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Elli

Schon über Jahre zog sich der Wunsch unserer Töchter nach einem Hund hin. 2 Hamster, 2 Meerschweinchen, Mäuse- alle diese Tiere änderten daran nichts.
Da ich mich bei den beiden Langschläfern schon mit einem Hund „Gassi“ gehen sah, gar nicht erpicht war aufs frühe Aufstehen, fiel mir eine Katze ein, die den Hund vergessen lassen sollte. Wesentlich einfacher zu betreuen, dachte ich mir!
Eine begeisterte Tochter (die andere war schon in der Ausbildung), aber einen Mann, der seit seiner Kindheit „katzengeschädigt“ (Opas Flur roch immer nach Katzenurin) ist, die mussten unter einen Hut! (Nur ein Mal verirrte sich Elli später auf Günters Schoß, bemerkte dies aber rechtzeitig)
Unsere 12 jährige Tochter Joana schrieb einen herzzerreißenden Brief an ihren Papa, den sie unter sein Kopfkissen legte. Dieser ist im Original erhalten.
Am 27.1. 1998 fuhren wir ins Tierheim nach Tilzow.

 Unsere Vorstellung war eine möglichst junge Katze. Davon gab es reichlich! Die Auswahl war dennoch schwer. Ein kleines Knäuel in der Hand haltend stand unser Entschluss ziemlich bald fest, doch dann kam alles anders.
Eine kleine getigerte Katze guckte uns durch das Flurfenster so bezaubernd an, dass wir wussten, nur diese eine kann es sein. Wir gaben die Auserwählte zurück, es gab kein Überlegen mehr, kein Warten, keine Erlaubnis des Papas, keine Vorbestellung, jetzt und sofort wollten wir dieses Kätzchen mitnehmen. Sie hieß Elisa, war im Mai des Vorjahres geboren und besaß einen Impfausweis. Ich bezahlte eine Spende ans Tierheim, bekam die Auflage, sie kastrieren zu lassen, dies per Rückantwort bestätigen zu lassen und wir liehen uns einen Transportbehälter. Überaus glücklich fuhren wir nach Hause
So schnell wurden wir Katzenbesitzer!
Es begannen wundervolle Jahre mit unserer Elisa, wir tauften sie aber sofort auf ELLI um.

Die kleine zierliche Elli war gleich von Anfang an sauber, das hatte das Tierheim bereits erreicht. Gleich zu Beginn unserer Bekanntschaft wusste sie einmal nicht, wohin mit ihrem großen Geschäft und machte ins Küchenwaschbecken, nicht irgendwo auf den Fußboden. So blieb es bis zum letzten Tag, Elli schämte sich und kroch in die letzte Ecke, wenn sie die Tropfen nicht halten konnte.
Sie war flink, aber nie überdreht oder böse. Sie hing an keinen Gardinen, machte nichts kaputt und sprang äußerst selten auf Tische. Das war bis zum Schluss ein absolutes Verbot und sie hielt sich fast immer dran. Deshalb fraß sie auch nichts vom Tisch, wir konnten immer alles stehen lassen. (Ausnahme: Sie knabberte mal an einem Sonntagsbraten, der auf dem Herd stand - das gab Ärger)
Sie liebte es, auf meinen Büchern zu sitzen, wenn ich Unterrichtsvorbereitungen machte.
Manchmal war sie einfach nicht wegzubewegen. So passierte es schon, dass sie zwischen meinen Sachen „aufräumte“.

Ja, unser Tierkind sollte nun das schönste Leben haben, das wir ihm bieten konnten.
Mein Mann baute für Elli einen tollen Kratzbaum mit Auslegeware bezogen. Auf ihm tobte das Kätzchen, schärfte sich die Krallen aber lieber an Zimmerecken, die erst einmal zum Schutz mit Leisten versehen werden mussten. Auch Tapeten sahen manchmal nicht so schön aus, besonders, wenn sie wütend auf uns gewesen war wegen eines längeren Urlaubes!
Elli spielte gerne, wie alle jungen Katzen. Bänder reichten, es brauchte kein besonderes Spielzeug sein. Am liebsten hatte sie Paketbänder aus PVC.
Den ersten Weihnachtsbaum in ihrem Leben hatten wir zum Glück mit hübschen Pappkugeln aus Schweden geschmückt, die konnte sie bewegen. Mit den Jahren lag sie dann nur noch unter dem Baum oder auf den Geschenken. Sie bekam natürlich auch immer etwas.

Die Prozedur des Kastrierens beim Tierarzt ging uns sehr nahe. Die Kleine brauchte eine Vollnarkose und es war schrecklich mit anzusehen, wie sie mit wackligen Beinen versuchte aufzustehen. Immer wieder fiel sie um. Wir hatten Angst um sie, doch schon einen Tag später ging es aufwärts. Seitdem war die Katze „tierarztgeschädigt“. Schon beim Hineinsetzen ins Auto hatte sie wahnsinnige Angst, miaute und zitterte am ganzen Leib. So vermieden wir möglichst die Autofahrten.

Elli hatte einen Schlafplatz im Wintergarten, konnte sich aber in der gesamten Wohnung frei bewegen. Nur unser Schlafzimmer war Verbotszone. Manchmal schlich sie sich heimlich zu mir hinein, Günter durfte das nicht merken. Wenn er im Zimmer nebenan schlief, hatte Elli eine Chance, allerdings war die selten. Als Joana noch bei uns wohnte, nutzte das Kätzchen natürlich immer die Möglichkeit auf ihrem Kopfkissen zu nächtigen. Diese kam sie äußerst häufig vor.

Damit sie auch ihre Freiheit in der Natur genießen konnte, bauten wir in die untere Eingangstür eine Katzenklappe, in die Kellertür eine zweite. Sie erhielt einen Magneten, die Klappe schloss sich hinter ihr. Die Kleine bestimmte von nun an ihren Aufenthalt selber. Sie konnte kommen und gehen, wann immer sie wollte. Wir brauchten keine Angst zu haben, denn weit lief sie nie fort. Ihre Spaziergänge erstreckten sich bis zu den Nachbarn geradeaus, links und rechts. Manchmal begleitete sie mich ein Stück zur Arbeit oder zum Einkaufen, ging dann aber wieder nach Hause. Klapperten wir mit der Leckerliedose, kam sie sofort angerannt. Zwei Mal gelang uns das allerdings nicht: Urlauber von gegenüber hatten sich in unsere Katze verliebt und sie in ihrer Wohnung behalten. Nach langem Suchen klopfte unsere Tochter dort und bat um Herausgabe. Ein anderes Mal wollten Urlauber uns die Katze abkaufen und sie für die Tochter mit nach Berlin nehmen.
Eines Tages mussten wir Elli lange suchen und wussten schon keinen Rat mehr, denn niemals blieb sie abends lange draußen. Nach endlos langem Warten tauchte sie  total verlaust auf. Sie traute sich wohl nicht mehr hinein, hatte mit sich und den vielen Beulen zu tun! Der Tierarzt half ihr, es passierte nie wieder.

Eines Tages kam ich nach Hause und glaubte, mich träfe der Schlag. In unserem Schlafzimmer, das wir im Keller hatten, saß Nachbars Kater in meinem Bett. Elli war nicht zu sehen. Nachbarn hatten ebenfalls eine Katzenklappe mit Magneten gekauft, nun konnte deren Kater auch bei uns rein. Elli hatte Angst vor jedem und vertrieb niemanden.
Was tun?
Am nächsten Tag kauften wir eine teure Katzenklappe(über 100 DM). Unser Tierchen hatte von nun an einen Code und nur Elli konnte mit ihrem Magneten die Klappe öffnen. Zwei Mal verlor sie ihn, Nachbarn fanden ihn aber immer wieder. So ging es einige Jahre gut. Doch eines Tages verdächtigten wir unsere Katze, Unordnung gemacht zu haben, ein angebissenes Stoffspielzeug lag unter der Treppe und es schien alles merkwürdig, weil wir doch von Elli so etwas nicht gewöhnt waren. Unsere Verdächtigung war ungerechtfertigt, die Katzenklappe war kaputt, jede Katze hätte unsere besuchen können. So war es auch!
Sie hat niemals ein Spielzeug zerbissen.
Ich erwähnte schon, dass unser Tierkind vor allen anderem Angst hatte. Brachte unsere Tochter ihre Meerschweinchen mit, saß Elli oben auf einem Hocker und beobachtete sie aus sicherer Entfernung. Als eine kleine Katze zu Besuch kam, verschwand unsere auf dem Wintergartensessel, die kleine hing von unten dran, aber ohne Reaktion von Elli.

Sie brachte uns ein einziges Mal einen Vogel ins Haus, einmal eine Maus, die allerdings noch lebte! Es war ein Akt, diese zu fangen, Elli tat es nicht! Sie tötete keine Tiere.
Gerne saß sie an unserer Grundstücksgrenze und beobachtete andere Katzen, sie verteidigte ihr Revier aber nicht, lieber flüchtete sie durch die Klappe. Das mag daran gelegen haben, dass sie im Alter von ca. 5 Jahren entweder misshandelt oder angefahren wurde:
Wir waren im Urlaub, als unsere Tochter uns per Telefon benachrichtigte, Elli könne gar nicht mehr gehen, die Hinterpfoten könne sie nicht bewegen. Ich riet zur Ruhe, sie erholte sich einigermaßen. Als wir dann später zum Tierarzt gingen, war es zu spät, der tippte auf einen Beckenbruch, der schlecht verheilt war. Seitdem ging Elli schief, ihr Hinterteil fiel zur Seite. Manchmal, das in letzter Zeit häufiger, hatte sie bestimmt Schmerzen. Dann schlief sie viel.
Trotz dieser Behinderung kam sie bis vor 2 Jahren über unsere Balkonbrüstung geklettert, zog sich hoch, balancierte bis auf das Carportdach, lag dort gemütlich im dichten Wuchs von „Je länger, je lieber“. Ein herrlicher Ausblick für sie - ein toller Anblick für uns!
Zu etwa dieser Zeit wurde sie ein weiteres Mal krank, konnte plötzlich die Hinterpfoten nicht mehr bewegen. Ein Tierarzt kam, sie erhielt Spritzen (auch die folgenden Tage durch Joana und mich) und wir erfuhren, dass auch Katzen Bandscheibenvorfälle haben können. Sie erholte sich wieder, mit dem Klettern war es aber vorbei. Lieber benutzte sie die Tür und legte sich zwischen die Blumentöpfe auf dem Balkon, um aus sicherer Entfernung alles zu beobachten.
Trotzdem wurde sie einmal so gebissen, dass der Schwanz vereiterte und laut Tierarzt abgenommen werden sollte. Die OP ergab aber Positives, er konnte gerettet werden. Zu unserem Erstaunen war aber unsere Tochter Jenny bei der OP umgefallen. Da ging es Elli besser!

Aus dem Wintergarten hatte sie einen guten Ausblick Dort stand ihr Körbchen am Fenster. Elli schaute oft stundenlang hinaus, sah, wenn wir kamen und begrüßte uns dann schon auf der Treppe. In den letzten Monaten nutzte sie diesen Platz immer häufiger, denn ihre Lieblingssessel im Wintergarten konnte sie nicht mehr erreichen.

Jeden Abend saß Elli zum Fernsehen neben mir auf ihrer Decke auf der Couch. Der Fernseher ging an, Elli kam. Jeder hatte seinen Platz. Auf Günters Sessel ist sie niemals gesprungen, auch durfte niemand auf meinem Platz sitzen, dann miaute sie so lange, bis alles seine Ordnung hatte. Täglich kämmte ich sie, das mochte sie gerne, gab aber auch per Kralle zu verstehen, wann sie genug hatte. Dann legte sie sich auf ihre andere Couchdecke.
Erstaunlich, was sie alles wusste! Bestimmte Dinge befolgte sie genau. Sie folgte uns z.B. wie ein Hund. Waren wir draußen, kam sie mit oder nach, lag ich im Sommer auf der Gartenliege, lag sie auf mir, grillten wir, saß Elli neben uns in der Hoffnung, etwas abzubekommen. Meistens klappte es! Sonntags beim Frühstück war sie immer dabei, saß und beobachtete uns. Morgens lag sie so lange vor der Badtür, bis ich heraus kam. Sie humpelte bis zum letzten Tag morgens die Treppe hinauf, um mich zwecks Fütterung zu holen. Und sie konnte herzzerreißend miauen, wenn sie Hunger hatte. Ich habe nie eine Katze so laut miauen hören.
Sie liebte zum Fernsehen Chips, Salzstangen und auch mal ein Stück Käse, am liebsten fraß sie aber ihre Knabberstangen.

Elli liebte Körperkontakt und unsere Nähe. Joana badete vor kurzem bei uns, als wir im Urlaub waren. Die Katze wäre am liebsten mit ins Wasser gegangen, so nahe lag sie eine halbe Stunde auf dem Badewannenrand. Wir bekamen von dieser Prozedur eine MMS geschickt.

Urlaub nahm uns unser Katzenkind übel. Kehrten wir zurück, war sie zunächst eingeschnappt und wollte nichts von uns wissen. Nach einer gewissen Zeit wollte sie dann möglichst auf den Arm genommen werden, um uns nie wieder zu verlieren. Sie schmuste so gerne, verstand, wenn es mir nicht gut ging. Nach einer Fuß-OP saß sie z.B. nur an meiner Seite, so, als wenn sie mich trösten wollte.
Im fortgeschrittenen Alter wurde Elli von einem herumstreunenden Kater vergewaltigt, sie blutete stark. Der Arzt musste kommen, sie durfte tagelang nicht raus. Da stand sie traurig vor ihrer Klappe, bis ich sie per Leine ausführte. Der Kater strich noch einige Tage in der Gegend umher, dann ward er nicht mehr gesehen. Elli durfte wieder die Freiheit genießen.

Beim Umher tollen im Garten rutschte sie einmal in unseren kleinen Gartenteich. Vor Schreck wusste sie nicht, wie ihr geschah und sie rannte so schnell sie nur konnte ins Haus. Wir lachten!
Ein weiteres lustiges Erlebnis hatte ich mit ihr im letzten harten Winter:
Elli wollte wieder einmal vorne aus der Haustür, beachtete aber die Schneehöhe nicht, versank bis zum Bauch im Schnee, machte einen riesigen Satz und rannte mit höchster Geschwindigkeit zurück in den Wintergarten. Dort legte sie sich für viele Stunden auf den Heizungskörper. Diese Aktion wird mir immer im Gedächtnis bleiben!

Mit der Zeit pullerte unsere Katze häufiger Blut. Wir fuhren zum Tierarzt, sie bekam Tabletten, dann ging es eine Zeit, plötzlich verlor sie Urin im Arbeitszimmer auf der Auslegeware, pullerte in Ecken, wenn sie es nicht mehr nach draußen schaffte. Es war ihr bestimmt unangenehm, deshalb die Verstecke. Nie machte sie ein großes Geschäft irgendwohin, nie pullerte sie in die obere Etage, nie in unseren Wandkleiderschrank, in dem sie gerne stundenlang schlief.

Am 14. Juni entschloss ich mich nach schlaflosen Nächten, einen Tierarzt um Einschläferung zu bitten. ich nahm Abschied, machte Fotos, aber den Arzt konnte ich nicht erreichen. Zum Glück! Am nächsten Tag holte meine Tochter nochmals Tabletten, ich war froh, dass es wieder etwas besser wurde. Doch die Freude hielt nicht lange an. Elli pullerte wieder ins Arbeitszimmer, ins Bad, ins Körbchen...

Am 18.8.2010 befragte ich den Tierarzt, ob es eine weitere Behandlung gäbe. Dieser verneinte, da sicher Nervenbahnen, die mit der Blase zusammenhängen, zerstört waren, das schon lange.
Nun musste ich mich ganz schnell entscheiden, denn Ellis Tod vor mir zu haben, wurde mit jeder Stunde schmerzhafter. Schweren Herzens fasste ich den Entschluss für den folgenden Tag.
Die Nacht kam Elli zu mir und schlief, was sie ewig nicht getan hatte, bis 2:30 Uhr ganz dicht bei mir auf dem Kopfkissen. Ob sie etwas ahnte?

Joana und ich waren bei ihr, als der Arzt ihr zunächst eine Beruhigungsspritze gab. Sie schlief ruhig ein, wir streichelten sie lange. Wir waren bei ihr, als sie durch eine weitere Spritze nicht mehr aus dem Schlaf erwachte.

Elli hat uns jeden Tag Freude gebracht, sie war uns sicher täglich dankbar, dass wir sie aus dem Tierheim geholt haben.
Sie hatte ein schönes Katzenleben. Ich hoffe, dass wir ihr mit dem Einschläfern Quälerei und Schmerzen erspart haben. Sie hätte bestimmt noch weitere Monate durchhalten können - aber wie?
Elli war die liebste Katze der Welt, keine wird sein wie sie. Sie bleibt für uns die einzige!

19.8.2010

Genau eine Woche später: Buffi, die Katze von gegenüber, sitzt lange an und auf Ellis Grab.
Ob sie sie auch so vermisst?

© marggro -

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Kommentar von: Moni 2010-08-28 10:32
Ach man, was für eine schöne, wahre Geschichte. Schnief... l.G. Moni
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Kommentar von: Solander 2011-03-21 21:03
Meine Güte! Ich "hasse" Geschichten, die mich sooo mitnehmen wein*
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Kommentar von: Angelina 2011-03-22 08:20
Welch eine schöne Geschichte wein* Mir ist es mit meinem ersten Dackel- mädchen ähnlich gegangen. Ich bin ganz allein mit ihr zum Tierarzt und sie ist friedlich eingeschlafen. Auch das gehört zur Verantwortung für ein Haustier! LG Angie
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