Die Schatulle
Es war im Kriegsjahr 1942, um den zweiten Advent herum. Die von der russischen Armee eingeschlossene Stadt Stalingrad lag in tiefem Schnee begraben. Es war eine mondhelle, klare Nacht, klirrend kalter Frost herrschte. Alles war still und friedlich heute, vollkommene Ruhe herrschte. Aber das war ziemlich ungewöhnlich, denn sonst heulten in regelmäßigen Abständen die gefürchteten „Stalinorgeln" von der russischen Seite in die belagerte Stadt.
In einem alten Holzhaus, das als behelfsmäßiger Befehlsstand diente, saß der junge Leutnant Karlheinz Lehr an einem klobig zusammengehauenen Holztisch. Ein kleines Petroleumöfchen strahlte ein wenig Wärme aus, zu wenig, um wirklich den Raum zu heizen. Karheinz Lehr trug dicke Winterkleidung, Filzstiefel, eine Pelzmütze. Vor ihm auf dem Tisch brannte eine Kerze. Ein Feldpost - Briefbogen lag vor ihm , an dem er eifrig schrieb. Am nächsten Tag sollte wieder eine Ju 52 ausfliegen und verwundete Kameraden sowie Post für die Heimat mitnehmen.
Viel Zeit zum Schreiben hatte er nicht. Er hatte den Befehl erhalten, in Kürze mit einem Kommando von sechs Soldaten noch in der Nacht im Schutze der Dunkelheit zu einem Spähtrupp aufzubrechen. Sie sollten erkunden, was bei der Gegenseite vorging, denn die sonderbare Ruhe heute war verdächtig. Möglicherweise konnte eine größere Offensive des Feindes geplant sein.
Karlheinz Lehr schrieb und schrieb, ohne langes Besinnen. Es war ein Brief an seine schwangere junge Frau Ilsemarie daheim in Frankfurt a/Main. Sie hatten bei seinem letzten Urlaub erst geheiratet, eine einfache Kriegstrauung war es gewesen, und nur wenige Tage gemeinsamen Glückes war ihnen vergönnt gewesen. Ein Bild von ihr befand sich immer bei ihm in einer Tasche seiner Uniform. Das holte er jetzt wieder heraus und betrachtete es nachdenklich und liebevoll. Er hoffte, dass sie seinen Brief zu Weihnachten in Händen hätte. Dann schaute er auf die Uhr. Es war die festgesetzte Zeit zum Aufbruch. Den fertigen Brief übergab er einem Kameraden mit der Bitte, für die Beförderung zu sorgen, dann brach der Spähtrupp auf in die stille dunkle Nacht.
Karlheinz Lehr und seine Männer kehrten nicht zurück...
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Daheim in Frankfurt in der Battonstraße 2 saß Ilsemarie Lehr. Es war Weihnachtsabend, Kriegsweihnacht. Nur ein kleines Tannenbäumchen mit wenigen Kerzen brannte vor ihr, einige spärliche Geschenke, aber liebevoll verpackt, lagen darunter. Sie hatte sie am Nachmittag von ihren Eltern und der Schwester bekommen, die sie besucht hatten. Jetzt war sie allein, im Volksempfänger tönte leise weihnachtliche Musik : „Hohe Nacht der klaren Sterne, die wie weite Brücken stehn ....." Ilsemarie hörte kaum zu. In Händen hielt sie ihr schönstes Weihnachtsgeschenk, eine Nachricht ihres Mannes, den Brief, der gerade heute rechtzeitig zum Fest angekommen war. Mit Tränen in den Augen las sie:
„Meine geliebte Ilsemarie! Schnell noch ein paar Zeilen für Dich, ich hoffe, dass dieser Brief durchkommt, sicher ist es nicht. Mir geht es soweit gut, nur die Sorge um Dich und unser Kind macht mir zu schaffen. Geht es Dir gut, schonst Du Dich genügend? Ob es wohl ein Junge oder ein Mädchen wird? Ich bin so gespannt und freue mich so sehr darauf, Euch beide wiederzusehn. Hoffentlich geht alles gut, und wir werden bald hier heraus geholt., aus diesem Dreck hier, aus der unendlichen Schneewüste, wo Erde und Himmel verschwimmen und man nicht weiß, wo die eine aufhört und der andere anfängt. Ach, Liebling, Du weißt nicht, wie sehr ich Dich liebe und mich danach sehne, wieder zu Hause und bei Dir zu sein. Ich hoffe fest darauf, dass es so kommen wird.
Mir ist aber manchmal bang zumute, so viele Kameraden sind neben mir gefallen, es kann mich auch treffen, jeden Tag, aber ich will und darf nicht daran denken, das ist eines deutschen Soldaten nicht würdig. Ich hoffe und bete, dass Gott mich beschützen wird für Dich und unser Kind, und mich gesund in die Heimat zurück bringen wird.
Ich muss jetzt schließen, denn gleich muss ich mit einigen Kameraden zu einem Spähtrupp aufbrechen. Es war so ruhig heute, das ist verdächtig, vielleicht hat der Iwan was Besonderes vor.
Bete für mich und denke an mich, meine liebste Ilsemarie, immer, das wird mir helfen. Und sollte es doch geschehen, dass ich die Heimat nicht wieder sehn darf, so sollst Du wissen, dass ich trotzdem immer bei Dir sein werde, bei Dir und unserem Kind. Denk immer daran, und erzähle ihm auch von mir und wie glücklich wir sein durften, auch wenn es nur kurz war. In Liebe, immer Dein Karlheinz."
Ilsemarie las den Brief einmal, zweimal. Dann faltete sie ihn sorgfältig zusammen, holte eine kleine Schatulle mit weihnachtlichem Motiv darauf, in dem früher immer Lebkuchen aufbewahrt wurden. Sie legte den Brief sorglich hinein, zu anderen Briefen, Bildern und Erinnerungen aus ihrer gemeinsamen Zeit. Dann löschte sie die Lichter am Christbäumchen und ging zu Bett.. In der Nacht träumte sie von ihrem Mann, er war bei ihr und hielt das Kind glücklich im Arm. Es war ein kleiner Junge mit blonden Locken, und beide lachten sie fröhlich an.
Drei Tage später hielt sie die Nachricht in Händen, dass ihr Mann vermisst sei, wahrscheinlich gefallen für Führer, Volk und Vaterland. Er sei ein tapferer Soldat gewesen, und sie könne stolz auf ihn sein.
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10 Jahre später. Wieder war ein Weihnachtsabend. Wieder brannte ein kleiner Christbaum, wieder lagen einige Geschenke darunter. Nicht viel, ein Märchenbuch, ein Blech – Feuerwehrauto, Süßigkeiten. Das beginnende Wirtschaftswunder war noch nicht bis in die kleine Wohnung in der Battonstraße durchgedrungen, wo Ilsemarie und ihr neunjähriger Sohn alleine lebten. Glücklicherweise war das Haus nicht in den Bombennächsten der letzten Kriegsjahre zerstört worden. Ilsemarie hatte ihren Sohn Karlheinz getauft, nach seinem Vater, den er nur von Bildern und aus den Erzählungen seiner Mutter kannte. Mutter und Sohn hingen sehr aneinander. Und wie immer zu Weihnachten in all den Jahren zuvor wurde die Schatulle mit den Erinnerungen herbei geholt, und Ilsemarie las ihrem andächtig lauschenden Sohn den letzten Brief seines Vaters vor.
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Wieder waren 15 lange Jahre vergangen. Ilsemarie wohnte noch immer in ihrer alten Wohnung in der Battonstraße. Seit Jahren arbeitete sie als Kassiererin im Kaufhof, um ihre nicht gerade üppige Kriegshinterbliebenenrente aufzubessern und um ihrem Sohn Karlheinz Lehr junior Abitur und das Studium der Wirtschaftswissenschaften zu ermöglichen. Nun hatte er endlich sein Diplom und auch eine gute Anstellung gefunden. Seine Mutter unterstützte er ab und an, soweit es ihm möglich war, mit kleinen Geldbeträgen. Auch ein Fernsehgerät und eine elektrische Waschmaschine hatte er ihr gekauft, damit sie es leichter hatte und auch etwas Unterhaltung, denn er hatte zwischenzeitlich eine eigene Wohnung bezogen..
Ilsemarie lebte still für sich hin. Sie ging selten aus, manchmal mit einer Freundin ins Cafe Schneider oder ins Kino in den Turmpalast am Eschennheimer Turm. Auch ein Theaterbesuch war ab und zu drin. Geheiratet hatte sie nicht wieder, obwohl sie etliche Male Gelegenheit dazu gehabt hätte. Lange hatte sie gehofft, ihr Mann wäre damals vielleicht nur in Gefangenschaft geraten und käme doch noch zurück. Alle Hebel hatten sie und ihr Sohn in Bewegung gesetzt, um etwas Bestimmtes zu erfahren, aber vergeblich. Schließlich musste sie einsehen, dass ihr Hoffen umsonst war, und ihr Mann war für tot erklärt worden. Vergessen hatte sie ihn nie.
Heute, am Heiligen Abend 1967, war sie in freudiger Erwartung. Ihr Sohn wollte kommen und ihr seine Freundin Carola vorstellen! Ilsemarie hatte ihre Wohnung blitzblank geputzt, alles schön weihnachtlich geschmückt, den Tisch gedeckt und den Christbaum geschmückt. Der Weihnachtskarpfen war fertig und stand mit allen Zutaten bereit, auch eine Flasche guten Wein hatte sie im Kühlsachrank stehn.
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Und dann klingelte es, sie kamen, die beiden! Prüfend sah man einander an. Carola war eine sehr hübsche junge Dame, schick frisiert und sehr modisch gekleidet. Kein Wunder, sie war ja die Tochter von Karlheinz´ neuem Chef und hatte sich in den vielversprechenden, gut aussehenden jungen Mitarbeiter verliebt. Sie begrüßte Ilsemarie artig und freundlich, jedoch etwas reserviert, man merkte ihr deutlich an, dass sie aus einer anderen, vornehmeren Welt stammte.
Das Essen ging trotzdem in angenehmer Atmosphäre vorüber, man hatte sich gut unterhalten, und Karlheinz war in angeregtester Stimmung, froh, dass dieses erste Zusammentreffen so gut verlief. Dann wurden die Kerzen am Christbaum angezündet, Ilsemarie legte einige Weihnachtsplatten auf den Plattenspieler, und danach sollte wie immer der Höhepunkt des Abends kommen: Die Schatulle, die schon auf der Anrichte bereitstand, wurde geöffnet, und Ilsemarie holte vorsichtig den schon etwas abgegriffenen Brief ihres Mannes heraus, um ihn wie immer vorzulesen. Ihrem Sohn war es etwas unbehaglich zu Mute, er wusste nicht, wie Carola darauf reagieren würde.
Ilsemarie merkte nichts von den heimlichen Befürchtungen, hätte sie wohl auch gar nicht verstanden, so gewohnt und unentbehrlich war ihr diese Handlung, sie gehörte für sie einfach zum Heiligen Abend. Mit bewegter Stimme las sie vor, und wie immer standen ihr dabei die Tränen in den Augen. Carola aber hörte höflich zu, äußerste ein paar unverbindliche Worte der Teilnahme , und bald verabschiedete sich das junge Paar auch wieder. Sie waren noch bei Carolas Eltern eingeladen, wo zahlreiche Gäste auf das junge Paar warteten, neugierig auf den Auserwählten der Tochter des Hauses.
Ilsemarie blieb allein. Es machte ihr nichts aus. Sie schaltete den Fernseher an und hörte und sah den feierlichen Gottesdienst in der Lutherkirche. Dabei hielt sie ihre Schatulle auf dem Schoß und den Brief in der Hand, sah zum hundertsten Male die Bilder an und dachte an früher. Dann küsste sie verstohlen den Brief, legte ihn sorgfältig wieder zurück in die Schatulle und stellte sie weg bis zum nächsten Weihnachtsabend.
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Weitere Jahre vergingen, weitere Weihnachten folgten. Ilsemarie war nun eine alte Frau geworden, Rentnerin, 69 Jahre alt. Noch immer war sie eine hübsche Person, einfach, aber gepflegt wirkte sie, ihre Wohnung hielt sie noch selbst in Ordnung. Ihr Leben war dahingegangen, ohne große Höhepunkte, ohne großes Leid, außer dem einen, größten, vor vielen Jahren. Ihr Sohn besuchte sie immer noch, doch nicht mehr so oft wie früher. Oft war er zerstreut und hörte nicht mehr so gut zu. Kein Wunder, sagte sie sich dann, er hat ja so viel um die Ohren als Leiter der großen Firma seines Schwiegervaters, der sich zur Ruhe gesetzt hatte.
Ilsemarie hatte selbst auch einige Reisen gemacht, mit Busunternehmen, bis nach Spanien und Italien, sogar nach Griechenland war sie gekommen und hatte viel gesehn und erlebt. Im Großen und Ganzen war sie mit ihrem Leben zufrieden, nur schade, dass sie mit ihren Enkeln keinen besonders guten Kotakt hatte. Es waren zwei Jungen, 15 und 18 Jahre alt und noch in der Schule. Mit der ältesten Enkelin Christina aber verstand sie sich am besten. Die war bereits 2o Jahre alt, studierte Psychologie und Sozialwissenschaften und engagierte sich auch in der Diakonischen Flüchtlingshilfe ihres Kreises. Ihre Eltern hätten lieber eine andere Laufbahn für sie gewünscht und hatten nicht allzu viel Verständnis für ihre Aktivitäten, hinderten sie aber auch nicht daran. Großmutter Ilsemarie aber wurde von Christina häufig besucht, und dann saßen beide zusammen bei einer Tasse Kaffee oder Tee und einem selbst gebackenen Kuchen und erzählten sich allerlei aus ihrem Leben. Christina hörte ihrer Großmutter immer geduldig zu, und die hatte auch vollstes Verständnis für die Ideale und Pläne ihrer Enkelin
Ihre Weihnachten hatte Ilsemarie mittlerweile öfters allein verbringen müssen, weil die Familie ihres Sohnes fast immer über die Feiertage auf Reisen war. .Mal zum Skilaufen in der Schweiz, mal im warmen Süden, oder sonst wo. Aber diesmal, 1990, sollte die ganze Familie auch wieder mal am Weihnachtsabend zu Besuch und zum Essen kommen. Ihr Sohn hatte sich gegen den Willen von Frau und Söhnen durchgesetzt, das ahnte Ilsemarie aber nicht. Aufgeregt hatte sie alles vorbereitet, das Essen hatte sie bei einem Partyservice bestellt, den Weihnachtsbaum aber selbst geschmückt. Und selbstverständlich stand auch die Schatulle mit ihrem geliebten Brief bereit.
Sie merkte nicht, als sie wieder vorlas, wie die Enkel hinter ihrem Rücken die Augen verdrehten und den Blick an die Decke richteten, wie ihre Schwiegertochter leicht ungeduldig das Ende abwartete und wie ihr Sohn und Christina sie mitleidig beobachteten. Sie ahnte auch nicht, dass die beiden später zu Hause den anderen wegen ihrer Gefühlskälte Vorhaltungen machten und dass beinahe ein Familienkrach deswegen entstanden war. Sie war nur froh, glücklich und zufrieden, dass die ganze Familie wieder mal zusammen Weihnachten gefeiert hatte.
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Weihnachten 2010 steht nun vor der Tür. Viel hat sich in den letzten 20 Jahren verändert. Stürme und Kriege sind über die Welt hereingebrochen, Katastrophen, Klimawandel, Weltwirtschaftskrise.
Ilsemarie hat davon nicht viel mitbekommen. 89 Jahre ist sie nun alt, ganz klein und zusammengefallen sitzt sie in ihrem Lehnstuhl im Altersheim in einem Vorort Frankfurts. Das Leben war gnädig zu ihr gewesen , sie hat keine schweren Krankheiten, keine Schmerzen erdulden müssen.
Sie dämmert vor sich hin und lebt die meiste Zeit in der Vergangenheit, still, zufrieden und anspruchslos, viel Arbeit macht sie ihren Betreuern nicht. Seit ungefähr vier Jahren lebt sie nun hier, zuhause ging es nicht mehr. Ihr Sohn, der mit seinen nunmehr 67 Jahren schon zwei Herzinfarkte und einen Schlaganfall überstanden hat, besucht sie hin und wieder, was sie manchmal kaum registriert. Schwiegertochter und Enkel kennt sie meistens nicht mehr, sie kommen auch fast nie.
Christina lebt mit ihrem Mann als Sozialpsychologin in Hamburg und betreut Flüchtlinge und Drogenabhängige. Selten genug kommt sie nach Frankfurt, um Familie und Großmutter zu besuchen. Heute, am dritten Advent, ist sie aber wieder mal da und hat ihren jüngsten Sohn Peter mitgebracht. Drei Jahre ist er alt und sieht seines Großvaters Kinderbildern täuschend ähnlich. Leise und vorsichtig hat sie mit ihm das kleine Zimmer im Altenheim betreten. Ilsemarie bemerkt es erst nicht, dann aber werden ihre Augen groß und strahlend. „Karlheinz, mein kleiner Karlheinz!" flüstert sie und zieht den Jungen an sich heran, streichelt ihm zärtlich über den Kopf und nimmt die kleinen Händchen in ihre alten, zittrigen Finger. „Ich heiße doch Peter!" meldet sich der Junge erstaunt, aber Ilsemarie beachtet es nicht.
Christina hat einen Adventskranz und Lebkuchen mitgebracht. Sie rückt den kleinen Tisch ganz nahe an den Sessel ihrer Großmutter und zündet drei Kerzen an. Mit großen Augen blickt Ilsemarie in die Flämmchen. Dann plötzlich wird sie lebhaft und deutet auf die kleine Kommode. Dort steht die alte Weihnachtsschatulle mit den Erinnerungen und dem nun ganz zerfledderten Brief. Christina versteht. Sie holt die Schatulle, öffnet sie, nimmt den Brief heraus und beginnt langsam und deutlich den so oft gehörten Text vorzulesen. Sie hätte gar nicht zu lesen brauchen, sie weiß ihn auswendig.
Ilsemarie hört mit glänzenden Augen zu. Ihre Lippen formen leise die Worte mit. „Der Krieg ist doch vorbei?" murmelt sie dann, „das stimmt doch, gell?" Christina nickt und fasst ihre beiden Hände. „Dann kommt mein Karlheinz ja auch bald nach Hause!" flüstert die alte Frau glücklich vor sich hin, „ wie wird er staunen, wenn er endlich den kleinen Karlheinz sehen kann, wie groß der schon geworden ist! Wie froh werden wir alle wieder sein!"
Der kleine Junge schweigt befangen und drückt sich an seine Mutter. Christina aber streichelt die alten, zittrigen Hände immer wieder zärtlich. „Ja, Omi, alles wird jetzt wieder gut! Nur noch ein kleines Weilchen musst Du Geduld haben!" Und Ilsemarie nickt glücklich. Ihre alte Schatulle hält sie fest auf ihrem Schoß.
Liebe klat* Grüße von Günter.