Er kannte dieses Mädchen nicht, doch verdammt, er würde alles tun, um ihr zu helfen. „Du musst sie besiegen! Du musst sie zerstören!!", schrie sie immer wieder und immer eindringlicher und ging dabei immer tiefer in eine düstere Ecke des Kellers. Irgendwann, als sie kaum noch zu erkennen war, rief sie ein letztes Mal: „Zerstör sie, Noah Willson!", dann verschwand sie im Dunkeln.
Noah zuckte, dann lief er in die Ecke. „Hey!", rief er und suchte in der Dunkelheit nach ihr oder einem Lichtschalter, doch als er letzteres fand wurde ihm klar, dass das kleine Mädchen nicht mehr hier war. Er fragte sich schon gar nicht mehr, was passiert ist, Tatsache war, dass sie Recht hatte. Vielleicht musste er wirklich die Puppen zerstören, um diesem Albtraum zu entkommen.

Wenig später stand er, mit einem Küchenmesser bewaffnet, im Marionetten-Zimmer. Er starrte die Figuren an, auf deren unbewegten Gesichtern er ein finsteres Lächeln zu erkennen glaubte. „Was macht ihr nur mit mir?", fragte er die Puppen, auch wenn er selbst nicht so recht verstand, warum er mit ihnen sprach. Er suchte ein Ventil für seine Emotionen und fand es darin, dass er die Holzpuppen anschrie. „Was soll das?! Was hab ich euch getan?!?!", schrie er. Aus dem Augenwinkel meinte er zu sehen, wie die Marionette des Königs belustigt den Kopf schüttelte. Noah wirbelte herum, stand der Puppe direkt gegenüber. „Was willst du von mir?!!", schrie er und rannte völlig verstand los auf die Figur zu, doch gerade als die Klinge des Küchenmessers den Brustkopf des Königs gespalten hatte, verlor Noah den Halt unter den Füßen. Er sank auf die Knie und dann auf den Bauch und das letzte was er sah, war das überlegene Grinsen des Königs.

Währenddessen saß eine ziemlich verärgerte Charlotte in ihrem Mini auf dem Weg zu Villa. Er geht nicht ans Telefon, er ruft nicht zurück, Fein, komme ich ihn eben besuchen, fauchte sie innerlich. Es war nicht so, als würde es sie stören, zwei Tage nichts von Noah zu hören, als Schriftsteller war er schließlich oft unterwegs. Was sie störte war, dass er ihre Sorgen von Anfang an ignoriert, sich darüber lustig gemacht hat. Sie hatte sich von Anfang an nicht wohl mit diesem Haus gefühlt und sie könnte wetten, dass Noah nur nicht ans Telefon ging, um sie zu ärgern, weil er genau wusste, dass sie sich Sorgen machen würde. Sie hatte sie den Zweitschlüssel bei Mrs. Pellicano abgeholt. Die alte Dame war sehr besorgt gewesen, doch Charlottes Vorschlag, sie könne doch mitkommen, lehnte sie ab. Sie hatte offensichtlich unglaublich große Angst vor der Villa und auch wenn Charlotte das ein wenig übertrieben fand, fühlte sie sich auch nicht wohl bei dem Gedanken, ihr Freund lebte im Moment in einer angeblich verfluchten Villa.
Als sie vor der Villa stand und mehrmals gegen die Tür geklopft hatte, wuchs ihr mulmiges Gefühl. Noah würde auf jeden Fall öffnen, soweit würde er nicht gehen, nur um sie zu ärgern. Prompt schloss sie die Tür auf und rief laut den Namen ihres Freundes, doch er antwortete nicht. Jetzt wusste sie, das etwas nicht stimmte. Noah musste hier sein, warum sollte er das Haus verlassen? Sein Auto stand noch vor dem Haus und es gab hier nichts, das man zu Fuß erreichen konnte. Sie lief im Eiltempo durch das gesamte Haus und rief immer wieder Noahs Namen. Das Haus war tatsächlich sehr schön und total nach ihrem Geschmack, doch daran konnte sie im Moment nicht denken. Sie rannte von Zimmer zu Zimmer und immer wieder Treppen hinauf, bis sie Noah schließlich im obersten Stock fand. Ohnmächtig lag er auf dem Boden, daneben eine aufgesplitterte Marionette, in deren Rumpf noch ein Messer steckte. Charlotte schaltete sofort und rief einen Krankenwagen, dann setzte sie sich neben Noah auf den Boden und rüttelte an seiner Schulter. Nach einer Weile schlug er tatsächlich die Augen auf und Charlotte atmete erleichtert auf.
„Charlotte? W-Was ist passiert?", fragte er schwach und versuchte sich aufzurichten, doch Charlotte hielt ihn zurück. „Alles ist gut. Ich bin da.", sagte sie und drückte Noah fest an sich. Dann war er wieder weg und wurde auch erst wieder wach, als er im Krankenwagen lag.
Er wunde in ein Krankenhaus gebracht und sobald er dort im Bett lag, ging es ihm schon ein bisschen besser. Er erzählte Charlotte, was geschehen war und auch wenn sie ihm glaubte, so konnte sie sich die Ereignisse genau so wenig erklären wie Noah selbst. Doch es sollte jemanden geben, der das Rätsel auslösen konnte, und zwar Dr. David Michaelsen, ein Arzt aus dem Krankenhaus, in dem sich Noah befand.
„Pilze?", wiederholte Noah ungläubig. Dr. Michaelsen nickte. „Ja, Mr. Willson. Wissen sie, einer der Sanitäter hatte wohl Kenntnis über die Gerüchte, die das Haus betreffen und die Marionette, die sie zerstört haben, mitgenommen. In ihrem Inneren hat sich im Laufe der Zeit ein Pilz gebildet, der, wenn man seine Sporen einatmet, schwere Wahnvorstellungen verursacht. Wahrscheinlich ist ihnen genau das zugestoßen." Noah sah ihn an, als wäre sein behandelnder Arzt komplett übergeschnappt. „Pilze?", wiederholte er nochmal. „Okaaay..."
Die beiden Männer unterhielten sich noch eine Weile über die Sache, dann verabschiedete sich der Arzt wieder und verließ den Raum. Noah sah nachdenklich in die Luft, bis Charlotte plötzlich anfing zu lachen. Noah sah sie mit hochgezogenen Augenbrauen an. „Hm?" Charlotte holte kurz Luft und prustete dann: „Pilze! Dann lag auf den Marionetten doch sowas wie ein Fluch, oder?", wieder lachte sie. Noah sah sie schief an. Doch dann wurde ihm klar, dass alles vorbei war, dass er nicht wieder in dieses Haus zurück musste, dass Charlotte bei ihm war und dass sie beide in Sicherheit waren, und stimmte in Charlottes Lachen ein.

 

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Kommentar von: Leo 2012-08-07 12:41
Ich finde du hast einen sehr schönen Schribstil, deine genauen Beschreibungen lassen ein sehr detailliertes Bild vor dem inneren Auge entstehen ohne die Geschichte zu sehr in die Länge zu strecken. Was mir besonders gefallen hat war, dass du nach Noahs Ohnmacht in Charlottes Sicht gewechselt hast. Das hat Spannung aufgebaut! Dennoch habe ich noch was zu bemängeln: Nachdem du den Anfag liebevoll und mit viel Sorgfalt gestaltet hast, wirkt das Ende hingegen schnell runtergeschrieb en. Es ging auf einmal sehr plözlich, die Drohungen, das Mädchen, die puppen…Hier hättest du dir noch etwas Zeit nehmen können/sollen. Alles in Allem eine sehr gelungene Geschichte mit überraschenden Ende.
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Kommentar von: Jasmin 2013-08-05 14:10
Boar...die Geschichte ist voll krass. Es zieht ein wirklich mit rein und gruselt sich genauso wie der Mann.Top! :lol:
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Kommentar von: Homo123 2013-10-31 17:12
:D :lol: :-) ;-) 8) :-| :-* :oops: :sad: :cry: :o :-? :-x :eek: :zzz :P :roll: :sigh:
Ich wollte einfach mal alle smileys schreiben! Hehe :-)
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Kommentar von: lea 2014-01-19 01:28
Obwohl die geschichte ziemlich lang ist, ist es echt ein super schreibstil, und super spannend, daumen hoch ;D :lol:
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