Vom Igel Schniefke
Schniefke war ein noch sehr kleiner Igel. Er wurde erst in diesem Jahr geboren.
Immer wenn er mit Mama und Papa auf Erkundungstour im Garten der Familie Schneider ging, schniefte er aufgeregt vor sich hin. Deshalb nannten ihn seine Eltern Schniefke.
Anders als seine Schwester war Schniefke ein neugieriger kleiner Kerl. Er musste immer unter jedem kleinen Hügel nachsehen, was es dort zu finden gab.
Papa hatte ihn vor den Hunden der Familie Schneider gewarnt und hatte ihm gezeigt, wie man sich schnell ganz rund machen konnte und die Stacheln zeigte. Das konnte Schniefke schon ganz gut.
Im großen Garten gab es jede Menge essbare Früchte und die gute Oma Schneider legte manchmal ein paar leckere Äpfel an den Eingang des Igel-Baus. Wenn man gut auf die beiden Hunde acht gab, war es ein herrliches Igelkinder-Leben.
Als aber die Sonne nicht mehr so kräftig schien, wurde es hektisch bei den Igels. Mama Igel erklärte Schniefke und seiner Schwester, dass der Nordwind bald über das Land wehen würde und es dann ungemütlich und kalt werden würde und schließlich würde weißer nass-kalter Schnee alles Essbare zudecken. Deshalb kuscheln sich die Igel zusammen und schlafen den ganzen Winter hindurch in ihrem warmen Bau.
Herr Schneider hatte extra für die Igel einen neuen Laub-Haufen aufgestapelt und die Igels fühlten sich auch sehr wohl darin.
Kurz bevor sie sich zum Schlafen legten, wurde noch einmal ordentlich gespeist, damit der Winterspeck für den ganzen langen Winter reichte.
"Wie sieht der Schnee eigentlich aus?", fragte Schniefke den Papa beim letzten gemeinsamen Abendessen.
"Tja, so genau weiß ich das auch nicht. Er soll weiß und nass sein.", erklärte der Papa und gähnte.
Da hatte Schniefke eine Idee. Er würde warten, bis der Rest der Familie schlief, dann würde er nachsehen gehen.
Das Warten fiel ihm nicht leicht. Immer wieder fielen auch seine kleinen Äuglein zu.
Aber endlich schliefen sie alle.
Schniefke bahnte sich einen Weg nach draußen. Es war sehr kalt und der Boden war hart gefroren, die kleinen Igel-Beinchen waren schnell kalt. Aber er fand nichts, was wie Schnee aussah.
Erst als er am nächsten Morgen vor den Bau trat, war alles weiß. Das musste der Schnee sein, von dem der Papa ihm erzählt hatte. Zunächst bemerkte Schniefke die Kälte nicht. Zu sehr faszinierte ihn der Schnee. Er war weich und gar nicht so nass.
Schniefke spielte im Schnee bis er ganz müde war. Da wollte er zurück in den Bau, aber wo war der Bau? Der Schnee hatte alles weiß überzuckert. Alles sah plötzlich gleich aus. Schniefke lief kreuz und quer durch den Garten, doch ihm war alles fremd.
Als er schließlich ganz verzweifelt war, kam Julia, die kleine Enkelin der Schneiders aus dem Haus und bemerkte ihn. Sie schimpfte erst einmal mit Dixie dem Hund, der den kleinen Igel laut und bedrohlich anbellte.
Dann holte sie den Opa. Opa schickte Julia, einen Schuhkarton zu holen. Vorsichtig legte sie den kleinen, frierenden Schniefke hinein.
"Was machen wir mit ihm?", fragte Julia ihren Großvater.
"Wir können ihn nicht behalten. Ich weiß nicht so genau, was ein kleiner Igel braucht. Wahrscheinlich würde er sterben. Aber in der Stadt gibt es eine Igel-Klinik. Wir schaffen ihn dorthin."
Die nette Dame in der Igel-Klinik nahm den kleinen Ausreißer gleich in Empfang. Opa hatte ja vorher schon bei ihr angerufen.
"Muss er sterben?", fragte Julia ängstlich.
"Nein, ich glaube nicht. Er ist ein kräftiges kleines Kerlchen. Jetzt bringe ich ihn zum Tierarzt. Und wenn er gesund ist, kümmere ich mich bis zum Frühjahr um ihn. Und dann bekommt ihr ihn zurück."
Und tatsächlich: Schniefke überstand den Winter in der Igel-Klinik und konnte im Frühjahr zu seiner Familie zurück.
Mama und Papa schimpften mit ihm, doch dann waren sie doch froh, dass sie alle wieder zusammen waren.