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Ein fataler Irrtum

Alice schaute zum Eingang, durch den gerade ein gut aussehender, blonder Mann in die Disco geschlendert kam. Sie stubste ihre Freundin an. „Du Maggie, ich weiß ja, dass wir uns heute nicht um die holde Männlichkeit kümmern wollen, aber der Typ da vorne gefällt mir wirklich. Er schaut gerade ´rüber zu uns und lächelt. Vielleicht sollte ich zurücklächeln."
Maggie musterte den Mann einen Moment lang skeptisch. „Den kenne ich", meinte sie, „der ist schwul. Bestimmt ist er mit seinem Freund hier."
„Na dann kann ich unbesorgt und völlig stressfrei mit ihm flirten, er will ja sowieso nichts von mir", Alice war begeistert und strahlte den Typen an, der prompt auf sie zusteuerte.
„Magst du mit  mir tanzen", fragte er und Alice willigte erfreut ein. Endlich mal ein Mann, bei dem sie von vornherein wusste, wo sie dran war. Der nicht versuchen würde sie zu betatschen und mit dem sie einfach nett tanzen und sich unterhalten konnte. „Man merkt sofort, dass dieser Typ ein weibliches Gen zu viel hat", dachte Alice, denn er bewegte sich sensationell gut zur Musik.
„Wie heißt du eigentlich? Vielleicht Detlev?" fragte Alice und sie glaubte ihren Ohren nicht zu trauen, als er antwortete: „Genau, woher weißt du das denn." Dann ließ er sie sichtlich erstaunt los, denn sie war in lautes Gelächter ausgebrochen. „Das glaube ich nicht", prustete sie. Sichtlich irritiert führte Detlev sie von der Tanzfläche. „Kannst du  mir mal erklären, was so lustig ist? So ungewöhnlich ist meine Name auch nicht."
„Ja nun", quetschte Alice heraus und versuchte krampfhaft das immer wieder in ihr aufsteigende Gelächter zu unterdrücken. „Stimmt, so ungewöhnlich ist dein Name eigentlich nicht, aber er passt wirklich perfekt zu dir."
„A-ha, und deshalb musst du so tierisch lachen", meinte Detlev stirnrunzelnd.
„Na ja, für jemanden, der mit seinem Freund hier ist passt der Name wirklich gut."
„Wieso? Du bist doch offensichtlich auch mit deiner Freundin hier. Na egal, lass uns noch eine Runde tanzen", mit diesen Worten zog Detlev sie wieder auf die Tanzfläche. Plötzlich blieb er wie angewurzelt stehen. „Ich glaube nicht, dass du glaubst, was ich denke, dass du glaubst!"
„Wat?"
„Ich muss da mal was klarstellen", Detlev führte sie zum zweiten Mal von der Tanzfläche. „Wie kommst du bloß auf diese abwegige Idee? Du meinst echt, ich wäre! Ne, das machen wir ganz anders." Mit diesen Worten wandte er sich an einen Kumpel, der ein Stück weiter entfernt stand. „Klaus, erzähl der jungen Dame hier mal, wer ich bin und mit wem ich zuletzt zusammen war." Klaus schaute leicht verwundert drein. „Na du bist der Detlev und trainierst die Jungend in unserem Fußballklub. Zuletzt zusammen warst du mit... lass mich überlegen, du hast ja in letzter Zeit einige Freundinnen gehabt...jetzt hab´ ich's, mit Monika zusammen!" Detlev schaute Alice bedeutsam an. „Eben, erklärst du mir jetzt, wie du auf den Gedanken gekommen bist?"
„Aber, aber, meine Freundin...OH – dieses verflixte Miststück", mit hochroten Wangen stürmte sie zurück zu ihrem Barhocker und zu Maggie, der vor Lachen die Augen tränten.

„Maggie, du bist eine gemeine Hexe!" jetzt musste Alice doch auch lachen. „Das hast du wirklich fein hingekriegt, ich habe mich völlig zum Idioten gemacht!"
„Nein", kicherte Maggie und tupfte sich die Tränen vorsichtig ab, um ihr Make-up nicht völlig zu ruinieren. „Zur Idiotin. So einen Spaß habe ich lange nicht mehr gehabt. Die ganze Zeit dachte ich ‚jetzt muss sie doch mal was merken, oder zu mir rüber schauen', aber du warst ja völlig hin und weg." Detlev schien Spaß zu verstehen, denn er kam zu den Beiden und legte den Arm um Alice. „Würdest du auch mit mir tanzen, wenn ich nicht auf Männer stehe? Hey, du brauchst nicht rot zu werden, ich glaube ich habe schon kapiert, was hier abgelaufen ist."
Auf der Tanzfläche nahm er sie in den Arm. „Wo jetzt alle Probleme geklärt sind, sollte ich dir den endgültigen Beweis nicht schuldig bleiben", flüsterte er ihr ins Ohr und küsste sie zärtlich. Alice bekam eine Gänsehaut, denn gut küssen konnte dieser Mann auch noch.
Sie tanzte den ganzen Abend mit Detlev und amüsierte sich richtig gut mit ihm. Als sie zwischendurch zurück zu ihrem Platz kam, um zu schauen, was Maggie so trieb stellte sie zu ihrem Erstaunen fest, dass Winston, Maggies Exfreund  in der Disco aufgetaucht war und die beiden Händchen hielten, wie ein frisch verliebtes Paar. Sie zwinkerte ihrer Freundin zu. „Hallo Winston, das ist eine Überraschung."
„Ich wollte mal nach dem Rechten schauen", meinte er, „nicht das ihr zwei Süßen irgendwelchen Unsinn anstellt."
„Das sind ja ganz neue Töne. Schön das du dich um uns kümmern willst, aber ich für meinen Teil bin gut versorgt. Viel Spaß noch." Alice ging zurück zur Tanzfläche, wo Detlev bereits auf sie wartete. „Ich wohne hier ganz in der Nähe! Was meinst du, sollten wir nachher noch einen Kaffee bei mir trinken?" fragte er ganz unschuldig.
„Ja, warum nicht." Alice war es ganz leicht zumute. Lag das an ihrer Neueroberung, oder am Alkohol? Sie trank sonst nie so viel. Egal, heute wollte sie ihren Spaß haben. „Ich glaube, ich brauche den Kaffee jetzt schon. Wenn es dir Recht ist, dann gehen wir sofort zu dir", lispelte sie und schaute ihm tief in die Augen.

Alice öffnete die Augen und war mit einem Schlag hellwach. Sie lag in Detlevs Bett und er schnarchte leise neben ihr. Jetzt drehte er sich um und legte im Schlaf seinen Arm um sie. Ganz vorsichtig befreite Alice sich von ihm und stand leise auf. Sie sammelte ihr Zeug zusammen und schlich ins Badezimmer, um sich dort anzuziehen. Zögernd schaute sie in den Spiegel und eine ziemlich verschlafene und trotzdem entspannte Alice lächelte zurück. Die Nacht mit Detlev war aufregend gewesen, aber das war es nicht, was sie suchte. Beide hatten sie gewusst, dass dies eine einmalige Sache werden würde und trotzdem, oder gerade deswegen, die Liebesnacht aus vollen Zügen genossen. Jetzt allerdings wollte Alice die Wohnung verlassen, bevor Detlev aufgewacht war und ging auf Zehenspitzen zur Ausgangstür. Sie hatte bereits die Klinke in der Hand, als sie von hinten in den Arm genommen wurde. „Bye, die Nacht war toll! Du bist etwas ganz Besonderes, Engel!" flüsterte er ihr ins Ohr.
„Bye", flüsterte sie zurück und ohne sich umzudrehen verließ sie die Wohnung.

 

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Kommentar von: Gisela 2010-11-16 12:52
Ich möchte Alice ja wünchen, dass sie langsam mal was wirklich Passendes, Längerfristiges findet!
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Kommentar von: Moni 2010-11-16 13:01
Ja, da stimme ich dir zu. Aber mit Winston lagen wir ja richtig. Oder? Gruß Moni klat*
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