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Happy Birthday, Berti

Mutti klopfte an die Kinderzimmertür. „Aufwachen, mein Liebling“, flötete sie. „Es ist 7 Uhr. Marsch, marsch aus den Federn.“
Bertram öffnete benommen die Augen.
„Heute ist dein großer Tag“, gurrte Mutti weiter und öffnete die Zimmertür. „…und die Sonne lacht.“

„Shit“, murmelte er und richtete sich ruckartig im Bett auf. Richtig, wie hatte er das vergessen können. Es war wieder einmal so weit.
„Ja, Mutti, ich stehe schon auf und lass das sein.“ Er schwang die Beine aus dem Bett, um seiner Mutter zu entgehen, die ihn herzlich in den Arm nahm und abknuddelte.
„Aber mein kleiner Liebling, stell dich doch nicht immer so an. Gib Mama ein Küsschen!“ Sie ließ sich nicht stoppen. So flüchtete Berti ins Bad und drehte resolut den Schlüssel im Schloss um. Hier war er erst einmal sicher vor Muttis Zärtlichkeitsausbrüchen.
Prüfend schnüffelte er an seinen Achselhöhlen. Wie er schon vermutet hatte, war heute eine ausgiebige Dusche von Nöten. Nun denn, wenn das unbedingt sein musste. Dann konnte er , zur Feier des Tages, auch gleich frische Wäsche anziehen. Wenigstens brauchte er sich nicht zu rasieren, denn sein Bartwuchs war immer noch nicht der Rede wert.
Als er sich später, frisch geduscht und fertig angezogen an den Frühstückstisch setzte, stand seine Mutter bereits parat, um ihm das obligatorische Ständchen zu bringen
„Heute kann es regnen, stürmen, oder schnein…“.
Obwohl er sich jedes Jahr dagegen wehrte, ließ sie sich nicht davon abhalten zu singen.
„…denn du strahlst ja selber wie der Sonnenschein…“
„Aber Mutti, das ist ein Kindergartenlied!“
Mutti ließ sich nicht beirren. „Du bist und bleibst eben mein kleiner Junge“, warf sie ein, um gleich weiter zu trällern. „Heut ist dein Geburtstag, darum feiern wir…“
„Was soll‘s“, dachte Bertram und ließ alle drei Strophen des Liedes über sich ergehen. Eigentlich war es ja ganz rührend, wie sehr Mutti sich um ihn kümmerte, obwohl er doch schon erwachsen war. Und schließlich bekam er bestimmt gleich seine Geburtstagsgeschenke.
Nachdem das letzte „…wir gratulieren dir Geburtstagskind“ verklungen war, stellte Mutti eine Riesenportion seines Lieblingsmüslies vor ihn hin und schaute ihm mit sichtlichem Vergnügen beim Essen zu. „Zuerst wird aufgegessen, dann bekommst du auch deine Geschenke, mein Junge.“
Eifrig schaufelte Bertram die Frühstücksflocken in sich hinein. Er war jetzt doch neugierig, was Mutti sich wohl für ihn ausgedacht hatte. Prustend beendete er seine Mahlzeit.
„…und“, Mutti schaute ihn auffordernd an. „Du musst dein Hohes C noch trinken. Vitamine sind so wichtig, auch für große Jungen!“
Gehorsam trank Bertram seinen Orangensaft bis zum letzten Tropfen aus und schaute seine Mutter erwartungsvoll an. Die kramte wirklich mehrere, in buntes Papier gehüllte Päckchen hervor.
„Das ist für dich, mein kleiner Liebling. Ich hoffe es gefällt dir ein wenig.“
Eifrig packte Bertram seine Geschenke aus. „Boh, Mutti!“ Obwohl er sonst nicht zu Gefühlsausbrüchen neigte, fiel er seiner Mutter spontan um den Hals. „Ein ICE 2 für meine ho-Anlage! Den habe ich mir so gewünscht!“
Bertram strahlte über das ganze Gesicht, hatte er mit seinem alten ICE doch einen Crash gebaut. Der Zug war in einer scharfen Kurve entgleist und in einen fertigen Häuserbausatz geflogen. Zurück blieben zertrümmerte Häuser und ein defekter ICE.
Auch Mutti strahlte. „Natürlich habe ich gemerkt, wie traurig du warst, als das Eisenbahnunglück passiert ist. Hast du schon bemerkt, dass der Zug ein Bordrestaurant hat? Jetzt pack aber auch die anderen Geschenke aus!“
Bertram griff zum nächsten Päckchen. „O-die zerstörten Häuser hast du auch neu gekauft. Das ist toll! Und ein Schlafanzug, wie schön.“
„Ja, mein Junge. Du musst es nachts doch muckelig warm haben. Nicht das du dich erkältest, wo du so unruhig schläfst und ich dich nicht mehr zudecken darf!“
Bis vor kurzer Zeit war seine Mutter nachts häufig in sein Zimmer gekommen und hatte ihm sein Oberbett zurechtgezogen, aber das hatte Bertram sich verbeten. Schließlich war er schon erwachsen, wenn seine Mutter das auch öfter vergaß.
Jetzt blickte sie irritiert auf seine Geschenke und zählte leise murmelnd die Päckchen.
„Da fehlt noch eins. Komisch, wo habe ich das denn hin gelegt?“
Bertram schaute auf die Uhr und sprang erschrocken auf. „Das kannst du mir ja auch noch nachher geben, Mutti. Ich muss los, sonst fährt mir der Bus vor der Nase weg und ich komme zu spät! Du hast mir mit dem neuen Zug eine so große Freude gemacht.“
Bertram nahm seine Mutter einmal kurz in den Arm und griff nach seinem Rucksack.
„Tschüß, bis nachher!“
„Aber Junge, deine Jacke - es ist doch kalt draußen“ ,hallte es im Treppenhaus hinter ihm her.

Als Bertram am Nachmittag nach Hause kam, empfing ihn seine Mutter freudig und guter Dinge.
„Ich habe dir natürlich dein Leibgericht gekocht, mein Kleiner. Und dein letztes Geschenk habe ich neben deinen Teller gelegt.
Neugierig öffnete Bertram das Päckchen, um verblüfft auf den Inhalt zu schauen.
„Was ist das denn?“

Seine Mutter tätschelte ihm den Arm. „Das ist ein Nasenhaarschneider von der Firma Phillips. Das braucht man in deinem Alter schon mal, denn wenn auch dein Bartwuchs zu wünschen übrig lässt, so sprießen dir doch die Nasenhaare. Deinem Vater, Gott habe ihn selig, habe ich zum 40. Geburtstag das gleiche Teil geschenkt und er ist immer sehr zufrieden damit gewesen…und da du ja heute auch 40 wirst“

 Wie ich bereits erwähnte - Bertram Jollenbeck gibt es in der Realität natürlich nicht!

 

3 Wertung(en)    Schlecht »« Super  


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Kommentar von: almebo 2010-03-12 18:23
ich glaube kaum, dass das ein Einzelfall ist.
Habe laut gelacht!
Gruß Alfred
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