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Gefrorenes Blut

Schon jetzt vermisste er sein Dorf.
Er erinnerte sich bei seinem Marsch gerne daran. Eine Ansammlung von unterschiedlich großen und breiten Behausungen. Morgens herrschte immer für so eine Ortschaft herber Trubel. Die Jäger zogen los, die Frauen machten ihre Erledigungen, von denen Gunder immer noch nichts verstand. Er wusste aber, dass er mal seinen Vater danach fragte, aber dieser sagte darauf immer. „Weiberkram.“ Das hörte er aber nicht nur dabei, sondern fast immer.

Gunders Vater war einer der Jäger, aber seit dem Angriff eines Bären konnte er sein linkes Bein nicht mehr bewegen und er ist daher nutzlos geworden. Er saß nur noch zu Haus vor dem Kamin und schaute dem wilden Feuer zu. Er sehnte sich dabei immer danach wie die Flammen zu sein, ungestüm und wild. Gunder wurde dann mit 16 Vaters Nachfolger. Er konnte schon ganz gut mit dem Bogen umgehen, aber seinem Speer vertraute er mehr. Den hatte er einmal vom Vater geschenkt bekommen.
Er erzählte immer der Speer wäre ihm von Odin einst geschenkt worden, dass eine Walküre herab geritten kam und ihn dann einen Baum zeigte. Diesen fällte er und schnitze in Tagen dann den Schaft. Er ging zum Dorfschmied und ließ sich die Spitze fertigen, in den er dann in Runen Odin eingravieren lies. Vater erzählte auch, der Speer sei magisch und würde jeden aus seiner Familie schützen. Vielleicht ist an der Geschichte was dran. Dachte sich Gunder.

Vater hatte ihn in den Kämpfen gegen die anderen Stämme immer dabei und kam als einer der wenigen unversehrt wieder, aber als ihn der Bär angriff soll er ihn ja vergessen haben. Gunder betastete die Waffe. Aber mir wird das nicht passieren. Ein säuselnder Wind durchzog die Leder- und Pelzkleider des Wikingers. Er schaute in den Himmel, wo die Wolken fleißig Schnee spieen. Aber den Nordmann fröstelte es nicht, er lief weiter durch das zugeschneite Gebirge. Nach einer halben Stunde traf er den Jagdtrupp. Einer der Männer bemerkte ihn. Es war ein alter und breiter Mann, der schon viele Jahre der Jagd und des Kriegertums hinter sich hatte, sein Name war Björn.
Er hob grüßend den Bogen. „Skadi zum Gruße, Gunder.“ Gunder hob ebenfalls den Bogen und grüßte zurück. Als er die kleine Anhöhe zu den anderen Nordmännern herabstieg, grüßte er erst mal einen nach dem anderen. Es waren noch Baldur, Börje, Giselbert und Hartwig anwesend. „Da wir nun vollzählig sind, können wir ja endlich jagen gehen.“ Sprach Giselbert brummend. „Jetzt wirst du endlich in das Kriegertum eingeweiht, Gunder!“ Sagte Björn während er Gunder auf die Schulter klopfte. „Ich werde doch nur ein Tier schießen. Was ist daran Kriegertum?“

„Eine ganze Menge! Die Jagd ist die beste Vorbereitung auf ein Kriegerdasein, man lernt Geduld, das Aufspüren der Beute, du hast endlich Kontakt zu Blut und das wichtigste: du lernst töten!“ Björns Augen funkelten bei den Worten. Gunders hingegen nicht. „Du wirst schon sehen.“ Björn grinste seinen Freund breit an. Sie redeten noch weiter in der Gruppe bis Giselbert auf einmal stehen blieb. „Was ist los?“ Fragte Baldur. Doch Giselbert hob nur die Hand. Er machte weitere Handbewegungen und der Rest begab sich mit bereiten Bogen in Stellung, Björn dirigierte dabei den unerfahrenden Gunder. Als sich alle in der Umgebung verteilt hatten, zeigte Giselbert still nach vorne auf eine kleine Lichtung. Ein leicht zugeschneiter Braunbär trottete langsam vor sich hin. Börje weitete die Augen und legte schon mal den Pfeil bereit auf die Sehne. Giselbert machte wieder nur Handbewegungen und der Trupp bewegte sich wieder, sie wollten den Bär einkreisen. Das starke Tier bemerkte nichts und schlenderte auf der Lichtung hin und her. Gunder sollte den ersten Schuss abfeuern. Er spannte den Bogen und zielte auf das Wesen. Sekunden vor seinem Schuss jagte ihn rasant ein Gedanke durch den Kopf. Halten Bären nicht Winterschlaf? Während der Pfeil flog, drehte sich der Bär schlagartig und stürmte durch das verschneite Dickicht und zerfetzte Börje. Alle erschraken und versuchten das Tier zu erschießen, auch wenn einige Geschosse ihr Ziel fanden, so blieb das Wesen zäh und rannte auf Baldur los. Dieser zog seine Axt und schlug nach dem Wesen, doch bevor seine Waffe einen Treffer landen konnte, erwischte ihn die Bärenpranke und riss ihm die Kehle auf. Giselbert und Hartwig rannten mit Speer und Schwert auf das Ungetüm. Dieses brüllte laut und biss Hartwig in den Leib, danach lies er seine Klauen blitzschnell über Giselberts Brust und Bauch ziehen.

Björn und Gunder versuchten währenddessen den Bär noch abzuschießen, die Pfeile steckten zwar, aber es wollte nicht sterben. Björns Kehle wurde rasch durchgebissen, Gunder zog schnell seinen Speer und hielt die Spitze mit den Runen dem Tier entgegen. Einen Moment hielt es inne und starrte garstig mit blutiger Schnauze auf den Nordmann. Gunder brüllte und stürmte vor und traf den Bären sogar ins Fleisch, bei diesem Treffer blutete und schreite das Tier. Doch seine Vergeltung folgte rasch und er versetzte Gunder eine tiefe Wunde im linken Arm. Dabei ging der Jäger zu Boden, der Bär ergriff seine Chance und sprang auf ihn zu, dabei rammte Gunder das untere Ende vom Speer in den Schnee und hielt dem fallenden Bär die Spitze entgegen.

Gunder öffnete die Augen. Er fühlte sich schwummerig und kalt. Er bemerkte, dass er im Schnee lag, aber der Schnee war rot. Seinen linken Arm spürte er nicht mehr und beim umsehen erblickte er die große Fleischwunde. Auf seinem Leib bemerkte er ebenfalls welche. Links von ihm sah er die durchbohrte Leiche eines Bären und auf seiner rechten Seite Vaters Speer. Er griff danach und zog ihn zu sich rann. Er bemerkte die blutige Spitze, aber es war bereits gefroren, genau wie es das restliche Blut in seinen Adern tat. Er blickte in den Himmel und schloss langsam die Augen, dabei glaubte er zwei Frauen auf Pferden durch die Lüfte reiten zu sehen. Sie schienen direkt auf ihn zu zu fliegen. Es wurde dunkel und das letzte, was er vernahm war die Stimme einer Frau. „Mutige Krieger allesamt, wir nehmen sie mit.“

 

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Kommentar von: Jörg Freimuth 2010-11-28 21:33
Sehr schön. Ein minimaler Kritikpunkt, aber darüber habe ich dich ja im Chat informiert. Ansonsten einfach super. 5 ** .
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