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Der weiße Hase

Die Sonne hatte sich schon vor einer guten halben Stunde ihr dickes Bettzeug zurecht geschüttelt - sie war gerade dabei schlafen zu gehen.

Kurz vorher hatte sie noch in alle Ecken und Winkel geschaut, ob hier unten auf der Erde auch alles Ordnung war. Das tat sie jeden Abend, bevor sie schlafen ging. Wenn sie es einmal nicht konnte, weil die Wolken davor waren, machte sie die ganze Nacht kein Auge zu. Morgens war ihr das gut anzusehen - richtig gelb sah sie denn aus.
Den kleinen Johann in dem großen, dichten Brombeerbusch hat sie nicht sehen können, weil er sich ganz weit nach unten verkrochen hatte. Nun hatte sie schon allen Tieren und Menschen gute Nacht gesagt, und war hinter dem Horizont schlafen gegangen. Der kleine Johann hockte ganz unten in dem Brombeerbusch - er traute sich nicht nach Hause. Heute mittag, als seine Mama sich ein wenig hingelegt hatte - weil sie nachts arbeiten mußte - wollte er doch bloß ein bißchen mit dem Finger aus dem Sahnetopf probieren. Dabei ist der Topf mit der Sahne man so über den Tisch gesaust, und auf dem Fußboden in tausend Stücke zersprungen.
Alles rings herum war voller Sahne. Johann ist, ohne sich umzugucken, aus der Küche gerannt - quer durch den Garten - und so in den Brombeerbusch rein.

Und da sitzt er nun - und traut sich nicht. Durch die Bäume blinkert noch der helle Himmel - aber unter den Bäumen und in dem Buschwerk - da ist es schon kräftig schummrig. Er weiß bald nicht mehr, was größer ist - die Angst vor dem nach Hause gehen - oder die Angst vor der dunklen Nacht. Von allen Seiten hat er seinen Namen schon laut rufen gehört - die ganze Familie sucht ihn - den kleinen Johann. Plötzlich kriegt er einen gehörigen Schrecken - irgendetwas ist ihm in den Schoß gesprungen. Sein kleiner, weisser Hase ist ihm nachgekommen - der hat ihn gefunden. Was soll er bloß tun? Mümmel war da - der konnte doch nicht hier draussen bleiben - hier unterm Brombeerbusch. Mümmel würde ja krank werden.
Ein paar Minuten wartet er noch - Mümmel darf nicht krank werden. Nein, dann lieber die Schimpfe für den zerbrochenen Sahnetopf. Er hält Mümmel fest im Arm - kriecht ‘raus aus dem Brombeerbusch - und rennt schnurstracks nach Hause. Man - haben Oma und Opa gefreut - und Mama erst.

Ja - und weil ihm sein Mümmel wichtiger war, als keine Schimpfe zu kriegen, hatte der liebe Gott schon dafür gesorgt, daß die Großen die Sache mit dem Sahnetopf längst vergessen hatten.

 

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