Die Seelen der Toten
Prolog
Die verwahrloste Wohnung schien auf den ersten Blick unbewohnt, aber die Nachbarn wussten dass dort durchaus jemand wohnte.
Der dunkle Schatten an der Wand nahm im Schein des Mondlichts Gestalt an, ein Mann, dessen zitternde Hände eine Whiskyflasche umklammerten, stand über ein Kind gebeugt. Die Augen des Mannes flackerten irre, die Faust hatte er drohend erhoben. „ Du kleiner…!“, zischte er, „Eine Schande das mein Blut in deinen Adern fließt!“ Der Junge hatte Angst, „Bitte tu mir nichts! Bitte tu mir nicht weh!“ flehte er. Aber sein fehlen nützte nichts. „Dir wird ich Manieren einprügeln!“ Von der Wucht des Schlages schwankend stieß der Junge gegen die Wand, Tränen flossen ihm über die Wangen aber er schrie nicht. Der Atem des Betrunkenen wehte ihm ins Gesicht als der nächst Fausthieben ihn traf.
Kapitel 1
Zehn Jahre später schreckte Rory Miller aus dem Schlaf hoch. Er brauchte einen Moment bis er die Umrisse seines Schrankes erkennen. Rory streckte die Hand aus und drückte den Knopf der Licht seines Funkweckers aufleuchten ließ.
5:00 Uhr zeigten die Zahlen. Er setzte sich auf, es lohnte sich nicht weiter zu schlafen, in einer Stunde hätte er sowie so auf stehen müssen. Rory stieß die Decke von sich und ging träge in die Küche. Er machte sich nicht einmal die Mühe das Licht an zu knipsen. Er machte sich eine Schüssel Cornflakes, ließ sich auf einen Stuhl fallen und schob sich den ersten Löffel in den Mund.
„Was sitzt du hier im Dunkeln?“ Ein Mädchen stand im Türrahmen. Sie stellte das Licht an, ging zur Anrichte und begann sich ein Brot zu schmieren. Dann wandte sie sich um und grinste, „Hast du deine Stimme verloren, Rory?“ „Nein, Amanda.“,geb er genervt zurück. Er ging zum Spülbecken, drehte den Wasserhahn auf und spritzte sich eisiges Wasser ins Gesicht. Sofort fiel die Trägheit von ihm ab.
Amanda verzog das Gesicht als sie aus dem Fenster sah. Regen prasselte in großen Tropfen gegen die Scheibe. „Nein!“ stöhnte sie. Amandas Fröhlichkeit war verschwunden, im Gegensatz zu Rory der jetzt breit grinste. „Klasse, Regen!“ „Was ist daran bitte klasse?“, fauchte Amanda. „Überleg doch, hätten wir heute nicht Sport im freien gehabt? Rorys grinsen wurde noch breiter.
„Ich weiß nicht ob ich den Regen nun gut oder schlecht finden soll.“, murmelte Amanda.
In diesem Moment stieß jemand die Tür auf.
„Verdammt, Tobi!“ Amanda hatte die Tür mit voller Wucht gegen den Kopf bekommen. Tobi trug sein T-Shirt verkehrt herum, seine braunen Haare waren zerzaust und er hatte nur einen Schuh an. Tobi wischte einen Apfel in den offenen Rucksack der über seiner Schulter baumelte. Man konnte sehn das Tobi sich in Rekordzeit angezogen hatten.
„Wie viel Uhr?“ ,fragte er gehetzt. „Kurz nach sechs“, sagte Rory belustigt. „Was?“ Tobi stürmte aus dem Raum und kam kurz darauf mit einem altmodischen Wecker wieder herein. „Mist, das Teil geht falsch!“ Tobi warf den Wecker auf den Tisch. „Ich dachte ich hätte verschlafen!“
Amanda die sich nicht entscheiden konnte ob sie belustigt oder wütend sein sollte sagte schnippisch, „Gut, da du jetzt wiest das du noch eine Dreiviertelstunde Zeit hast, kannst du dich ja bei mir entschuldigen und dein T-Shirt richtig herum anziehen.“
Tobi zog die Arme aus den Ärmeln des Shirts und drehte es richtig herum. Er machte keine Anstalten sich zu entschuldigen. Amanda knurrte drohend. „Komm schon, Tobi!“ , sagte Rory auffordernd. Tobi seufzte „Tut mir leid!“, sagte er mit frechem Grinsen. Amanda beschloss sich nicht mit ihm herumzuschlagen und trat aus der Küche. „ich richte mich und dann sollten wir zur Schule gehen.“
„Was?“ Tobi, Amanda und Rory saßen auf einer der Bänke auf dem Pausenhof, es hatte aufgehört zu regnen.
Tobi hatte sich quer über den Tisch gebeugt und starrte Rory mit offenem Mund an. „Wir hatten Hausaufgaben in Chemie?“ „Sag ich doch!“, gab Rory zurück während er einen großen Bissen seines Pausenbrots nahm. Tobi riss sein Chemiebuch aus der Schultasche. „Welche Seite?“ „40“, sagte Amanda, „glaubst du wirklich du schaffst das jetzt noch?“
Tobi reagierte gar nicht darauf sondern kritzelte wie wild auf seinen Block.
Fünf Minuten später schlug er erleichtert seufzend das Buch zu. „bist du sicher dass die Antworten richtig sind?“ Rory betrachtete das Blatt stirnrunzelnd. „Nein!“ Tobi streckte sich „Hauptsache es steht irgendwas auf dem Blatt.“ Amanda hob eine Augenbraue, öffnete den Mund um etwas zu sagen aber Tobi unterbrach sie. „Da ist Kate Mollowen!“ „Na und?“ Amanda sah nicht mal von ihrem Essen auf. „Sie ist das beliebteste Mädchen der Schule, außerdem ist sie die Tochter von Ed Mollowen .“belehrte Rory sie. „Ja genau!“, Tobi klang aufgeregt „dem Fotografen!“. Es schien als wollte er noch mehr sagen aber er verstummte als Kate Mollowen an ihrem Tisch vorbei ging.
Kate war hübsch, sie hatte schmutzig blonde Haare die ihr bis zu den Ellenbogen gingen und ein gerade geschnittenes Pony unter dem ausdrucksstarke braune Augen hervorblickten.
„Sie sieht nicht besonders glücklich aus.“, bemerkte Amanda. Tobi zuckte mit den Schultern „Glaubt ihr sie mag mich?“ fragte er mit einem sehnsüchtigen blick zu Kate. „Nein!“, sagte Amanda entschieden.
Rory begann zu lachen worauf Tobi mit einem Radiergummi nach ihm warf als es auch schon zur nächsten Stunde klingelte.
Tobi pfefferte den Besen in den Besenschrank. „Ich hasse Ordnungsdienst!“ „Ich auch!“, genervt griff Rory nach seinem Rucksack. „Können wir dann gehen?“ Amanda sprang von dem Tisch auf dem sie gesessen hatte. „Danke dass du gewartet hast.“ Amanda zuckte mit den Schultern. „Wisst ihr eigentlich das Morgen--.“ Tobi wurde von einem Kreischen unterbrochen.
„Woher kommt das?“ Amanda wirbelte herum.
„Von da!“ Rory deutete denn Gang entlang.
Sie rannten los, in der Tür zu den Mädchentoiletten stand ein Mädchen mit weit aufgerissenen Augen.
Rory schubste sie zur Seite und rannte an ihr vorbei. In einer Blutlache lag Kate Mollowen. Rory schlitterte auf dem blutigen Boden. Er kniete sich neben Kate und fühlte den Puls.
„Nun tu schon was!“ rief Tobi zitternd.
„Da kann man nichts mehr machen“, sagte Rory leise, „sie ist tot“!
Fortsetzung folgt ...
Kommentar von:
Moni
2010-04-10 12:10
Hallo Anny, der Inhalt dieser Geschichte ist spannend und ich finde, auch sehr bildlich geschrieben. Freue mich auf die Fortsetzung. Gruß Moni
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Kommentar von:
Aurora
2010-05-10 21:58
Klingt schon richtig spannend. Weiter so! Gruß Aurora
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Kommentar von:
Gaby Molnar
2011-02-22 12:00
Auch ich würde gern lesen, wie es weiter geht. Die Personen sind sehr schön bildhaft gezeichnet. Wenn ich aber einen Rat äußern darf: Die erhoffte Fortsetzung vor der Veröffentlichun g mehrmals lesen, damit nicht wieder so viele Druckfehler übernommen werden! Viele Grüße, Gaby
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