Patchwork - (Un)Glück 1
2007 zog ich mit meinen Kindern, nach einer nicht so schönen Zeit und nach unserer Kur, zu meinem "Kurschatten". Dieses Wort empfinden wir beide übrigens als absolutes No Go.
Wir kamen also an einem sonnigen Nachmittag in einem schönen kleinen Städtchen im Sauerland an. Mir, als Niedersächsin, gefiel die Gegend, in der wir ab heute unser neues Zuhause haben sollten, sehr gut und die Kinder staunten über die Berge. Es war wohl gegen 16 Uhr und wir alle waren durch die lange Fahrt und die Hitze ziemlich geschafft. Aber warum beschwerte ich mich eigentlich? Bernd hatte das Ganze immerhin zweimal an einem Tag durch gemacht.
Nachdem wir angekommen waren gingen wir in das Haus und ich staunte, zusammen mit den Kindern, nicht schlecht über die Größe und die Einrichtung. War ich doch immer nur kleine, einengende Mietwohnungen gewöhnt. Die Kinder von Bernd begrüßten uns mit einem großen Hallo! und wir tranken erst mal einen Kaffee.
Bernd zeigte uns unser Heim und ich beantragte eine Karte und einen Kompass, denn für meine Begriffe war dieses Haus riesig!
Nach der ersten Besichtigung machten wir uns mit vereinten Kräften daran, die Sachen auszuladen. Wurden wir doch mit einem Pferdehänger abgeholt und dort hatten alle unsere die Reise gut überstanden. Zig Kisten, Kartons und Tüten wurden ausgeladen und in die jeweiligen provisorischen Zimmer verteilt.
Dann gab es noch mal einen Kaffee und danach sagte Bernd, dass wir nun den Hänger zum Stall fahren würden. Oh, man war ich nervös. Kam doch nun der erste große Moment in unserer neuen Heimat.
Wir fuhren also zum nahegelegenen Stall. dort waren auch einige Bekannte unserer neuen Familie und alle kannten ja die Geschichte von Bernd und den Kids. Auch seine verstorbene Frau kannten sie alle und nun kamen wir daher. Mitten im Trauerjahr und mal so eben auf Kur kennen gelernt. Irgendwie fühlte ich mich komisch unwohl.
Dieses Gefühl war aber schnell vorbei, denn es waren einige unter den Anwesenden, die gleich auf uns zu kamen und uns mit freundlichem Händedruck und "Schön, das ihr da seid"! begrüßten. Natürlich gab es auch die, die sich irgendwo in die Stallgasse stellten und uns neugierig um die Ecke herum begutachteten. Typische "Frischfleischbeschauung" halt.
Die Kinder waren schnell unterwegs und auch ich unterhielt mich ziemlich schnell mit einer ehemaligen Kollegin von Bernds erster Frau und einem seiner Bekannten. Schnell wurde ich warm und taute etwas auf - ich fühlte mich, dort am Stall, wohl.
Nach ein - zwei Stunden fuhren wir wieder nach Hause. da empfing uns dann das große Chaos! Die Kinder verteilten sich auf die Zimmer und fingen schon mal an zu planen, wie das denn demnächst hier anlaufen sollte. Wir Eltern hielten uns erstmals noch zurück und ich wurde nun von meiner Schwägerin begrüßt. Auch mein Schwager kam nochmal hinunter und wir saßen so noch eine Weile und erzählten ein bisschen von hier und da.
Für den nächsten Tag nahmen wir uns dann vor, die ganzen Sachen zu Ordnen und zu verteilen. Da es das lange 1. Mai- Wochenende war, hatten wir die nächsten zwei Tage ausreichend Zeit dazu.
Am Montag fuhren wir dann los und besorgten noch die ein oder andere Kleinigkeit: ein Bett fehlte uns und demzufolge auch eine Matratze. Im Laufe der nächsten Wochen richteten wir uns ein und passten die Bewohner des Hauses auf die Zimmer an. Das heißt: das Schlafzimmer wurde das Jungenkinderzimmer, die Mittlere hatte das Privileg eines eigenen Zimmers und die beiden großen Mädels teilten sich auch ein großes Zimmer.
Einige Tage lang wurden Möbel gerückt, Kisten hin und her geschleppt und mittendrin und so zwischendurch einigten sich die Katze Lisa und Hund Benny unspektakulär darauf, dass sie oben wohnen würde und er unten.
Nach gefühlten zwei bis drei Wochen waren wir soweit angekommen und hatten uns eingewöhnt. Die Kids gingen in Schule und Kindergarten, ich brachte morgens meinen Männer zur Arbeit und kümmerte mich um den Haushalt. Das war auch eine Umstellung für mich. Hatte ich doch bis dahin immer nur mit kleinen ca. 70 qm großen Wohnungen zu tun und musste ich doch nun umdisponieren, dass ich eine Doppelhaushälfte mit ca. 140/160 qm über zwei Etagen zu managen hatte.