Eine verpatzte Gelegenheit
Maggie hatte sich mit ihrem Date per Internet zum Essen verabredet und war angenehm überrascht. Oliver sah im Original noch besser aus, als auf dem Foto, das er ihr zugeschickt hatte. Strahlend kam er auf sie zu und begrüßte sie überschwänglich:„Hallo, es freut mich sehr, dich heute treffen zu dürfen. Der Tag war bis jetzt schön, nun wird er perfekt." Auch Maggie strahlte. „Schön DICH zu treffen." Er rückte ihr den Stuhl zurecht. „Womit darf ich dich verwöhnen? Vielleicht mit einem Gläschen Champagner?"
„Gerne, ich liebe Champagner." Oliver gab sich ganz als Mann von Welt, suchte das Menü und den passenden Wein aus, was Maggie durchaus gefiel.
„Auf uns, und einen perfekten Abend mit einem wundschönen Abschluss!" Er schaute ihr tief in die Augen. „Du bist noch schöner, als ich es vermutet hatte." Das Essen war vorzüglich, der Wein richtig gut und Oliver beherrschte den Small Talk perfekt. Maggie fühlte sich berauscht, was nicht nur vom Wein kam. Welch ein Glücksgriff. Dieser Mann war wirklich fantastisch: gut erzogen, charmant, großzügig und er schien nicht unvermögend zu sein. Zumindest ließ das seine äußere Erscheinung vermuten. Sie würde die Gelegenheit beim Schopf ergreifen und austesten, wie fantastisch er war. Nach dem Dessert und dem anschließenden Espresso kam sie zur Sache. „Was meinst du, ich habe zu Hause noch eine Flasche ‚Pommery'‚ auf Eis. Die habe ich für eine besondere Gelegenheit aufbewahrt." Wieder schaute ihr Oliver tief in die Augen. „Es wäre schön, wenn das jetzt die besondere Gelegenheit wäre."
Bald darauf saßen die beiden eng umschlungen auf der Couch in Maggies Wohnzimmer und sie stellte fest, dass Oliver auch im Küssen versiert war. Plötzlich öffnete sich die Tür und Winston, Maggies Exlover, und Untermieter stand im Zimmer. „Ich hoffe ich störe nicht!"
Maggie verdrehte die Augen. „Winston; was willst du? Sorry, Oliver, das ist ein Freund, der wohnt zur Zeit noch hier."Sie wandte sich Winston zu. „Aber nicht mehr lange!"
„Mein Kaffee ist alle und da wollte ich mir welchen von dir ausleihen." Winston ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Maggie wedelte ungeduldig mit der Hand. „Hol dir aus der Küche was du brauchst. Und dann.. Tschüss!" Entschuldigend wandte sie sich wieder Oliver zu. „Ich sollte ihm wirklich den Schlüssel zu meiner Wohnung abnehmen."
Winston klapperte in der Küche herum. Wenig später war er verschwunden. Etwas irritiert nahm Oliver sie wieder in den Arm und küsste sie zärtlich. Maggie seufzte wohlig und erwiderte seinen Kuss.
Ein Schlüssel klapperte, Winston stand wieder in der Wohnzimmertür. „Entschuldigung, habt ihr ein paar Zigaretten, meine sind alle!" Maggie griff sich die fast volle Zigarettenpackung vom Tisch und marschierte auf Winston zu: „Hier, nimm die Schachtel einfach mit hoch, sonst noch was? Ein paar Erdnüsse, oder Chips? Nimm dir einfach was du für die nächsten 14 Tage brauchst und komm bitte heute nicht noch mal runter!"
„Bin ja schon weg, sei doch nicht so unfreundlich!" im Hinausgehen wandte sich Winston an Oliver. „Danke für die Zigaretten und viel Spaß noch!"
Der zog die Augenbrauen hoch. „Was war das denn jetzt? Ein Freund, hm?"
„Vergiss ihn einfach. Wir waren vor langer Zeit mal zusammen. Da läuft gar nichts mehr!" Zärtlich strich sie über Olivers Oberschenkel. „Jetzt sollten wir uns um wirklich wichtige Sachen kümmern!"
Das ließ sich Oliver nicht zweimal sagen. Wenig später kümmerte er sich intensiv um alle wichtigen Sachen, die Maggie zu bieten hatte und auch das konnte er wirklich gut. Maggie stöhnte laut. Plötzlich hämmerte es heftig an der Wohnzimmertür. „Um Gottes Willen Maggie, ist alles in Ordnung, geht es dir gut? Was machst du bloß für merkwürdige Geräusche! Soll ich den Notarzt holen?"
Das war selbst für den in allen Lebenslagen versierten Oliver zu viel. Er raffte seine Kleidungsstücke zusammen, drängte sich an Winston vorbei und lief ins Badezimmer. Einen kurzen Augenblick später erschien er korrekt bekleidet wieder im Flur. „Der Notarzt wird nicht nötig sein, aber vielleicht solltet ihr Beiden einen Psychiater konsultieren!", mit diesen Worten verließ er die Wohnung.
„Mensch Maggie, ich hab's doch nur gut gemeint...", weiter kam Winston nicht, denn Maggie griff sich den nächstbesten Gegenstand, in diesem Fall war es ein Kristallaschenbecher, und warf nach ihm...