Eine Minute vor zwölf
Der Bundesverkehrsminister – Tiefensee heißt er auch noch sinnigerweise – hat aus dem tiefen See seiner Gedanken geschöpft.
In Sachen Klimaschutz sei es eine Minute vor zwölf, tönte er vollmundig in die belastete Umluft.
Diese Erkenntnis muss wohl schwergewichtiger sein, als die Masse des Mondes, denn die Welt geriet dadurch doch glatt ins wanken. Oder sollte Atlas – der ja bekanntlich die Erde auf seinen Schultern trägt, über den langen Bart dieser Weisheit sein Haupt geschüttelt haben?
Damit ließ der Stratege in Sachen Verkehr es aber nicht bewenden. Da diese Plattitüde ihm wohl noch nicht durchschlagend genug schien, tat er noch einen Satz obendrauf.
Er wolle dieses Problem über den Verbraucher lösen. Die Bedeutung dieser Drohung hat wahrscheinlich auf den ersten Ton auch das schlichteste Gemüt in unserem Lande erkannt.
Im Klartext heißt das, was unter der rotgrünen Unfähigkeitsregierung so wunderbar geklappt hat – nämlich die Abzocke über die Ökosteuer – das sollte der schwarzroten Nachfolgerin doch auch wohl gelingen.
Man ist also kräftig dabei, ein bösartiges Kind der Vorgänger-regierung zu klonen. Unter einem anderen Namen wird es wohl in Kürze dem Reagenzglas der Berliner Giftküche entspringen.
Als ich die beiden Kernsätze aus dem Munde des Herrn Tiefensee vernahm, war ich nicht geschockt, und nicht verwundert – nur mein Glaube an die Weisheit meines Großvaters begann, angesichts der wachsenden Glatze des Ministers, leicht zu bröckeln.
Bisher habe ich immer fest an meines Opas Spruch geglaubt, wem der Verstand wächst, dem weichen die Haare. Seit des Herrn Tiefensees Äußerung in Sachen Klimaschutz bin ich mir da gar nicht mehr sicher.Mein Großvater, selig, möge es mir verzeihen.