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Ankunft in Melbourne

Gleißend spiegelt sich die Sonne in der ovalen Öffnung meines Fensters. Ja, ich hatte Glück, konnte noch einen Fensterplatz beim Check-in ergattern. Und nun gleite ich im brummenden Düsenjet über Melbourne hinweg. Ich schlucke, um den Druck aus den Ohren zu verdrängen.

Wie kräftige Arme umschlingen die Gebäude der Millionenstadt die Port Phillip-Bay und die Wolkenkratzer der City im Zentrum recken sich als graue Finger zum Himmel, umgeben von Villen und flachen Gebäuden mit Gärten, die sich kilometerlang, bis in die sanft ansteigenden Hänge der australischen Alpen vordrängen. Dort entspringen die Quellen des Yarra River, eines Flusses, der ein fruchtbares Land speist und Weinberge bewässert, bevor sich sein Silberband durch die Stadt Melbourne schlängelt und die Port-Phillip-Bay mit Wasser füttert. Diese Bucht, mit ihren breiten weißen Sandstränden, mit den gepflegten Yachthäfen und den gewaltigen Anlegestellen für Überseefrachter und Militärschiffe, ist selbst fast schon ein Meer. So groß ist sie, dass man vom Strand des vornehmen Stadtteils Brighton, dem schönsten, mit den vielen bunten Badehäuschen, die enge Ausfahrt ins offene Meer nicht mehr sehen kann. So gewaltig ist die Bucht, dass noch die andere Großstadt, Geelong, sechzig Kilometer entfernt, ihren Hafen hier eingebettet hat.

Die Sonne versinkt im Westen und ihre Strahlen schießen letzte Blitze von den riesigen Glasscheiben der Wolkenkratzer zurück in den rosa gefärbten Himmel. So tief fliegen wir schon, dass ich das geduckte gelbe Gebäude der Flinders Station, dem Bahnhof, und die St. Pauls Kathedrale gegenüber deutlich von den modernen Gebäuden unterscheiden kann. Die Princes Brücke über den Yarra ist belebt. Der Feierabendverkehr staut sich in beide Richtungen. Na, bis wir dort sind vergehen noch mindestens zwei Stunden. Dann wird es dunkel sein und auf den Straßen wieder freie Durchfahrt, dann werde auch ich diese Brücke überqueren, das Auto hinter dem grauen Betonkasten, der ein so wunderbares Museum beherbergt, parken, und über die Promenade am Fluss wandern. Rot flackert das Warnlicht auf der Spitze des nachgebauten Eiffelturms über dem Kulturzentrum. Doch mein Blick schweift hinunter zu den vielen kleinen Gourmet Restaurants. Eines davon muss doch noch einen Tisch am Fenster für mich haben! Die Sommerhitze brütet auch noch spät abends, aber vom gut gekühlten Raum des Restaurants werde ich das bunte Nachtleben der Großstadt genießen.

Nur noch wenige Minuten trennen uns von der Landebahn und dann, mit einem heftigen Ruck, setzt der schwere Vogel auf und reißt mich aus meinen Träumen. Die Triebwerke heulen laut auf und schon übertönt sie die Stimme der Stewardess, die uns bittet, noch angeschnallt sitzen zu bleiben, bis das Flugzeug seine Parkposition erreicht hat.

Und wie einen zähen Brei spuckt die Maschine dann mehr als 400 Passagiere aus, einer davon bin ich. Wir wälzen uns zum Ausgang des Flughafens Tullamarine um Australien zu entdecken.

© Brigitta Biester

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