Ewig kalte Hände
Die Geschichte, die ich einst für ein Mädchen schrieb, soll dir warme Gedanken bereiten, wenn du mal wieder kalte Hände hast.
Eine Woge donnert, stürmt auf dich zu. Die Flucht ist zwecklos, obgleich du mit dem Armen rudernd durch den Tiefschnee stolperst, in der Hoffnung doch noch Schutz zu finden, eher die kalte Faust des Winters dich erfasst. Und doch spürst du, wie sie bebend sich dir nähert. Nur noch Sekunden oder gar Augenblicke. Wie die Fänge eines Wolfes schnappt sie nach dir und sogleich ist es geschehen. Die Wucht der Lawine reißt dich mit, tief hinab ins Tal und schon merkst du, wie deine Sinne immer schwächer werden und verblassen. Zum Schluss, nur Eiseskälte...
...jedoch, etwas stimmte nicht. Die Luft, zuvor schneidend kalt dir die Lunge zerriss, ist angenehm, leicht rauchig und erfüllt von harziger Süße. Die Ohren, taub von tosenden Lawinen, vernehmen nun ein sanftes Knacken. Ein leichtes Prickeln spürst du auf deiner Haut, wo doch eben noch Kälte dich gefangen hielt. Die Last, die auf dir liegt, ist nicht erdrückend, sondern umarmt dich schützend und wohlig warme Hände fassen in die deine. Weiches Fell kitzelt deine Zehen und ein Flackern tanzt auf deinen Liedern, als du die Augen aufschlägst.
Ein prasselndes Kaminfeuer hat dich geweckt. Mit deinen Augen folgst du den Schatten, die über die Wände huschen, bis dein Blick die Hände auf deinem Bauch erfassen, die in deine verflochten sind und sie wärmen, deine ewig kalten Hände. Nun wandert dein Blick nach oben, den Arm entlang, der dich fest umschließt und tiefe Geborgenheit in dir weckt. „Nun erwacht mein Bärchen aus dem Winterschlaf", flüstert eine Stimme sanft in dein Ohr und eine Woge des Glücks erfüllt dich, als deine Lippen die seinen finden.