Schöne Bescherung
Eigentlich hätte der junge Stafford-Mix Harro bei seiner Besitzerin ein schönes langes Hundeleben vor sich gehabt. Als aber Frauchen arbeitslos wurde, blieben für Harro das Tierheim und die Hoffnung auf ein neues Zuhause.
Als seine Besitzerin von der Firma die Kündigung erhielt, blieb für Harro zunächst alles beim Alten. Auch daß Frauchen als Arbeitslose mit weniger Geld auskommen mußte, hatte für Harro noch keine Konsequenzen. Sie schrieb eine Vielzahl von Bewerbungen, hatte hier und da sogar ein Vorstellungsgespräch, aber welcher Arbeitgeber wollte schon eine Mittfünfzigerin einstellen? So trat wohl oder übel die neue Regelung Hartz IV in Kraft. Arbeitslosenhilfe, gleichgesetzt mit Sozialhilfe.
Finanziell wurde es eng.
An finanzielle Einschränkungen hatte sich die Besitzerin von Harro gewöhnt. Nun aber wurde es mit 340 € monatlich plus Miete und Heizkosten verdammt eng. Da mußte schon überlegt werden, ob man sich die Hautcreme „leistet“. Schließlich halten Essen und Trinken Leib und Seele zusammen. Das gleiche galt für Harro. Hinzu kamen Hundesteuer und Tierarztkosten, die sich bei dem 4-jährigen Staffordshire-Mix mit Impfungen und gelegentlichen Tierarztbesuchen noch in Grenzen hielten. Doch schon das forderte seiner Besitzerin schmerzliche finanzielle Zugeständnisse ab.
Not zwingt zum Handeln
Als Frauchen wieder einmal ihre Einnahmen und Ausgaben nachrechnete, schoß es ihr blitzartig durch den Kopf: „Wieviel Geld hätte ich mehr, wenn Harro nicht da wäre?“ Sie erschrak bei dem Gedanken. „Nein, doch nicht Harro weggeben!“ Aber wie weit sollte sie den Lebensstandard noch herunterschrauben? Angesichts ihrer bescheidenen finanziellen Lage, die ihr schon manche schlaflose Nacht bereitet hatte, drängte sich der entsetzliche Gedanke immer wieder auf. „Wohin mit Harro?“
Das Weihnachtsfest nahte. Geschenke für die Kinder? Das Weihnachtsmenü? Die Flasche Wein? Das war einmal. Das Weihnachtsfest mußte diesmal sehr bescheiden ausfallen Aber Weihnachten ohne Harro? Es war allein die finanzielle Not, die Frauchen die letzte Hürde der Entscheidung überwinden ließ, ihren Hund im Tierheim abzugeben. Es war der 21. Dezember 2005. Sie hatte sich die Entscheidung wahrhaftig nicht leicht gemacht. Ihr Weihnachtswunsch für Harro, daß er recht bald eine neue Familie fände.
Überfüllte Tierheime
Harro ist kein Einzelfall. Immer mehr Haustiere werden aus Gründen finanzieller Not im Tierheim abgegeben, Tendenz steigend. Das betrifft vor allem kranke, alte und pflegebedürftige Tiere. Sie werden nicht selten auf dem Gelände des Tierheims angebunden. Ihre Besitzer bleiben unbekannt. Die Abgabe geschieht in den meisten Fällen, weil der Tierhalter die Kosten für Tierarzt und Medikamente nicht mehr aufbringen kann. Ebenso schwierig gestaltet sich die Vermittlung eines Haustieres. „Die Verweildauer im Tierheim ist wesentlich länger als früher“, so die Presseabteilung des Tierheims Berlin.
Mit Mehrkosten belastet
Ein Tierheimtag kostet inklusive Unterbringung, Futter, Personalkosten und Tierarzt etc. 9.300 EURO. Ohnehin eine stattliche Summe, wenn man bedenkt, daß durch häufigere Abgaben und längere Verweildauer der Haustiere im Tierasyl diese sich noch erheblich erhöht.
Wer also sein Haustier ins Tierheim gibt, wird zahlen müssen. Ein kastrierter und geimpfter Hund zum Beispiel, kostet bei Abgabe ins Tierheim 60 EURO. Ist dieser weder geimpft noch kastriert, kostet die Abgabe 150 EURO. Anders, wenn der Tierhalter einen Hartz IV -Nachweis vorlegen kann. In diesem Fall darf er das Tier kostenlos abgeben. Das aber können sich Tierheime auf Dauer kaum leisten.
Zu den bevorstehenden Wahlen es Berliner Abgeordnetenhauses hat der Tierschutz für Berlin ein 10-Punkte-Programm vorgelegt. An oberster Stelle steht die Forderung, Hartz IV-Empfängern die Hundesteuer zu erlassen.
Die Pressestelle des Tierheims Berlin: „Es kann nicht angehen, daß immer mehr Tiere wegen finanzieller Not im Tierheim abgegeben werden.“