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Die Tränen von Tilbruke

Stolz und mutig war Tilbruke, ja, ein Held war er des Kaura-Volkes, das seit 6000 Jahren die Ebenen von Adelaide bewohnt. Sein Herz aber brach, als Kulultuwi, sein jüngster Neffe, hingerichtet wurde.

„Kulultuwi, was hast du getan?“ hatte Tilbruke verzweifelt gerufen.
„Ich bin ein Mann und kann jagen wie du, Onkel!“ antwortete der 15jährige trotzig und warf den erlegten Emu vor die Feuerstelle. Das starre Entsetzen der Kaura-Männer wich erzürntem Grollen.
„Es ist Schonzeit für Emus“, sprach der Stammeshäuptling streng. „Auf diesen Frevel steht die Todesstrafe.“
Tilbruke beugte das stolze, greise Haupt. Er weinte. Er bat um Gnade für seinen Neffen. Die Männer aber hatten ihn nicht erhört.

Als der große Ozean im Westen die glühende Sonne verschlang, hob Tilbruke den leblosen Körper seines Neffen vom blutigen Boden auf seine starken Arme und begann zu wandern. Tränen liefen über seinen grauen Bart und benetzten den Weg. Und weinend trug er Kulultuwi von Adelaide bis zur südlichsten Spitze der Halbinsel, bis Cape Jervis, zum großen Lager des Kaura-Volkes. So mächtig aber waren die Tränen des Tilbruke, daß sie dem harten, trockenen Boden sprudelndes, frisches Quellwasser entlockten. Die harten Gesetze der Menschen jedoch konnten sie nicht erweichen.

Noch heute zeugen die vielen Quellen und Wasserlöcher an der Westküste der Fleurieu Halbinsel von der großen Trauer des Helden Tilbruke und ein Denkmal zu seinen Ehren, aus hartem Stein, blickt über die Weiten des Ozeans in die Ewigkeit.

 

2 Wertung(en)    Schlecht »« Super  


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Kommentar von: almebo 2009-12-22 11:29
Märchen und Sagen, mir schon immer lagen! Gefiel mir.
Mfg almebo
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