Wenn die Eltern zu Besuch kommen
Wenn die lieben Eltern zu Besuch kommen, tun wir doch ein wenig mehr als gewöhnlich, um das gastliche Heim, reinlich und aufgeräumt vorzuzeigen .
Leider ist der Besuch nun schon wieder ein Stück Vergangenheit, jedoch mit reichlich guten Erinnerungen festgehalten .
Unsere großen Kinder sind nur noch selten zu Hause, und so dienen deren Kinderzimmer als Schlafgemächer für die Großeltern . Wir trennen sie nachts ungern, jedoch des einen Geräusch ist des andern schlaflose Nacht, und so hat Jeder ein Jugendzimmer zur Verfügung Diese Räumlichkeiten befinden sich jedoch meistens in einem sehr ungastlichen Zustand . Unsere Sprösslinge stört das fast nicht, oder sagen wir, sie können problemlos damit leben Wir Alten drücken am Wochenende alle Körperöffnungen zu, die zeitliche Bemessenheit als Alibi tolerierend .
Mathias’ Zimmer in Zukunft in ein elterliches Arbeitsbüro zu verwandeln, hatte seine Zustimmung gefunden, und so passte die Herrichtung in einen Schlafraum gut ins Konzept.
Als ich das Gemach betrat, traf ein seltsamer Geruch auf meine an sich unempfindliche Nase. Zuerst leerte ich den so genannten Papierkorb, dessen überquellender Inhalt neben Papier auch Joghurtbecher, einen verschlissenen Socken sowie einen angebissenen Apfel enthielt .
All die Dinge, die nach persönlich wichtigem Hab und Gut aussahen, verfrachtete ich in ein separates Schubfach .
Flockigem Staub jagte ich begierig hinterher und freute mich über den erscheinenden Glanz der Möbel. Es roch noch immer … .
Am Boden fand ich diverse Tüten, Schuhe, Pullover und Taschen. Alles bekam seinen ursprünglichen Platz oder wurde verworfen und entsorgt. Ein Behältnis mit Schmutzwäsche kreuzte meinen Weg. Hoffend auf Geruchsbefreiung, trug ich es ins Waschhaus. Jedoch der Nasentöter blieb im Raum. Rätselhaft war das schon, fast konnte ich, Dank der erreichten Bodenfreiheit den Staubsauger einsetzen, als hinter dem Sofa eine blaue Plastiktüte meine Aufmerksamkeit erregte. Beim näher kommen glaubte ich, des Geruches Lösung gefunden zu haben: Ich entnahm ihr zuerst ein Paar ausgetretene schwarze Schuhe, danach einen Stoffgürtel. Aber was war das, was lag da seltsam Weichbraunes auf dem Grund der Tragetasche? Mit Entsetzen erkannte ich die verstorbenen Reste einer uralten Banane. Schwarz roch sie mir ihr Letztes entgegen. Wie lange hatte diese arme Frucht versucht, mit ihrem überreifen Duft auf sich aufmerksam zu machen? Bis zum bitteren Ende bewahrte sie die Form, an der ich sie übrigens auch identifizierte. Irgendwann verendete sie, böse Pilze besiedelten ihre einst so goldene Haut und stanken vor sich hin, und verunstalteten diesen einst so energiereichen Kraftspender bis zur Unkenntlichkeit .
Ich entnahm sie dem blauen Tchibo–Sarg und brachte sie bedächtig zur Neuwerdung auf den Hügel der humosen Regeneration.
Im Zimmer roch es nun nicht mehr, die Gäste konnten kommen. Meine Gedanken hingen aber noch dem Früchtchen hinterher, dass mit Sicherheit lieber verspeist worden wäre, als acht Wochen in einer Tüte zu verrotten.