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Ein Geschöpf auf langen Beinen

Oben, im ersten Stock des Hauses, dreht sich auf dem Balkon eine Windmühle. Du kennst diese Windmühlen, in vielen bunten Farben. Auf dem Rummelplatz gibt es meistens einen Stand, wo sie in allen Größen und Farben verkauft werden. Vor so einem Stand sah man träumend Ina immer … und jetzt…
…liegt Ina träumend im Liegestuhl auf dem Balkon und beobachtet das lustige Drehen des Windmühlrades und genießt die Sonnenstrahlen, die durch die dicke Tanne gucken und ihren Körper wärmen. Ab und zu blinzelt sie mit einem Auge zum Himmel, denn ab und zu zieht eine dicke Wolke vorbei und setzt sich auf die Nasenspitze der Sonne. Noch spannender ist es aber zu beobachten, ob irgendetwas oben in der Luft zu entdecken ist.
Kaum hatte sie den Gedanken zu Ende gedacht, sah sie oben am Himmel einen großen Vogel, der seine Kreise unter den Windwolken zog. War wohl ein Bussard- Von der Birke kommt ein Schmetterling aufgeregt herübergeflogen, es ist ein Zitronenfalter, der sich vor Inas Augen auf die Balkonblumen niederlässt und dort versucht, ob es was zu essen oder trinken gibt.
So ist hier alles ganz schön aufregend auf dem Balkon. Auch die Bienen, die um die Balkonpflanzen summend herumfliegen versuchen sich auch in den Blütenkelchen satt zu trinken. Sie sind unwahrscheinlich emsig bei der Arbeit. Sie haben ja auch eine große Auswahl an verschiedenfarbigen Blumen auf so einem Balkon und umkreisen summend jede einzelne Blüte, jede anders aussehende Blüte.

Herrje, jetzt wurde es Ina im Moment doch zu viel. Wer war das… was war das…? Sie schnellt hoch aus dem Liegestuhl… Ihr großer Zeh ist mit einem gewaltigen Stoß an das Geländer gekommen.
Sie sucht, sie überlegt – da war was - wer war der Übeltäter -
- irgendjemand hat sie da gezwickt - gebissen - wollte Blut saugen? Hat sie aus ihren Träumen gerissen, sie ist ärgerlich, sie ist geschockt, sie ist empört, ein Schrei entweicht ihren Lippen.
Wer konnte das nur gewesen sein? Nein, nein, die kleine Ameise, die dort unten auf dem Boden krabbelt ist es bestimmt nicht gewesen, sie würde ein Brennen auf der Haut hinterlassen.

Der kleine Käfer, da drüben auf der Balkonbrüstung, der gerade seine Fühler sauber putzt, war es bestimmt auch nicht. So schnell konnte er sich nicht von ihr entfernen und sie hatte ihn auch nicht so schnell in die Luft befördert. Aber was oder wer konnte es sonst sein? -
Ach, nun wollte sie gar nicht mehr darüber nachdenken, denn sie wollte lieber wieder träumen und ihren Gedanken nachgehen.
…ach, was interessiert es im Augenblick....., ich schließe einfach meine Augen..... und träume weiter..... und stelle mir die Ameisen, die Käfer in ihrer Vielzahl vor, die in unseren Gräsern und Wiesen Zuhause sind. Wieviel verschiedene Arten - große und kleine Käfer in wunderschönen Farben. Die Schmetterlinge, welche Zartheit und Farbenpracht sie uns zeigen…
Sie blinzelt noch einmal… dort, zwanzig Zentimeter vor ihr, jetzt hat sie es entdeckt - ein Geschöpf auf langen, angewinkelten Beinen - ja, das muss es gewesen sein, was mich gezwickt hat. Ein paar Zentimeter weiter sitzt ein zweiter auf der Lauer und nun geschieht das, was Ina nicht glauben konnte - er hüpft auf ihren Oberschenkel. Ein riesiger Sprung für so ein kleines Geschöpft. Und diesmal hat sie ihn nicht fort gejagt, denn sie wurde doch neugierig und wollte sehen, ob dieses Geschöpft wirklich der Übeltäter war.
Ja, er war es und er ist es. Er sieht grasgrün aus und sitzt mit seinen angewinkelten Beinen auf ihrem Oberschenkel. Es ist ein Grashüpfer, ihr Geschöpf auf langen Beinen. Sie hat nicht gewusst, dass er so wild und böse zwicken kann - und zwar so, dass man tatsächlich ihn mit einer Mücke oder gar Biene vergleichen könnte.
Ich sehe das Lächeln auf Inas Gesicht, was mir sagt … ein bisschen übertrieben hat sie schon.
Jetzt sitzt er ganz still und sie hat das Gefühl, dass sie aus großen runden Augen angeschaut wird und gefragt wird, …darf ich hier sitzen bleiben…?
Ob er Ina als großes Ungeheuer sieht, denn er ist ja nur drei bis vier Zentimeter groß. Dafür sind aber seine Fühler doppelt so lang wie er selber. Er zwickt wieder - sie lässt es zu - denn sie denkt, dass er in diesem Moment sehr glücklich und zufrieden ist.
Können Grashüpfer auch glücklich sein - wie sie es in diesem Moment ist?
Seine Augen kann sie sehr gut erkennen, sie liegen seitlich und beobachten sie immer wieder. Die Fühler sind feingliedrig und voll ausgestreckt nach oben gerichtet und er ruht auf seinen angewinkelten Hinterbeinen am liebsten.
Der Weg zum Balkon, von der Wiese her muss ihm sehr weit vorkommen. Das Zwicken werden wohl seine kleinen Widerhaken an seinen Beinchen verursachen, denn sonst könnte er sich ja nicht am Mauerwerk halten. Das war ein großer Ausflug von der Wiese hier hoch auf den Balkon. Und es scheint, er fühlt sich hier pudelwohl. Wie lange Meter musste er wohl hüpfen bis er hier oben war?
Tage danach sah sie - in ihrem Schlafzimmer an den Wänden seine Artgenossen, seine Schwestern und Brüder ruhig vor sich hin träumend, genauso, wie sie es auf dem Balkon getan hatte, bevor er sie aus ihren Träumen riss - durch seinen kleinen Biss.

 

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Kommentar von: Jörg Freimuth 2010-11-18 11:40
Schöne Geschichte, aus persönlicher Erfahrung, hat man erstmal so ein Teil im Schlafzimmer, wird man nicht mehr schlafen. Aber darum ging es in der Geschichte nicht. An Anfang dachte ich, Ina sei das Geschöpf mit langen Beinen, von dem die Überschrift spricht :) Also die Geschichte ist solide. Sie berührt mich zwar kaum, aber du schreibst über einen Grasshüpfer, deswegen wäre das wohl unmöglich gewesen. ** ** ** **
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