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Die Abenteuer von Emil und Erwin

„Im Lande Federleicht“

Das prächtige Schloss lag in mitten des Landes Federleicht, irgendwo weit, weit entfernt. In diesem Schloss, lebte und regierte der gutmütige König Pumpernickel über das verzauberte Land, zusammen mit der wunderschönen Prinzessin Meerrettich, seiner Tochter.
Rings um das Schloss des Königs, standen die Häuser und Hütten seines Volkes. Dort befand sich die Bäckerei vom Bäcker Bretzel, die Hütte vom Hofschmied Hämmerlein und auch der große Bauernhof des Bauern Heinrich von Butterberg, mit seinen Äckern und Feldern, die sich weit in das östliche Land erstreckten und an die weiten Wiesen angrenzte.
Vom höchsten Turm des Schlosses aus, konnte man das ganze Land überblicken.
Man sah im Westen den Wanderwald mit seinen immergrünen Bäumen, direkt hinter dem fransigem Fluss, der sich am Rand des Waldes entlang wand.
Im Süden, konnte man die sich drehenden Flügel der weinenden Windmühle erkennen, in welcher der Zauberer Zimperlich wohnte und im Osten, ragten die blassen Berge in den blauen Himmel, von denen man sich erzählte, das dort ein Drache mit dem Namen Dussel lebte.
Es war ein wunderschönes Land, auf dessen Wiesen Butterblumen und Löwenzahn blühten, viele bunte Vögel in den Ästen der Bäume zwitscherten und Kühe und Schafe in Frieden nebeneinander grasten.
Direkt angrenzend an die Mauern des Schlosses, hatte man eine prächtigen Stall erbaut, in dem die Pferde des Königs und seines Gefolges untergebracht waren. Das heißt nicht ganz. Ein einfacher Ackergaul, der auf den Namen Erwin hörte und eigentlich auf den Feldern des Bauern von Butterberg seine Arbeit verrichtete, nannte diesen Stall ebenfalls sein Zuhause.
Den Erwin, war neben seinen Verpflichtungen beim Bauern von Butterberg, der beste Freund des Hengstes Emil.
Der Hengst Emil, war ein stolzes und schnelles Pferd, mit glattem, strahlend braunem Fell und einer säuberlich gebürsteten schwarzen Mähne. Wohingegen Erwin, der Ackergaul, eine eher zottelige blonde Mähne hatte, die kaum eine Bürste gesehen hatte und sein Fell welches leicht gräulich erschien, wurde auch nur selten gestriegelt. Aber so war das nun mal bei Ackergäulen. Diese Kaltblüter waren als Arbeitspferde geboren und genossen nicht den Luxus den Emil, als Hengst im Dienste des Ritters Rotznase, genoss.
Der Ritter Rotznase, war ein wahrer Held im Lande Federleicht. Er war bekannt für seine glänzende Rüstung und seinen Heldenmut, aber leider auch für seine große, rote Nase. Den der Ritter litt unter einer stets andauernden Erkältung. Doch dies schmälerte seinen Heldenmut nicht und wenn der König ihn abermals in ein Abenteuer schickte, würde er stolz und anmutig auf seinem Hengst Emil davon reiten und seine Pflicht als Held tun. Und immer dabei, als Lastentier für des Ritters Ausrüstung und Verpflegung, der Ackergaul Erwin.
Schließlich waren Emil und Erwin beste Freunde und würden sich nie im Stich lassen. Selbst dann nicht, wenn der Ritter Rotznase wieder mal ununterbrochen nieste und schniefte. Denn eigentlich, waren es diese beiden Freunde, welche die wahren Helden dieser Geschichten im Land Federleicht sind und nicht der Ritter Rotznase. Aber seht selbst…

„Der tanzende Riese“

Und so begab es sich, das der Bauer von Butterberg bei König Pumpernickel vorsprach.

Der König saß auf einem großem, prächtigem Thron aus Gold, welcher mit Edelsteinen geschmückt war und sah geduldig zum Bauern von Butterberg, als der sich vor Ihm und der Prinzessin Meerrettich, welche neben dem König saß, verbeugte.
„Mein König,“ sprach der Bauer und hielt seinen Hut vor seinem dicken Bauch.
„Es ist furchtbar. Schon wieder hat der Riese meine Äcker und Felder verwüstet. Seine Fußspuren, welche so tief sind, das ich bis zum Gürtel in der Vertiefung stünde, sind auf dem ganzen Feld verteilt und haben das Gemüse welches ich dort angepflanzt hab, zertreten.“
Der König hörte aufmerksam zu und nickte mit dem Kopf, auf welchem er eine wunderschöne, goldenen Krone trug, während der Bauer sprach.
„Das ist nun schon das dritte Mal, das der Riese meine Felder verwüstet hat und ich fürchte, das ich dadurch nicht genug Obst und Gemüse ernten kann um das Dorf und euren Hofstaat zu versorgen.“
Die Augen des Königs wurden größer und größer, als der Bauer sein Angst um die ausbleibende Ernte schilderte und ihm war klar, das etwas gegen den Riesen unternommen werden musste. Schließlich sollten die Bewohner des Dorfes und natürlich auch die Prinzessin, der König und sein Hofstaat, keinen Hunger leiden müssen.
„Ich verstehe, das es so nicht weiter gehen kann.“ sprach der König, während er sich von seine Thron erhob. „Ich werde sofort den Ritter Rotznase daran setzen, das er den Riesen für immer aus Federleicht vertreibe.“
Der gutmütige König sprach mit ernster Stimme und keine Fliege im Thronsaal des Schlosses hätte es gewagt zu husten, während König Pumpernickel weiter sprach.
„Gräme dich nicht länger, Bauer von Butterberg. Schon bald wird der Riese deine Felder nicht mehr zertreten und die Ernte an Gemüse und Obst wird wieder maßlos sein.“
Der Bauer von Butterberg nickte dankbar und war sichtlich erleichtert, das er sich nicht länger vor dem Riesen fürchten müsse. Wenn der Ritter Rotznase erst mit dem Riesen fertig wäre, würde er in Frieden seine Äcker bestellen können, seine Gemüse und das süße Obst anpflanzen können und niemand im ganzen Reich von Federleicht müsse je Hunger leiden.
Nachdem der König sich wieder gesetzt hatte und seine Hand sanft auf der Hand der Prinzessin Meerrettich ruhte, nickte er seinem Diener zu, das man den Ritter Rotznase rufen solle.
Eilig verließ der Diener den Thronsaal und es dauerte nicht lange, bis man die Fanfaren von den Türmen des Schlosse hörte, welche die Ankunft des Ritters Rotznase verhießen.
Die großen, hölzernen Türen des Thronsaals schwangen auf und mit langen Schritten, begeleitet vom Klappern seiner glänzenden Rüstung, betrat der Ritter Rotznase den Saal.
Die säuberlich polierte Rüstung des Ritters glänzte im Sonnenlicht, welches durch die großen Fenster im Saal hinein schien. Auf dem Kopf trug er einen silbernen Helm, mit geöffnetem Visier, auf dessen spitze eine große, blaue Feder thronte. An seinem Gürtel, trug er sein Schwert, das beim gehen leicht hin und her wippte und an seinem linken Arm, das Schild mit dem Wappen des Königreichs, einer großen weißen Feder auf blauem Hintergrund.
Und was auf keinen Fall vergessen werden sollte zu erwähne, war natürlich die große, gerötete Nase des Ritters, die ebenfalls im Sonnenlicht glänzte und ebenso bekannt war im Königreich, wie die Heldentaten des Ritters selbst.
Kurz vor dem Thron des Königs, blieb der Ritter Rotznase stehen. Man konnte hören wie er leise mit der Nase schniefte, als er sich vor dem König und seiner Tochter verneigte.
„Ihr habt nach mir rufen lassen, mein König.“ sprach er zum König und es klang, als so, als würde er mit einer verstopften Nase sprechen. Ihr wisst sicher wie so etwas klingt ?

„So ist es, Ritter Rotznase, Held von Federleicht.“ antwortete der König und versuchte das regelmäßige schnief, das der Ritter von sich gab zu überhören.
„Der Bauer von Butterberg hat mir zugetragen, das ein Riese seine Felder zertrampelt und so auch das Obst und Gemüse welches darauf wächst. Ich wünsche, das Ihr den Riesen aus Federleicht vertreibt, so das er nie wiederkehre.“ Der König sprach mit strenger Stimme so das der Ritter sich dem Ernst der Lage bewusst wäre.
„Ihr werdet zum Wanderwald reiten, den dort ist die Heimat der Riesen, und den Riesen aus dem Königreich vertreiben. Könnt ihr das bewerkstelligen ?“
Der Ritter musste nicht lange überlegen, bevor er seinem König antwortete.
„Ihr könnt Euch gewiss sein, das der Riese aus Federleicht vertrieben wird.“ gab er stolz zurück und verneigte sich abermals vor dem König und der Prinzessin, bevor er sich auf den Weg zu seinem Pferd machte.

Und genau an dieser Stelle kommen nun endlich unsere wahren Helden der Geschichte ins Spiel. Emil und Erwin, welche gerade im Stall des Königs vor sich hindösten, nachdem sie eine gute Portion Hafer und Mohrrüben verzehrt hatten. Erwin, der Ackergaul, hatte am Morgen für den Bauern von Butterberg auf dem Feld gearbeitet und war nun froh, das er etwas dösen konnte und auch Emil, der Hengst genoss es, ein kleines Nickerchen zu machen.

Als der Ritter Rotznase den Verschlag zum Stall öffnete, quietschte das Scharnier laut und begleitet vom Geklapper seiner Rüstung, machte er sich auf den Weg zu seinem treuen Hengst Emil.
 Emil und Erwin hatten natürlich längst das klappernde Geräusch der Rüstung gehört und waren aus ihrem wohlverdienten Nickerchen erwacht.
„Hörst du das ?“ fragte Emil Erwin. „Das ist doch Ritter Rotznases Rüstung. Da bin ich mir sicher. Bestimmt hat der König wieder einen Auftrag für ihn.“
Erwin schüttelte seine zerzauste, blonde Mähne und öffnete langsam die Augen. Er war noch müde und hatte eigentlich so gar keine Lust wach zu werden.
„Ja, das ist Rotznase.“ Er gähnte ausgiebig und ließ die Luft laut durch seine Nüstern entweichen. „Ich erkenne es an seiner schniefenden Nase. Das Geräusch ist nicht zu überhören.“
Emil wieherte leise mit einem Lachen. Ja Erwin hatte recht, das schniefen des ewig erkälteten Ritters, war wirklich unüberhörbar und noch viel lauter als das klappern seiner Rüstung.
Schließlich trat der Ritter Rotznase in Emils Verschlag und legte seine Hand auf den Kopf des Hengstes.
„Der König wünscht, das wir einen Riesen aus dem Land vertreibe, da er die Felder verwüstet. Komm wir brechen sofort auf.“
Emil nickte anmutig mit seinem großem Kopf und seine Mähne wehte leicht hin und her bei der Bewegung. „Kann Erwin mitkommen ?“ fragte er den Ritter, den er wollte auf keinen Fall ohne seinen Freund in das neue Abenteuer ziehen.
Erwin sah den Ritter fragend an obwohl er wusste, was dieser sagen würde.
„Natürlich kommt Erwin mit.“ sagte der Ritter schließlich. „Er muss schließlich meine Ausrüstung und meine Verpflegung tragen, die wir benötigen um den Riesen zu vertreiben.“
Das freute Emil sehr, obwohl er wusste, das der Ritter nie ohne Erwin in ein Abenteuer ritt, der für ihn die ganzen wichtigen Dinge trug, die ein Held so brauchte. Es musste eine Strohmatratze mit, damit der Ritter auch auf seinem Weg gemütlich schlafen konnte. Ein großer Sack mit eine Topf, einem Wasserkessel und Besteck musste mit, damit der Ritter sich was zu essen kochen konnte und wie jeder im Land wusste, aß der Ritter mit vorliebe und ausschließlich Hammelkeulen und Rostbraten. Weiterhin musste frische Unterwäsche mit, lange Strumpfhosen, damit er sich unterwegs nicht noch mehr erkältete und, wie sollte es anders sein, eine große Menge an Taschentüchern, für die ewig laufende Nase des Ritters Rotznase.

Nachdem man Erwin mit all diesen Dingen bepackt hatte, so viele Dinge, die nur ein Ackergaul wie er auf Dauer tragen könnte, schwang sich der Ritter auf seinen Hengst Emil und sie ritten gemächlich aus dem Stall, hinaus in das Dorf.

„Hast du Angst vor Riesen ?“ fragte Emil seinen Freund Erwin als sie nebeneinander her die Straße des Dorfes entlang ritten. der Kopf des Hengstes mit dem braunem Fell nickte leicht auf und ab während er voran trabte.
„Hmmm.“ sagte Erwin und versuchte Schritt zu halten. Er war schließlich kein so schnelles Pferd wie Emil, aber Ackergäule waren für ihre Kraft bekannt und nicht wegen ihrer Schnelligkeit.
„Eigentlich nicht. Ich habe gehört, das Riesen ganz freundliche Wesen wären, die im Wanderwald leben und sich um die großen, immergrünen Bäume kümmern. Ich kann mir nicht vorstellen, das der Riese das Feld mit Absicht zertrampelt hat.“
Emil begann zu galoppieren, als der Ritter ihm mit den Zügeln das Zeichen gab. Sie hatten das Dorf hinter sich gelassen und waren nun auf dem Weg, der zum fransigem Fluss führte. Es gab eine kleine Brücke, welche über den Fluss und somit direkt in den Wandwald führte. Das war ihr Ziel.
„Vielleicht hat der Riese gar nicht gemerkt, was er mit seinen großen Füssen tat als er über das Feld lief.“ sagte Emil und sah zu, das er nicht zu schnell galoppierte, damit Erwin noch mit käme.
Erwin nickte. Das wäre wohl ein Erklärung. Schließlich waren die Riesen so groß, das sie nicht immer darauf achteten, wo sie mit ihren ebenfalls großen Füssen hintraten.

Nachdem sie eine Weile galoppiert waren, erreichten sie endlich die kleine Brücke, die über den fransigen Fluss führte. Die Brücke war aus grauen, Steinen gemacht, zwischen deren Ritzen Moos wuchs und war leicht gebuckelt, so das sie nicht einbrach, wenn man sie überquerte.
Hinter der Brücke konnten Emil und Erwin schon den Wanderwald sehen. Die großen Bäume reichten weit in den Himmel hinein und es schien als würden sie mit ihren Kronen den Himmel kitzeln können. Die vielen, vielen grünen Blätter tanzten leicht in der sanfte Brise und das Geräusch das sie dabei machten klang, als würden sie singen. Überhaupt sagte man dem Wanderwald nach, sehr musikalisch zu sein, ein Grund dafür, das sich die Riesen in ihm wie zuhause fühlten. Ein anderer Grund war sicherlich der, das die Bäume beinahe eben so groß waren wie die Riesen, und sie sich so sehr gut zwischen Ihnen verstecken konnten.
Wie also sollte man den Riesen den nun finden, der die Felder zertrampelt hatte ?

Langsam führte der Ritter Rotznase den Hengst Emil über die Brücke, dicht gefolgt von schwer bepackten Erwin.
Vorsichtig trabten sie nun in den Wanderwald hinein. Der Boden war von unzähligen Blättern der Bäume bedeckt, und jeder Schritte verursachte das bekannte Raschelgeräusch das man hörte, wenn man durch Blätter watete.
 Der Ritter Rotznase hielt schniefend Ausschau ob er eine Spur des Riesen ausmachen könne, während sich Emil und Erwin ganz auf den Weg konzentrierten, damit sie nicht über einen der am Boden liegenden Äste stolperten.
 So trabten sie sicherlich zwei Stunden durch den Wanderwald. Doch eine Spur des Riesen konnten sie nicht entdecken.
„Woher wollen wir den wissen ob der Riese noch hier ist ?“ fragte Emil, der es langsam müde war, im Wald umher zu irren.
 „Ein gute Frage,“ meinte Erwin, „Wer weiß ob der Riese nicht wieder ins Dorf gegangen ist und abermals die Felder verwüstet, wenn auch versehentlich ?“
 Der Ritter Rotznase antwortete nicht. Er war zu sehr beschäftigt, die Gegend im Auge zu behalten, hoffend doch noch eine Spur des Riesen zu finden.

Nachdem sie weitere zwei Stunden im Wald verbracht hatten, wurde auch der Ritter entmutigt und er sagte seinem Hengst und Erwin, das sie in der Lichtung, die sie gerade entdeckt hatten, erst mal ein Lager aufschlagen würde um dann am nächsten Morgen weiter zu suchen.
Die Pferde hatten nichts einzuwenden, da ihre Beine langsam müde wurden und Hunger hatten sie auch.
Also entlud der Ritter den Ackergaul Erwin und machte sich daran sein Lager einzurichten. Er machte ein kleines Feuer, über welche er sich Tee kochte und gab Emil und Erwin einen guten Batzen Mohrrüben zum essen.
Während die beiden Freunde zusahen wie der Ritter sich auf einem der holen Baumstämme, die überall im Wald verstreut lagen, setzte, kauten sie genüsslich auf den Mohrrüben und freuten sich schon auf ein kleines Nickerchen.

Doch plötzlich schrak ein lautes Geräusch die beiden Freunde und den Ritter auf.
Es klang als würde jemand mit langsamen Schritten über Äste und Blätter hinweg gehen und es knisterte und knackte furchteinflössend.
„Die…die Schritte kommen näher.“ sagte Erwin ängstlich und ging hinter Emil in Deckung.
„Das muss der Riese sein.“ stellte Emil fest und sah, wie der Ritter von seinem Baumstamm aufsprang und nach seinem Schwert griff. Angespannt lauschten die drei in den Wald hinein.

Und da. Sie hatten recht. Kurze Zeit später, die Schritte waren lauter und lauter geworden und immer näher gekommen, da trat ein Riese in die Lichtung und den Schein des kleinen Feuers, das der Ritter gemacht hatte.

Emil und Erwin staunten nicht schlecht. Und auch der Ritter Rotznase war überwältigt von der imposanten Größe des Riesen.
Sein Kopf ragte eben noch über die Wipfel der eh schon sehr hohen Bäume und seine Beine wirkten wie mächtige Baumstämme, in schmutzigen Stoffhosen gekleidet. Und seine Füße, diese riesigen Füße, unter denen locker zwei ganze Häuser hätten zertreten werden können, waren in dicke Latschen aus Leder gehüllt.

„Ich hab hier doch Stimmen gehört und ein Feuer gerochen.“ sprach der Riese mit einer dunklen, brummigen Stimme und sah zu seinen Füßen hinunter.
Nun erhellte das Licht des Feuers auch das Gesicht des Riesen. Er hatte zerzaustes, rötliches Haar, das wild bis auf seine Schulter reichte und sanfte, grüne Augen. Seine Nase erinnerte an eine knollige Kartoffel und sein Mund war beinahe ganz von einem zausseligem, rotem Bart verdeckt.

Emil und Erwin standen stocksteif da und machten keinen Mucks. Der Ritter Rotznase hingegen, trat auf den Riesen zu und hob sein Schwert, so das der Riese es sehen könne.
„Sagt mir, Riese.“ befahl er, „Seid Ihr es, der im Dorf die Felder zertrampelt hat ?“
Mutig sah er den Riesen an und ließ keinen Zweifel daran, das er keine Angst vor ihm hatte.

Der Riese schmunzelte, als er den kleine Ritter vor seinem großem Zeh erblickte.
Er ging in die Hocke, wobei sich einige der Baumwipfel zur Seite bogen als sein riesiger Popo sich platz dazwischen suchte und sah freundlich zum Ritter Rotznase.
„Ihr könnt euren Zahnstocher wieder einpacken.“ begann er freundlich, obgleich die Lautstärke seiner Riesestimme einem Gewitter ähnelte. „Ich bin keine Gefahr für dich und deine Pferde.“ Er sah kurz zu Emil und Erwin und lächelte sie an. Dann wand er sich wieder dem Ritter zu.
„Ihr könnt mich Reisich nenne. Ich bin der Riese Reisich.“

Ritter Rotznase, tat wie der Riese gesagt hatte und steckte sein Schwert vorerst in den Gürtle zurück.
„Ihr könnt mich Ritter Rotznase nenne.“ antwortete der Held von Federleicht und deutete auf seine Pferde. „Und das sind Emil und Erwin.“

„Freut mich euch kennen zu lernen.“ sagte der Riese Reisich freundlich und man konnte sehen, das auch Emil und Erwin entspannten und freundlich einen Gruß nickten.
„Ich hatte den Rauch gesehen in der Ferne und dachte mir, das ich besser mal nachsehen gehe, versteht Ihr ? Es hätte ja ein Feuer sein können das ausgebrochen war und Ihr wisst, wie gefährlich das für den Wald wäre. Ich liebe diesen Wald zu sehr und passe deshalb gut auf ihn auf.“

Der Ritter nickte verstehend. Es war immer gefährlich ein Feuer im Wald zu entfachen aber er war sorgsam genug und hatte das Feuer nie unbeobachtet gelassen.
„Es freut mich zu hören, das Euch der Wald so sehr am Herzen liegt, Riese Reisich. Aber dennoch muss ich dich abermals fragen : Hast du die Felder im Dorf zertrampelt ?“

Der Riese runzelte die Stirn als er nachdachte und mittlerweile, waren auch Emil und Erwin näher an den Riesen heran gekommen.

„Vielleicht ja nur aus versehen.“ sagte Emil und lächelte den Riesen freundlich an.

„Hmmm.“ sagte der Riese. „Es wäre möglich.“ Seine Stirn warf unzählige Falten als er nachdachte. „Wisst ihr, „ sprach er weiter. „Ich komme gerne in Euer Dorf, wenn ich Langeweile habe. Und manchmal, wenn ich in der Nähe des Bauernhofs komme, ertönt dort diese wundervolle Musik einer Flöte. Ich glaube es ist der Bauer, der nach getaner Arbeit in seinem Kämmerlein Flöte spielt. Und es ist wunderschön und ich höre gerne zu wenn er Musik macht. Und manchmal fange ich auch an zu tanzen, so schön ist die Musik.“

Der Ritter hatte aufmerksam zugehört. Er verstand, das dem Riesen die Musik gefiel die er dort gehört hatte aber nichts desto trotz hatte er die Felder zertrampelt.
„Hör zu Riese.“ sagte er streng. „So leid es mit tut, aber selbst wenn die Musik des Bauern so schön ist, muss ich die vertreiben aus dem Königreich. Du hast dreimal die Felder und somit die Ernte verwüstet und der König verlangt, das du Federleicht für immer verlässt. Das ist sein Wille.“

Der Riese war empört. Was wagte sich dieser kleine Ritter in seiner blechernen Rüstung ihm so etwas zu befehlen. Er begann laut zu lachen. Was sollte der Ritter den schon machen. Er war nicht viel größer als der kleine Finger des Riesen und hätte ihn unmöglich zwingen können das Land zu verlassen.
Der Ritter wurde zornig über das Lachen des Riesen und griff nach seinem Schwert.

In diesem Moment, sprang Emil dazwischen und kurz darauf auch Erwin.

„Wartet, so wartet doch. „begann Emil hastig zu sprechen. „Weshalb direkt eine Streit anfangen.“
Erwin nickte zustimmend und sagte : „Sicher, der Riese hat die Felder versehentlich zertrampelt als er zur Musik des Bauern getanzt hatte. Aber ist das den Grund genug ihn so hart zu betrafen ? Nur weil er Musik liebt und gerne tanzt ?“
Emil war der gleichen Meinung.
„Es muss eine andere Lösung geben, mit der sowohl der König, als auch der Riese zufrieden sind.“

Der Ritter und der Riese sahen die beiden Pferde fragend an. Natürlich wären sie beide mit einer glücklichen Einigung zufrieden gewesen. Der Ritter fühlte keinen Groll gegen den Riesen, den er hatte im Grunde nichts böses getan und der Riese wollte doch nur Musik hören und dazu tanzen können.

„Aber was wollt ihr tun ?“ fragte der Riese Emil und Erwin.

Emil und Erwin dachten angestrengt nach. Ihnen musste etwas einfallen, da der Ritter den Riesen ansonsten verjagen würde und der Riese sicherlich sehr unglücklich gewesen wäre.
Dann fiel Erwins Blick auf den holen Baumstamm auf dem der Ritte gesessen hatte.
„Ich hab da eine Idee.“ sagte er verheißungsvoll und flüsterte Emil etwas ins Ohr.

Sofort machten sie sich an die Arbeit. Sie holten den Ritter und sein scharfes Schwert zu dem holen Baumstamm und erklärten ihm, was er zu machen habe. Sofort begann der Ritter den Baumstamm mit dem Schwert zu bearbeiten, während der Riese verwundert und neugierig dreinschaute.
„Was macht ihr den da ?“ fragte er die drei aber Emil sagte ihm, das er Geduld haben müsse und da Problem bald gelöst sei und er nicht aus dem Königreich vertrieben werden müsse.

Als der Morgen graute und die Vögel in den Ästen der Bäume zu zwitschern begannen, war es endlich voll bracht.
Der Riese staunte nicht schlecht als er sah, was der Ritter mit Hilfe seines Schwertes aus dem holen Baumstamm geschnitzt hatte.
Er hatte mehrere Löcher in den Stamm geschnitzt und an einem Ende, die Öffnung des Stammes zu einer Mundöffnung geformt.

„Eine Flöte für einen Riesen.“ sagte er schließlich voller Freude und lächelte breit.

Der Ritter Rotznase nickte zufrieden und ließ den Reisen die Baumstammflöte aufnehmen.

„Jetzt kannst du selber Flötespielen und dazu tanzen und brauchst nicht mehr auf die Felder des Bauern zu gehen wenn du Musik hören möchtest.“ erklärte Erwin der sichtlich stolz auf diese Idee war.
„Dann ist der Bauer zufrieden, das seine Felder nicht mehr verwüstet werden, der König auch und sogar Du, lieber Riese Reisich.“

Der Riese war außer sich vor Freude und dankte Emil, Erwin und dem Ritter Rotznase hundertmal. Sofort, führte er das Mundstück der Flöte an seine Lippen und begann eine lustige Melodie zu spielen. Er vermied es zu tanzen, solange der Ritter und die Pferde anwesend waren, um nicht versehentlich auf sie zu treten.

„Vielen, vielen Dank.“ sagte der Riese, als sich der Ritter Rotznase, Emil und Erwin wieder auf den Weg zum Schloss machten. „Vielen dank für die Flöte und das ich im Wanderwald bleiben darf. Ich verspreche, das ich nicht mehr auf den Feldern laufen werde und wenn ihr einmal Hilfe von einem Riesen braucht, dann sagt mir bescheid.“

Der Ritter Rotznase, Emil und Erwin bedankten sich bei dem Reisen und waren froh, das sie eine so glückliche Lösung gefunden hatten.
Sie wussten, das der König damit einverstanden sein würde und den Riesen im Wanderwald verbleiben lassen würde, solang er den Feldern fern blieb.

Und Emil und Erwin wussten, das es der Ritter Rotznase wäre, dem man für diese Heldentat danken und ehren würden, obgleich die Idee mit der Flöte von ihnen kam.
Aber das störte sie nicht. Sie kannten den Ritter Rotznase gut und er würde sich auf seine Weise bei ihnen Bedanken, mit einer extra Portion Mohrrüben und Hafer. Und vielleicht auch eine extra Striegelstunde.

Das wichtigste war, das alle Zufrieden waren und niemand im Nachteil geraten war.

Und schon bald, kehrten sie wieder im Schloss des Königs Pumpernickel ein, wo man sie mit gebührenden Ehren empfing. Und im Stall des Hengstes Emil und des Ackergauls Erwin, wartete schon ein großer Berg an Mohrrüben, das es ihnen das Wasser im Mund zusammen laufen ließ.

Und während sie hörten, wie der König im Thronsaal in den höchsten Tönen über den Ritter Rotznase sprach, dösten die beiden wahren Helden vor sich hin und machten ihr verdientes Nickerchen.

 

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