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Wohnungswechsel

„Immer meckerste rum! Jetzt hab ich aber genug davon!“ Da stand er also, ein knapper Meter bebende Entrüstung. Die Arme in die Hüften gestemmt, der Kopf hoch erhoben und knall rot. An wen erinnerte mich der Kampfzwerg bloß?
„Pass mal auf, mein Freund, wenn du nicht gleich mit dem Aufräumen anfängst, dann wirst du erleben, WIE sauer ich werden kann…“
Immer das gleiche Theater mit dem Knaben. Während sein Bruder den Inhalt der Überraschungseier fein säuberlich wieder einpackte und in seiner Schreibtischschublade aufbewahrte, war der zweite Vorname meines Jüngstgeborenen Chaos. Jetzt schien auch noch die Anarchie dazu zu kommen.
Johannes zuckte nicht mit der Wimper. „Wenne nich aufhörs zu meckern, dann wirste schon sehen!“
Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen. Denn der Knirps sprach die Drohungen mit dem gebührenden Ernst aus. „…dann… dann…ziehe ich eben aus.“
Ich hatte kürzlich eine Nachtgeschichte von Astrid Lindgren vorgelesen. „Pelle zieht aus“ hieß die. Pelle war nach Herzhausen gezogen. Scheinbar hatte diese Geschichte den Knaben wirklich beeindruckt.
„Aber Johannes, du kannst doch nicht in die Toilette ziehen, da ist nicht mal ein Fenster!“
„Ich bin ja auch nicht doof, das Klo ist mir viel zu klein. Ich ziehe auf den Spielplatz. Da kann ich alles herum schmeißen, so wie es mir gefällt und auf der Bank sitzen!“Scheinbar hatte Johannes schon fleißig Pläne geschmiedet. „Und schlafen tu ich im Gebüsch, da kann ich mir nämlich ne Bude bauen!“
Er griff sich seinen Entenkoffer und fing emsig an zu packen: Matchboxautos, ein Bilderbuch, sein kleines Kissen. Obenauf stopfte er einen angematschten Kinderriegel.
Ich verfolgte sein Treiben mit offenem Mund, völlig baff ob dieser Zielstrebigkeit. Schließlich marschierte der Auswanderer an mir vorbei und zur Wohnungstür hinaus.
Ihm nachzusetzen war mir denn doch zu dumm, er würde sich schon einkriegen und nach einer kleinen Schmollfase wieder bei uns einziehen.
Allerdings beobachtete ich aus dem Fenster heraus, wie Johannes auf seinen neuen Wohnort stolzierte und dort seinen Koffer auspackte. Wenigstens gab es rund um den Spielplatz eine große Wiese, so dass ich alles im Blick hatte. Nicht auszudenken, wenn der Trotzkopf beschließen würde, seinen Aktionsradius zu erweitern!
Aber das tat er dann doch nicht. Er blieb den ganzen Nachmittag auf dem Spielplatz, krabbelte im Gebüsch herum, wahrscheinlich suchte er einen geeigneten Schlafplatz, und legte sich gemütlich auf die Bank.

Der Nachmittag neigte sich dem Ende zu, der Abend brach an und längst waren alle Kinder daheim, wurden abgeschrubbt, gefüttert und ins Bett gebracht. Nur auf unserem Spielplatz saß eine kleine, kerzengerade Gestalt, hatte den Entenkoffer auf dem Schoß und schien gar nicht daran zu denken, endlich nach Hause zu kommen.
Völlig hilflos wandte ich mich an meinen Erstgeborenen. „Ich gehe jetzt nach unten und hole den Sturkopf nach Hause. Das geht doch alles gar nicht!“
Sven schaute mich ernst an. „Ach Mama, wenn Johannes so wütend die Arme in die Hüften stemmt, dann sieht er aus wie du und er ist genau so stur. Ich geh schon runter und hole ihn.“

Wenig später sah ich meine Beiden den ausgetretenen Weg vom Spielplatz hinunter kommen. Sven hatte schützend den Arm um seinen kleinen Bruder gelegt. Der wirkte gar nicht mehr so entschlossen wie am Nachmittag.
„Da bin ich aber froh, dass du es dir anders überlegt hat, Johannes. Du hast mir ganz schön gefehlt!“ ich schluckte, denn ich hatte einen dicken Kloss im Hals. „Und bleibst du jetzt bei uns?“
Mein Trotzkopf nickte ernsthaft. „Ja, weißt du Mama, wenn ich noch mal ausziehe, dann doch lieber ins Klo, denn auf dem Spielplatz ist es mir nachts zu alleine.“

 

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Kommentar von: almebo 2010-03-01 17:06
Ordnung muss im Haushalt sein, da kann man nicht genug drauf achten,
bei Wohnugswechsel, wenn allein, muss man ja schliesslich auch nach trachten!

Eine gut beschriebene Erziehungsmethode
Liebe Grüße, Alfred
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Kommentar von: Moni 2010-11-29 19:19
Echt zum schmunzeln. Diese Aktion habe ich auch schon mal erlebt mit meinem Jüngsten, aus dem selbigen Grund. Er stotterte du bist Sau..Sau..lieb und schnürte sich ein Trockentuch. Da es anfing zu regnen, verschob er seine Reise einen Tag. l.G. Moni lacher*
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