Reiße deine Kette ab!
Meister Pranaramana ging über den staubigen Weg von Prajnaparasata. Der Sonne Strahlen schienen und brannten auf sein Haupt und sein gelbes Mönchsgewand war vom Staube angesetzt. Barfuß war er und ging doch ohne Schmerz. Viele aus der Siedlung nannten ihn den Versunkenen, weil er stets in dem tiefen Wasser seiner Seele zu ruhen schien, doch ist er nur in sich versunken und nicht in der Gedanken oder Gefühle starke Zwänge. Er lässt sich nicht binden, nicht fesseln seine Seele an diese Welt. Er liebt sie, aber doch ist er nicht gekettet, wie der Gefangene an seine Bank, sondern ruht in seinem Selbst und ist versunken in jedem Augenblick.
Pranarama schreitet über diesen staubigen Weg, ohne Ziel, ohne Gedanken, ohne Gefühle. Er, er ist nur da und das ohne Zweck.
Der Meister gelangt an einen Baum und setzt sich einfach unter sein schützend Dach aus Blättern vom Schöpfer gewebt, damit er jedem Schatten spenden kann. Er lehnt sich an, an diesen starken Stamm und spürt die harte Rinde an seinem Kopf, seinem Rücken und das leuchtend grüne Gras spiegelt alles in seiner Seele. Ganz sitzt er da und denkt an nichts, ist ganz gelöst, befreit von allen Ketten und nimmt alles anders wahr. Er, er nimmt es wahr und nicht falsch.
Im kühlen Schatten des Baumes sitzt er da und ist versunken in sein Selbst, schaut auf den Grund des Sees seiner Seele und erblickt sein leuchtend, strahlend Selbst - dessen Strahlen in diese Welt dringen - in jedem Augenblick, in jeden Moment.
Ein Jüngling aus dem Dorfe kam an ihm vorbei und sah den Meister sitzen, wie er immer war und immer ist. Er geht zu ihm und verneigt sich vor seinem ruhend Angesicht.
„Meister, der du bist versunken Tag und Nacht, jede Stunde und Sekunde! Ich suche und finde nicht! Erlöse mich!“ sprach der Jüngling zu Pranaramana.
„Wonach suchst du – mein Schüler hier?“ antwortete Pranaramana.
„Ich möchte sein wie du und nicht gekettet an diese Welt. Ich leide, leide jeden Tag, weil ich kein Versunkener bin. Lass’ mich Versunkener sein, lehre mich, damit ich nicht mehr Sucher bin.“ flehte er den Meister an.
„Wonach suchst du?“ erwiderte der Erleuchtete.
„Ich such das Ende, die Ruhe und die Kraft und find sie nicht. Viel habe ich gelernt und doch hat es mir nichts genützt. Lesen und Schreiben habe ich gelernt, aber was ich suche, dass kann man weder lesen, noch aufschreiben.“ erläuterte er Pranaramana.
„Du sprichst Wahres mein Schüler und doch bist du verblendet. Du willst so sein, wie ich, doch kennst mich nicht.“ sagte Pranaramana zu dem Jüngling.
„Ich kenne dich – o Meister! Und versuch zu sein, wie du, ein Versunkener und will aufhören ein Sucher zu sein.“ reagierte der Jüngling energisch.
„Wonach suchst du Jüngling? Du hast es schon gesagt, doch nicht erkannt und das ist der einzige Schritt zu deinem Selbst.“ sagte der Meister.
„Ich suche nach Erleuchtung, nach Ruhe und nach Frieden.“ antwortete der Jüngling Pranaramana.
„Wo suchst du?“ fragte der Meister ihn.
„Ich suche ihn hier bei dir, deswegen knie ich da, damit du mich lehrest.“ antwortete der Jüngling.
„Und das ist deine Kette! So reiße sie ab!“ war Pranaramanas letztes Wort zu dem Jüngling.
Ok, das is mal wieder eine wunderschöne geschichte ganz in deinem Stil! Ich mag es, wenn jeder selbst seine Erkenntnisse daraus ziehen kann, außerdem is dein Schreibstil wie immer super! I-wie kurz und bündig, aber halt passend... könnte glatt so ne geschichte aus einem dieser philosophischen bücher sein! xD
hdl~