Wie war das denn vorher?
Eines Tages, es ist schon ein paar Jahre her, da kam meine Große zu mir und fragte mich: " Du, Mama, wie war das eigentlich damals? So ohne uns. Hattest du da viel Langeweile?"
Ich sah sie verdutzt an und fragte vorsichtig nach: "Wie meinst du das?" "Na ja" , kam die prompte Antwort, "Damals hattest du uns ja noch nicht. Heute musst du Aufräumen, Waschen, Bügeln, Sauber machen und so. Wir sind ja auch vier Leute. Damals warst du ja nur alleine!"
Hm, manchmal frage ich mich wirklich, wie Kinder auf solche Gedanken kommen. Aus Erfahrung wusste ich bei meinen drei, dass solche Fragen immer etwas nach sich ziehen (können) und selten ohne Grund gestellt werden.
Nun, mit Fünfen, hatte sich das nicht geändert.
Ja wie war das damals eigentlich? War ja schon eine Weile her und ich fing an zu Überlegen:
Bevor ich Mama wurde, musste ich nie Spielzeug aufräumen, das sich mit Kanten in meine Fußsohlen bohrte. Ich kümmerte mich auch nicht um irgendwelche Kinderlieder.
Bevor ich Mama wurde, hat mich nie einer vollgekotzt, angesabbert, mich angepinkelt oder den ersten Zahn an meiner Schulter ausprobiert.
Ich konnte die Nächte durch schlafen, fühlte mich nicht wie gerädert.
Bevor ich Mama wurde, hielt ich nie ein Baby im Arm und wusste nicht, welch schönes und beruhigendes Gefühl mir das Leben schenken würde, wenn ich ein hungriges Baby stillte.
Mir war nicht bewusst, welch Erfüllung so ein kleines Geschöpf sein kann und welch überwältigenden Empfindungen man kennenlernen darf.
Wie sollte ich auch vorher wissen, dass mein Leben von so etwas Kleinem so beeinflusst werden kann?
Mitleidig habe ich damals im Wartezimmer die Mütter beobachtet, die mit ihren Kindern "kämpfen" mussten. Ein paar Jahre später wusste ich, wie Kräfte raubend es sein kann, wenn man ein schreiendes Kind festhalten muss, damit der Doktor es untersuchen kann oder wenn es seine wichtige Impfung bekommen musste.
Nie zuvor habe ich in ein tränenüberströmtes Gesichtchen gesehen und habe selbst angefangen zu Weinen.
Bevor ich Mama wurde, konnte ich mir nicht vorstellen welches Glücksgefühl es ist, wenn man ein kleines zahnloses Lächeln geschenkt bekommt. Das Gefühl, das man ein Stück ICH vor sich sieht.
Diese Wärme, die große Liebe, das Staunen und die Erkenntnis: ich bin Mutter, während man diesem kleinen Menschen voller Freude und Glück jeden Tag beim Wachsen, Spielen und Schlafen zu sehen darf.
Ich bin so dankbar für diese Erfahrungen.