Bruno
Wie sehr Tiere ein Menschenleben bereichern können, durfte ich mit Bruno erfahren.
Bruno hat uns fünfzehn Jahre lang begleitet und uns mit seinem treuherzigen Wesen viel Freude bereitet. Am 4. Januar 2005 - verließ er uns nach einem schönen langen Hundeleben. Gerne erinnere ich mich an Ereignisse, die wir mit ihm teilten, und die unserem Alltag einen Inhalt gaben. Episoden aus seinem Leben habe ich aufgeschrieben, denn in unserer Erinnerung wird Bruno weiterleben. Und in meinem Herzen hat er längst seinen Ehrenplatz.
Tja, - Wie kam ich nun zu Bruno…
Zu erst war Minka, meine Katze da. Minka wurde am 29.06.77 geboren, genau an dem Tag, wo meine Tochter Melanie das Licht der Welt erblickte. Wie sehr hatte ich mich auf dieses Kind gefreut! Aber Melanie wurde nur ein paar Tage alt.. Es war Minka, die mich über den Tod meiner Tochter ein wenig hinwegtröstete. Sie war dann mein Mädchen, und mit ihr begann mein Leben mit Tieren. Später kamen Bruno, die Wellensittiche Hansi und Sissi, der Nymphensittich Coco, Mike, die Tochter von Bruno und Hase Suscha hinzu.
Ach ja, ich wollte von Bruno erzählen.
Bruno war ein „Von“, Rasse: Malteser, Geschlecht: männlich, geboren am 01.01. 1990 mit Zuchtbuchnummer und Ahnennachweis. Eigentlich hieß er Haico von Lomino. So war es im Zuchtbuch eingetragen.
Ich kaufte also Bruno im zarten Alter von sechs Wochen von einer Züchterin.
„Der wird nicht groß“, versicherte sie mir, und so war es gut, denn ich wollte ja einen kleinen Hund.
Ein Hund mit Charakter
Da hatten wir nun unser kleines weißes „Wollknäuel“, mit seinen lustigen Knopfaugen und der schwarzen Stupsnase. Haico von Lomino war ein Rüde mit Adelsprädikat. Ein wenig stolz war ich schon, denn ich hatte einen Hund, einer zweitausendjährigen Rasse. Schon im Altertum war der Malteser ein Haustier, das sich nur hochrangige Prominente leisten konnten. Auch sein Name, Haico von Lomino, klang schon außergewöhnlich. Ich aber, nannte ihn Bruno. Das war einfacher und gefiel mir besser.
Die Prognosen der Züchterin sollten sich bald als Irrtum erweisen. Es schien so, als hörte Bruno nicht mehr auf zu wachsen. Er wuchs zwar nicht in die vergleichbare Größe eines Cockerspaniels. Für einen Malteser allerdings, war er schon recht kräftig. Dabei hatte ich mich innerlich auf einen Schoßhund eingestellt. Was sollte ich machen? Ihn zur Züchterin zurückbringen, ihr sagen: „Mit seiner Größe stimmt etwas nicht, das war nicht abgemacht?“ Zu spät, ich hatte mich schon an Bruno gewöhnt und wollte ihn nicht mehr hergeben. Da musste er eben bleiben wie er war.
Für meinen Mann existierte Bruno einfach. Nicht, dass er ihn besonders liebte. Vielleicht duldete er ihn auch meinetwegen. Ich dagegen hatte Bruno von Anfang an ins Herz geschlossen und er - akzeptierte mich. Ich behaupte sogar, dass er mich mochte, denn ich war immerhin diejenige, die ihn fütterte und versorgte. Meinen Mann aber ließ er nicht aus den Augen. Wohin er auch ging, lief Bruno hinter ihm her. Manchmal wurde er richtig aufdringlich. Dann brummte Herrchen: „Ach, lass mich doch in Ruhe.“ Daraufhin schauten ihn zwei treue Hundeaugen an, als wollten sie sagen: „ Das hast du doch nicht ernst gemeint!“ Nein, Bruno ließ sich nicht abweisen. Er blieb meinem Mann auf den Fersen, stupste ihn, als wollte er ihm zeigen: „Du, ich bin auch da!“
Bruno kämpfte hart um die Gunst meines Mannes. Da musste sich Herrchen schon etwas Besonderes einfallen lassen, wenn er Bruno mal loswerden wollte. Aber Bruno hatte ja noch mich, die dann zweifellos für ihn da war.
Der heimliche Münzensammler
Als Junghund liebte es Bruno nicht sehr, wenn er allein bleiben musste. Ich arbeitete in der Gaststätte. Sie lag gleich um die Ecke, nur wenige Schritte von meiner Wohnung entfernt. Eines Tages wurde ich jäh aus meinem Arbeitsablauf herausgerissen. Die Feuerwehr stand vor unserem Haus. Nachbarn hatten aus meiner Wohnung Kindergeschrei vernommen und Alarm geschlagen. Voller Entsetzten, was dort passiert sein könnte, öffnete ich den Feuerwehrleuten meine Wohnungstür. Drinnen war es still.
„Ich hätte schwören können, aus deiner Wohnung drangen Kinderschreie“, versicherte mir meine Nachbarin, „sonst hätte ich nicht die Feuerwehr alarmiert.“
Die Feuerwehrleute fanden einen kleinen Hund, der friedlich auf seinem Platz saß. Bruno schaute mich an, als wollte er sagen: „Da bist du ja endlich!“ Sein Heulen hatte die Nachbarschaft in Alarmbereitschaft versetzt. Bruno gefiel es eben nicht, wenn er allein bleiben musste, während ich morgens zur Arbeit ging.
Umso mehr Verständnis zeigte meine Chefin, die es mir daraufhin gestattete, Bruno mitzubringen. Ich nahm meinen Hund also mit in die Kneipe. So zählte Bruno bald zum Stammpersonal. Wenn ich morgens die Wechselkasse übernahm, machte ich mit meiner Chefin die Auszählung. Währenddessen wuselte Bruno überall herum, schaute hier, schnupperte da. Wichtigeren Dingen zugewandt, ließ ich Bruno völlig außer Acht. Zu dem Wechselgeld, das ich in die Kasse zählte, gehörte auch eine Rolle Fünf-Mark-Stücke, die ich irgendwie vermisste. Ich sprach meine Chefin an: „Sag mal Inge, hast du mir das ganze Geld gegeben?“
„Aber ja doch“, versicherte sie mir.
„Mir fehlt eine Rolle mit Fünf-Mark-Stücken.“
„Die stand doch eben noch auf dem Spülbeckenrand.“
Meine Augen glitten über die Theke und das Spülbecken.
„Siehst du noch richtig?“ fragte ich mich. In der Tat, da war keine Geldrolle.
„Inge, ich habe sie wirklich nicht gesehen“, beteuerte ich meiner Chefin gegenüber. Sie schüttelte den Kopf, sagte aber nichts weiter, ging nach Hause, holte eine Fünf-Mark-Rolle und legte sie neben die Kasse.
„Verstehe ich zwar nicht aber…“ – Inge sprach den Satz nicht zu Ende und zuckte nur mit den Achseln.
„Seltsam ist das schon“, dachte ich, und im Grunde war es mir peinlich, denn zwischen meiner Chefin und mir bestand ein altes Vertrauensverhältnis. Allerdings war mir Ähnliches schon mal zuhause passiert. Es lag Geld auf dem Tisch, und plötzlich war es nicht mehr da. Sollte mein Sohn etwa…? Ach nein, so etwas macht der doch nicht!“
Das Rätsel mit der verschwundenen Geldrolle konnte an diesem Vormittag nicht geklärt werden.
Am späten Nachmittag betrat ein Ehepaar, so um die Fünfzig, unsere Gaststätte, setzte sich an einen der Tische und bestellte ein Kännchen Kaffee. Ich servierte ihnen den Kaffee und etwas Gebäck und kümmerte mich dann um die anderen Gäste. Bruno lag an seinem Stammplatz, und es sah so aus, als döste er in den Nachmittag hinein. Eine gute Stunde verging. Das Ehepaar, dem ich den Kaffee serviert hatte, deutete mir an, es wolle zahlen. Der Mann legte ein Fünf-Mark-Stück auf den Tisch, während ich begann, das Wechselgeld herauszuzählen. Bruno musste das beobachtet haben. Wie ein geölter Blitz stand er plötzlich neben mir, legte seine Pfote auf das Fünf-Mark-Stück, schnappte es und verschwand damit in seinem Korb.
„He du diebische Elster“, rief ich hinter ihm her, als ich im Eiltempo meinem Hund folgte. Der lag schon wieder in seiner Kuschelecke und tat, als wäre nichts geschehen.
„Bruno, wo ist das Geld“, fragte ich energisch, worauf mich sein seelenruhiger Unschuldsblick traf als wollte er sagen: „Warum regst du dich so auf?“
Nun reichte es mir. Ich zitierte Bruno aus seinem Korb, nahm die Kissen raus, schüttelte seine Decke aus und – siehe da, es fielen einige Silbermünzen auf den Boden. Und nicht nur das. Unter seinem Kissen – ich traute meinen Augen nicht – lag eine ganze Rolle Fünf-Mark-Münzen, genau die, die heute Morgen beim Wechselgeld gefehlt hatte. Nun dachte ich wirklich: „Hier bist du im „falschen Film“.
Ich gab dem Ehepaar das Wechselgeld zurück und entschuldigte mich. Die Gäste nahmen es mit Humor. Ein Hund, der heimlich Münzen sammelt, so etwas hatten sie noch nie erlebt.
Zuhause suchte ich daraufhin meine Wohnung ab. Ich kam mir vor, wie in einer Schatzkammer. Pfennige, Markstücke und Fünfmarkstücke fand ich in den Ecken, unter den Kissen, unterm Teppich und an den unmöglichsten Stellen.
Ja, Bruno war nun als heimlicher Münzensammler entlarvt.
Abenteuer in Istanbul
Wenn ich Urlaub machte galt die Devise: „Nicht ohne meinen Bruno“. In der Antalya-Bucht an der warmen Mittelmeerküste wollten Bruno und ich die schönsten Wochen des Jahres verbringen.
Ich stand mit Bruno und meinem Gepäck am Flughafen vor der Gepäckabfertigung. Ich hätte meinen Hund viel lieber mit in die Kabine genommen, anstatt ihn als „Gepäckstück“ aufzugeben. Aber Vorschrift ist nun mal Vorschrift, und ob es mir passte oder nicht, ich musste mich daran halten. Ein bisschen mulmig war mir schon, als ich Bruno in einer Hundetransportbox neben meine Koffer auf das Transportband stellte. Da ging er hin, mein Bruno, inmitten der vielen anderen Gepäckstücke und Transportkisten.
„Machs gut, Bruno. In Antalya sehen wir uns wieder.“
Der Flug verlief zunächst ohne Besonderheiten. Die beiden Stewardessen machten uns mit den Sicherheitsbestimmungen, was das Anschnallen und die Benutzung der Sauerstoffmasken betraf, vertraut, bemühten sich um das leibliche Wohl der Passagiere und erfüllten hier und da Sonderwünsche. Unser Verwöhnurlaub hatte begonnen.
Ich weiß nicht mehr, wie lange wir so ruhig über den Wolken dahin glitten, als wir plötzlich in eine Wetterfront gerieten. Unsere Maschine ruckte, rappelte und neigte sich, als führen wir im Jeep über eine Crossstrecke. Wir stürzten in luftleere Räume ab – und fingen uns wieder. Durch die zwangsläufig geöffneten Gepäckklappen flogen Kleidungsstücke und Handgepäck nur so durch den Passagierraum.
Längst hatten die Stewardessen Anschnallpflicht ausgerufen. Sie eilten durch das Flugzeug, sammelten die umher liegenden Handgepäckstücke ein, verstauten sie wieder hinter den Gepäckklappen, die sie vergeblich versuchten geschlossen zu halten. Ich muss schon sagen, sie waren ernsthaft um das Wohl ihrer Fluggäste bemüht, verteilten Tüten für den Fall aller Fälle. Im Falle einer Notlandung sollte wir möglichst unbeschadet das Flugzeug verlassen können. Wer kümmerte sich schon um diejenigen, die da unten im dunklen Bauch der Maschine die Turbulenzen miterlebten? Ich dachte an Bruno – mein armer Bruno – so allein in der „Kiste“ zwischen all den Koffern und Reisetaschen - und „Mama“ ist nicht bei ihm. Sein alarmierendes Bellen, sein angstvolles Jaulen - niemand hört es. Vielleicht hat er jetzt Durst – und niemand gibt ihm zu trinken. Pausenlos dachte ich an Bruno. Was ist, wenn wir abstürzen? Am liebsten hätte ich jetzt den Gepäckraum aufgesucht, meinen Hund aus seinem „Gefängnis“ befreit, ihm gesagt: „Bruno, Mama ist ja bei dir.“ Stattdessen saß ich angeschnallt auf meinem Sitz, musste die Dinge über mich ergehen lassen, musste abwarten was in den nächsten Stunden passierte – und dachte doch immer nur an Bruno.
Die Landung in Istanbul war nicht geplant. Dennoch, als unsere Maschine – Gott sei Dank - wieder auf festen Boden aufsetzte, bat ich die Stewardess: „Geben Sie doch meinem Hund dort unten im Gepäckraum etwas Wasser.“ Meine Bitte löste Verwirrung aus.
„Gute Frau, wir haben eine Notlandung hinter uns. Da gibt es wichtigere Dinge zu tun, als einem Hund Wasser zu geben.“
Ich ließ nicht locker.
„Wenn mein Hund da unten verdurstet, mache ich Sie dafür verantwortlich. Immerhin ist auch er ein Fluggast, für den ich bezahlt habe.“
Es folgte eine heftige Diskussion. Danach sprach die Stewardess mit dem Kapitän, der ihr erlaubte, Bruno mit Wasser zu versorgen.
Auf dem Flughafen in Istanbul wurde uns das Gepäck ausgehändigt. Endlich bekam ich auch Bruno wieder. Ich roch das Unheil schon von weitem. Während der Turbulenzen hatte er vor lauter Angst Durchfall bekommen. Schnell nahm ich meinen Koffer und suchte mit Bruno eine Toilette auf. Ich setzte meinen Hund ins Waschbecken und wusch ihm das Hinterteil. Wie aber sollte ich seine Box und den Fußboden säubern, die auch reichlich mitbekommen hatten? Mit einem Stück Toilettenpapier war da nichts zu machen. Verzweifelt schaute ich mich nach einem Lappen um. Zum Glück entdeckte ich zwei Putzfrauen, die gerade den Toilettenvorraum säuberten. Sicher konnten sie mir helfen. Ich deutete auf ihren Scheuerlappen, den sie mir doch freundlicherweise borgen möchten. Mit der Verständigung aber, war es so eine Sache. Ich konnte kein Türkisch und diese Damen kein Deutsch. Mit rhetorischer Gestik versuchte ich ihnen mein Missgeschick klar zu machen. Sie aber starrten mich nur an und zuckten mit den Achseln. Warum verstand mich bloß niemand? Ich musste deutlicher werden, bückte mich und wollte einer der beiden Putzfrauen den Aufnehmer wegziehen, als diese mit lauter Stimme Alarm schlug und auf Türkisch etwas durch die Gegend brüllte. Kurz darauf standen einige Polizisten um mich herum. Mir fuhr der Schreck durch alle Glieder. Was sollte ich machen? Da stand ich nun, mit meinem Hund, der sich vor Angst von vorne bis hinten voll gemacht hatte. „Was werden die nun mit dir machen?“ dachte ich, „werden die dich jetzt in Handschellen legen, dich abführen wie eine Kriminelle?“ Dabei wollte ich doch nur einen Wischlappen ausleihen. Sprachschwierigkeiten können ganz schön abenteuerlich sein!
Wie durch ein Wunder tauchte plötzlich ein Tierarzt auf – ein südländischer Typ. Woher er kam, und was für ein Landsmann er war, weiß ich nicht. Ebenso wenig gehörte er zu den Passagieren unserer Maschine. Er war einfach da – als schickte ihn der Himmel. Irgendwie musste er die Aufregung mitbekommen haben.
„Was ist passiert?“ fragte er in ziemlich gutem Deutsch. Endlich einer, der meine Sprache verstand. So erzählte ich ihm mein Missgeschick. Nun waren alle Anwesenden hilfsbereit, und ich konnte mit einem sauberen Hund die Toilette verlassen.
Vier Stunden nach der Notlandung in Istanbul brachte uns die Maschine nach Antalya. Dort nahm ich gleich mein Quartier ein. Bruno war völlig durcheinander – körperlich und psychisch. Ich suchte einen Tierarzt auf, der ihm Medikamente aufschrieb, die ich in der nächsten Apotheke besorgte. Gut zwei Tage dauerte es, bis Brunos Zustand wieder einigermaßen stabil war. Danach verlebten wir schöne Tage an der Mittelmeerküste, die auch Bruno sicher gut getan haben.
Viel zu schnell ging unser Urlaub zu Ende! Mit Schaudern dachte ich an den Rückflug, und ich hätte schwören können: „Mein Bruno würde nie wieder in einer Box im Gepäckraum eines Flugzeuges mitreisen.“ Ehrlich gesagt, wollte ich ihm diese Strapaze nicht noch einmal zumuten. Ein zweites Mal hätte er derartige Turbulenzen nicht überlebt. So wandte ich mich an meinen Reiseveranstalter.
„Einen Hund im Passagierraum eines Flugzeuges? Niemals können wir das zulassen!“ Dann erzählte er mir etwas von Sicherheitsbestimmungen. Ach ja, das kannte ich alles schon. Ich kämpfte wie ein Löwe gegen Behördenbestimmung und Richtlinien. Niemals sollte Bruno wieder in einem Gepäckraum reisen. Nach langen Diskussionen bekam ich von der Reiseleitung die Erlaubnis. Auf dem Rückflug nahm ich Bruno mit in den Passagierraum, natürlich in seiner Transportbox. Diesmal sind wir - ohne Turbulenzen - wieder glücklich in Berlin gelandet.
Familienglück
Längst war Bruno ein gestandener Rüde, kein Wunder also, wenn da die Hormone kreisten. Sollte ein Hund wie Bruno sein Leben als ewiger Junggeselle fristen und eines Tages von dieser Welt scheiden, ohne etwas hinterlassen zu haben? Das war wohl nicht die Erfüllung eines Hundelebens. Mein Hund ging also auf Brautschau und fand eine reizende Partnerin, die Berry. Berry gehörte zwar nicht zur Rasse der Malteser, aber sie war eine bildhübsche Hündin und Brunos „Kragenweite“. Berrys Fell prunkte in vier Farben, und ich musste meinem Bruno zugestehen, er hatte bei der Wahl seiner Partnerin Geschmack bewiesen. Aber auch Berry war heiß auf Bruno, und so tummelten sich bald vier Welpen in ihrem Bauch. Wahre Hundeliebe fragt eben nicht nach Rasse, Stammbaum und Ahnentafel.
Ich fieberte mit Berry dem Tag der Geburt entgegen, und war sicher aufgeregter als sie. Eines Tages war es soweit. Ich freute mich auf die Kleinen, ahnte aber zu dem Zeitpunkt noch nicht, was da auf mich zukommen sollte.
Mit Mike fing das Abenteuer an. Mitten in der Nacht wurde sie als Erste geboren, ein wahrhaft mickriges Hundebaby. Wie sich später herausstellte, war sie die Hässlichste vom ganzen Wurf. Was aber viel schlimmer war, Mike hat erst gar nicht das Licht der Welt erblickt. Als ich merkte, dass sie nicht atmete, haben mein Sohn und ich mit Mund-zu-Mund-Beatmung und Herzdruckmassage versucht, Mike ins Leben zurückzurufen. Behutsam entfernte ich den Schleim aus ihrem Mäulchen. Dann wieder die Mund-zu-Mund-Beatmung und wieder Herzdruckmassage. In Erste-Hilfe-Maßnahmen war ich im Grunde ungeübt, ich hatte so etwas mal in einer Fernsehsendung gesehen. Aber jetzt stand ich vor dem Problem und musste irgendwie dadurch. Ausgerechnet an einem Feiertag, wo ich nicht einmal einen Tierarzt herbeirufen konnte. Ich weiß nicht mehr, wie viele Stunden wir mit Wiederbelebungsversuchen zugebracht hatten, als Mike endlich anfing zu atmen. Ja, Mike lebte, und das erfüllte uns mit Stolz und Begeisterung. Ich hatte einen toten Hund zum Leben erweckt. In meiner Freude konnte ich es noch gar nicht fassen. Eigentlich wollte ich Mike vermitteln. Doch nachdem ich soviel mit ihr durchgemacht hatte, behielt ich sie. Ja, sie ist Brunos Tochter, meine kleine „Malteserin“. Ihr Fell ist nicht so weiß, wie das ihres Vaters, eher hatte es die Farbe von Champagner. Dennoch, jetzt fand ich Mike sogar hübsch.
Am nächsten Tag, so gegen Mittag kam dann auch der Tierarzt. Ich erzählte ihm, wie es mir mit Mike ergangen war. „Da haben Sie aber Schwerstarbeit geleistet“, lobte mich der Tierarzt, so etwas kann nicht jeder.“ Die erste Untersuchung ergab: Mike war soweit gesund, ziemlich mickrig, aber sonst okay. Dann untersuchte er Berry, die noch mit drei Babys schwanger ging. Die drei waren um einiges größer als Mike. Sie mussten einige Tage später per Kaiserschnitt geholt werden. Mitten in der Nacht sind wir dann in die Tierklinik Lankwitz gefahren. Ich legte Berry auf den Operationstisch. Dann konnte ich nichts mehr für sie tun.
Dass es mit Berry ein so trauriges Ende nahm, konnte wohl niemand vorausahnen. Der Tierarzt holte drei gesunde Hundebabys. Aber Berry lag auf dem Tisch – sie atmete nicht mehr. Was letztendlich zu ihrem Tode geführt hatte, blieb mir rätselhaft. Ihre Kinder aber, haben alle überlebt, und ich nahm sie mit und zog sie auf. So wie Berry, waren auch sie bildhübsche Welpen. Ich habe sie später vermittelt, und ich bin sicher, sie kamen in gute Hände. Nur Mike das „hässliche Entlein“ behielt ich, und das hatte ja auch seinen besonderen Grund.
Mike, und ihre drei Geschwister blieben nicht Brunos einzigen Kinder. Bruno und Mike waren später ein Herz und eine Seele, so dass zwischen den Beiden noch ein Bruno Junior entstand. Der trat später die weite Reise nach China zu seiner neuen Familie an.