Disco, Disco
„Ich bin einer menschlichen Krake begegnet", mit diesen Worten meldete sich Alice bei ihrer Freundin. „Erzähl mal", man konnte Maggie durch den Telefonhörer grinsen hören.
„Wie du weißt hatte ich gestern ein Date. Dieser Mann hat mehr Hände und Arme, als ein normaler Mensch. Ich habe ihn einfach auf dem Parkplatz stehen lassen und bin schnellstens weggefahren. Wie sieht es am nächsten Samstag aus, kommst Du mit in die Disco? Wir treffen uns wie gewohnt mit den Mädels!"
„Du gibst wohl nie auf, was. Gut, einer muss ja schließlich auf dich aufpassen." Maggie lachte. „Sonst gerätst du wohlmöglich wieder an einen Krakenmann."
Am Samstag traf man sich in gewohnter Besetzung in der ‚alten Liebe', einer netten kleinen Diskothek, die, wie schon der Name sagte, meist von Leuten mittleren Alters frequentiert wurde. Gabi, Gilla, Maggie und Alice waren gute Freundinnen, kannten sich schon ewig.. Alice erzählte zur allgemeinen Erheiterung noch einmal die Geschichte von der menschlichen Krake und Gabi grinste ihre Schwester Gilla an: „Das könnte dir ja nie passieren, nicht wahr!"
„Nein, ich hätte dem Typen schon vorher klar gemacht, wo der Hammer hängt", war die lakonische Antwort.
„Ich fürchte wo sein Hammer hängt hat er nur zu gut gewusst", meinte Alice mit einem komischen Seufzer, was die Freundinnen zu einem neuerlichen Heiterkeitsausbruch veranlasste.
„Hier ist es aber lustig", mit diesen Worten gesellte sich ein lächelnder Mittdreißiger zu ihnen. „Ja, bei uns ist Stimmung, gell!" Gabi klimperte mit den Wimpern, was den Mann veranlasste, sich näher zu ihr zu stellen. Die Freundinnen wechselten einen Blick. Es schien ein unterhaltsamer Abend zu werden.
Gilla hatte schon länger einen Nebentisch ins Visier genommen, an dem scheinbar ein Junggesellenabschied gefeiert wurde. „Pass auf", flüsterte sie Alice zu, „einer ist für dich und einer für mich, die zwei da vorne kommen gleich zu uns herüber." Wirklich forderten zwei der unternehmungslustigen Männer die Beiden zum Tanzen auf. „Ich bin Bäcker", teilte Alices Tänzer ihr mit, dann schwieg er. Diese Information interessierte Alice brennend. „Aber du backst keine kleinen Brötchen, was!" Als sie nach einigen Tänzen zurück zu ihrem Stehtisch kam, fand sie eine missmutige Gilla vor. „Was ist los", fragte sie. „War dein Typ genau so eine Pfeife wie meiner, oder warum ziehst du so´ n Flansch? Der Abend ist noch jung und Material ist genug vorhanden, also –Kopf hoch!"
„Wenn der ihr noch weiter auf die Pelle rückt, dann ist was los!" sie wies auf ihre Schwester, die versuchte, sich des Mittdreißigers zu erwehren, der seinen Arm um ihre Schulter gelegt hatte und auf sie einredete. Gabi schaute hilfesuchend zu ihnen hinüber. „Der textet schon die ganze Zeit", meinte Maggie, die genüsslich an ihrem Wein nippte und sich die Sache aus der Distanz betrachtete.
„Da, der packt meine Schwester schon wieder an, jetzt ist aber Schluss!", einmal in Fahrt gekommen, war Gilla nicht zu bremsen. Sie baute ihre stattlichen einen Meter und achtzig vor dem Grabscher auf, der verblüfft zu ihr aufsah. „Pass mal auf, du Schnulli", blaffte sie. „Hat meine Freundin eigentlich ein Schild mit der Aufschrift ‚nimm mich' auf der Stirn? Wir sind lesbisch, hast du das immer noch nicht geschnallt?"
Gabi grinste. „Ja, genau, danke Gilla!"
Der Gescholtene öffnete den Mund und schloss ihn gleich wieder. „Na dann werde ich lieber mal...", stotterte er, drehte sich auf dem Absatz herum und entfernte sich ein paar Schritte. Er schüttelte den Kopf. „Sachen gibt es", hörten die Freundinnen ihn sagen und prusteten wie auf ein Kommando alle vier los. „Danke, Schwesterherz! Ich wäre den Typen nie wieder los geworden, glaube ich!"
Maggie tippte sich an die Stirn. „Mädels ihr spinnt ganz schön, der arme Kerl hat einen Schock für's Leben bekommen! Jetzt geht es ab auf die Tanzfläche, ohne Männer!"